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„Unsere Lebensqualität ein Stück verbessern“

Müllberg
Eine Lösung für das weltweit wachsende Müllproblem zu finden, ist eine große Herausforderung für die Abfallwirtschaft.
Foto: Elizaveta Shlosberg

Berufe in der Abfallwirtschaft: Interview

„Unsere Lebensqualität ein Stück verbessern“

Im Interview mit abi>> gibt Ronald Philipp vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. (BDE) Tipps für Berufseinsteiger und nennt die wichtigsten Trends der Abfall- und Entsorgungsbranche.

abi>> Herr Philipp, wie ist die derzeitige Arbeitsmarktlage in der Abfallwirtschaft?

Ronald Philipp: Vor allem bei nicht-akademischen Berufen haben die Unternehmen Schwierigkeiten, guten Nachwuchs zu finden. Aber auch der Mangel an Umweltingenieuren ist ein Problem.

abi>> Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ronald Philipp: Am Beruf selbst liegt es nicht, das Image ist gut, die Bezahlung attraktiv. Ich führe es eher darauf zurück, dass viele Abiturienten vor dem MINT-Bereich, also Fächern mit hohem Mathematik-, Informatik-, Naturwissenschafts- oder Technikanteil, zurückschrecken.

abi>> Was spricht für einen Job in der Abfall- und Entsorgungswirtschaft?

Ronald Philipp: Sekundärrohstoffwirtschaft ist eine Zukunftsbranche. Sie ist maßgeblich daran beteiligt, dass die klimapolitischen Ziele in Deutschland erreicht werden. Wer etwa neue Recyclingtechniken entwickelt, trägt dazu bei, unsere Lebensqualität ein Stück weit zu verbessern.

abi>> Gibt es die Möglichkeit, im Ausland tätig zu werden?

Ein Porträt-Foto von Ronald Philipp

Ronald Philipp

Foto: Privat

Ronald Philipp: Wer Auslandserfahrung sammeln will, ist im Umweltingenieurwesen richtig. Deutschland baut weltweit führende Recycling- und Müllverbrennungsanlagen, Umweltingenieure sind international gefragt. Während wir mit der Mülltrennung groß geworden sind und es heute hocheffiziente Sortieranlagen in Deutschland gibt, fangen andere Länder gerade erst an, sich damit zu beschäftigen. Es gibt zum Beispiel deutsche Firmen, die in Ländern des Mittleren und Nahen Ostens Systeme zur getrennten Erfassung von Abfällen etablieren.

abi>> Was sind derzeit die wichtigsten Trends in der Branche?

Ronald Philipp: Eine Lösung für das weltweit wachsende Müllproblem zu finden, ist nicht nur in Sachen öffentlicher Gesundheitsvorsorge und Umweltschutz notwendig, sondern auch eine sinnvolle ökonomische Investition. Untätigkeit kostet die Staaten fünf- bis zehnmal mehr als Investitionen in eine geordnete Entsorgung.

Drei Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu einer organisierten Müllentsorgung. Allein in den Städten fallen weltweit zwischen sieben und zehn Milliarden Tonnen Müll pro Jahr an. Vor allem in Großstädten und Metropolen werden deshalb zukunftsfähige Entsorgungskonzepte benötigt. Schon heute werden intelligente Entsorgungslogistiksysteme eingesetzt: Container melden selbst, wenn sie voll sind und abgeholt werden müssen. Solche Systeme müssen ausgebaut und weiterentwickelt werden. Dabei ist auch Datenschutz ein wichtiges Thema. Somit sind unter anderem auch Informatiker gefragt. Auch die Sortiertechniken müssen verfeinert werden. Daneben gibt es viele Nischenbereiche, für die Lösungen gefunden werden müssen.

abi>> Welche zum Beispiel?

Ronald Philipp: Noch lohnt es sich wirtschaftlich oft nicht, sogenannte Seltene-Erden-Metalle, die in elektronischen Geräten wie Smartphones und Tablets verbaut werden, zu recyceln. Irgendwann werden sich jedoch die Preise an den internationalen Rohstoffmärkten ändern und dann müssen entsprechende Recyclingverfahren bereitstehen. Eine ganz große Herausforderung ist die Phosphorrückgewinnung. Phosphor kann man nicht künstlich herstellen, er ist allerdings endlich und wird irgendwann aufgebraucht sein. Das stellt ein gravierendes Problem dar, weil Phosphor für Menschen, Tiere und Pflanzen lebensnotwendig ist. Auch hier braucht man Rückgewinnungsstrategien.

abi>> Was raten Sie Studierenden und Absolventen?

Ronald Philipp: Wer studiert, sollte unbedingt die Pflichtpraktika nutzen, um die Branche kennenzulernen. Am besten bei Unternehmen, die von der Logistik über die Sortierung und Aufbereitung bis hin zur Vermarktung der recycelten Rohstoffe den gesamten Kreislauf abdecken. Anhand dessen kann man leichter entscheiden, was einen interessiert. Für Berufseinsteiger gilt: Noten stehen für die Unternehmen heute nicht mehr unbedingt im Vordergrund. Stattdessen setzen sie auf eigene Tests und Bewerbungsgespräche. Hier sind ein glaubhaftes Interesse für das Thema und die eigene Persönlichkeit entscheidend.

abi>> 18.04.2016

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