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Im Beruf die Welt verbessern

Weizenfeld in Franken.
Nichtregierungsorganisationen engagieren sich insbesondere sozial- und umweltpolitisch, klären beispielsweise über ökologische Landwirtschaft auf.
Foto: Andre Deco

Arbeitgeber NGO – Hintergrund II

Im Beruf die Welt verbessern

Arbeiten – und damit Gutes tun: Diese Möglichkeit steht vielen offen. Denn bei sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind Abiturienten und Hochschulabsolventen aus unterschiedlