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Karriere für Wissbegierige

Eine junge Frau bearbeitet ein Bild von einem Fundstück digital
Die Arbeit als Ägyptologe ist eine von zahlreichen Berufsmöglichkeiten im Bereich Wissenschaft und Forschung.
Foto: Jens Oellermann

Arbeiten in Wissenschaft und Forschung

Karriere für Wissbegierige

Etwas ganz Neues entdecken, die Welt um uns herum verstehen und Wege aufspüren, um sie zu verbessern – diese Ziele treiben viele Nachwuchswissenschaftler an. Doch wie sieht ihr beruflicher Alltag in der Realität aus? Welche Karrieremöglichkeiten gibt es an Hochschulen und Forschungseinrichtungen? abi>> hat nachgefragt.

Den Duft von Papyrus riechen und in eine fremde, faszinierende Welt eintauchen, die mehr als 2.000 Jahre zurückliegt: Das ist der Alltag von Nadja Böckler (27). Seit Ende 2014 promoviert sie am Lehrstuhl für Ägyptologie und Koptologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. In ihrer Doktorarbeit, Dissertation genannt, beschäftigt sie sich mit einem literarischen Text, der 70 Jahre vor Christus entstanden ist. Er heißt „Der Kampf um die Pfründe des Amun“.

„Zunächst lese und übersetze ich den Originaltext aus dem Demotischen, eine altägyptische Schrift und Sprache. Dann analysiere ich beispielsweise seine Grammatikstruktur und vergleiche ihn mit drei weiteren, jüngeren Textvarianten“, erklärt die Ägyptologin. Um den Text im Original auf Papyrus zu lesen, reist sie zu den Aufbewahrungsorten, beispielsweise nach Kopenhagen. Zurück an der LMU bespricht sie mit ihrem Doktorvater die Ergebnisse.

Für Nadja Böckler stand seit Beginn ihres Studiums fest, dass sie promovieren würde. Zu dem Thema kam sie über ihre persönliche Vorliebe fürs Demotische.

Promotion mit Gehalt?

Ein Porträt-Foto von Nadja Böckler

Nadja Böckler

Foto: Munich Sedcard

Während viele Doktoranden ihre Promotion über Stipendien oder als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Hochschule finanzieren, arbeitet Nadja Böckler im Staatlichen Museum für ägyptische Kunst in München. In ihrer unbefristeten Teilzeitstelle gestaltet sie Führungen und Vorträge. „Das ist ein großes Glück für mich“, sagt sie. Denn Sorgen um ihre berufliche Zukunft muss sie sich nicht machen. Auch nach ihrer Promotion, die sie in den üblichen fünf Jahren bis 2019 in der Tasche haben möchte, kann Nadja Böckler dank unbefristetem Arbeitsvertrag weiterhin im Museum arbeiten. Allerdings hofft sie, sich dann mehr wissenschaftlichen Aufgaben widmen zu können.

Rare unbefristete Stellen

Nicht für alle Nachwuchswissenschaftler bieten sich so rosige Perspektiven: Nach dem jüngsten „Bundesbericht Wissenschaftler Nachwuchs“ aus dem Jahr 2013 waren 2009 rund 68 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter an Universitäten befristet beschäftigt (der nächste Bericht erscheint 2017). Bisher betrug die Höchstdauer einer befristeten Anstellung an einer Hochschule 12 Jahre, im medizinischen Bereich bis zu 15 Jahre. Auch wenn sich 2017 daran einiges ändert (Details siehe Überblick über Gesetzesänderungen: Neue Perspektiven für Wissenschaft und Forschung), gibt es verhältnismäßig wenige Stellen an Hochschulen.

„Der Wissenschaftsarbeitsmarkt ist relativ angespannt. Vielen qualifizierten Bewerbern stehen sehr wenige freie Stellen gegenüber“, sagt Tim Frerichs, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Osnabrück. Die Zahlen bestätigen dies: Allein im Wintersemester 2014/2015 gab es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 196.200 Promovierende. Im Vergleich dazu beschäftigten die deutschen Hochschulen im Jahr 2015 insgesamt nur zirka 239.000 sozialversicherungspflichtige, hauptberufliche wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter. Dazu zählen Professoren, Dozenten und angestellte Lehrbeauftragte, promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter (früher auch Assistenten genannt) und Doktoranden mit befristeten Verträgen. (zur Abgrenzung der Begriffe siehe Glossar)

Dissertation als ‚Muss‘

Sie alle treibt der Drang nach Wissen an, sagt Tim Frerichs: „Die an wissenschaftlichen Fragen interessierten und sehr motivierten Studierenden suchen schon während ihres Masterstudiums Jobs als wissenschaftliche Hilfskräfte am Lehrstuhl und bauen aktiv Kontakte zu den dortigen Wissenschaftlern auf.“ Dies sei der erste, wichtige Schritt zu einer Karriere im Bereich Wissenschaft und Forschung. „Die anschließende obligatorische Promotion kann auch an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung – stets unter der Betreuung eines Hochschullehrers – stattfinden“, erklärt der Berufsberater (mehr Infos zum typischen Werdegang eines Wissenschaftlers Interview: Lehren, forschen und Geld eintreiben). Dort fänden einige dann auch ihr späteres Betätigungsfeld.

Mehr Stellen in den Naturwissenschaften

Finanzierungsquellen für die Promotionsstellen an Hochschulen sind unter anderem Drittmittel aus Industrie und Wirtschaft sowie Stipendien. „Durch die bessere Drittmittelausstattung in den Naturwissenschaften gibt es dort ein größeres Promotionsstellenangebot als beispielsweise für Geisteswissenschaftler“, erläutert Tim Frerichs. Nach der Promotion folgt häufig eine so genannte Postdoc-Zeit. Verbringt man diese an einem außeruniversitären Institut, hat man meist mehr Forschungsfreiheiten, während eine Tätigkeit an der Hochschule mit Lehrverpflichtungen einhergeht. Dabei sammeln die Promovierten weitere Erfahrungen, um sich auf die seltenen Festanstellungen zu bewerben. Sowohl eine Juniorprofessur als auch eine Habilitation können dann schließlich zu einer Professur auf Lebenszeit führen. „Alternativ können Nachwuchswissenschaftler nach der Promotion auch einige Jahre Berufspraxis außerhalb des Hochschulbetriebs sammeln, um eine Fachhochschulprofessur anzustreben“, ergänzt der Experte.

Forschen ohne Doktortitel

Aber nicht alle forschenden Mitarbeiter an einer Hochschule oder einer Forschungseinrichtung sind Akademiker. Auch verschiedene Ausbildungen können in diesen Bereich führen. „Dazu gehören naturwissenschaftlich-technische Assistenzberufe oder die Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Sie unterstützen die Forschenden, jedoch mit begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten“, erläutert der Berufsberater.

Schließlich kommt Tim Frerichs noch einmal zurück auf die Herausforderungen Frischpromovierter: Erfolgsentscheidend ist letztendlich, dass sich die Jungwissenschaftler gut in ihren Kreisen vernetzen, ständig weiterforschen und publizieren.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort zum Beispiel „Professor/in“).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit.
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen. Im Hochschulkompass kann man auch gezielt nach Promotionsmöglichkeiten an Hochschulen recherchieren.
www.hochschulkompass.de
www.hochschulkompass.de/promotion.html

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Karrierportal academics

Informationen zur Karriere in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, sowie umfassende Jobbörse.
www.academics.de

Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

www.bmbf.de

Branchen-Informationen und Fachverbände

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWIN)

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs vom Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
www.buwin.de

Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V.

www.dfg.de

Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur e. V.

Die Interessenvertretung für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
www.juniorprofessur.org

Deutscher Hochschulverband

www.hochschulverband.de

‚Familienfreundliche Hochschule‘ des GESIS – Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften

www.familienfreundliche-wissenschaft.org

Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK)

www.gwk-bonn.de

Hochschullehrerbund – Bundesvereinigung e. V.

www.hlb.de

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

www.hrk.de

Initiative „Innovative Hochschule“ des BMBF

www.innovative-hochschule.de

Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 91 selbstständige Forschungseinrichtungen.
www.leibniz-gemeinschaft.de

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.

www.stifterverband.org

UniWiND

Universitätsverband zur Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland e.V.
www.uniwind.org

Verband Hochschule und Wissenschaft (vhw)

www.vhw-bund.de

Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V.

www.vdw-ev.de

Wissenschaftsrat

www.wissenschaftsrat.de

abi>> 20.02.2017

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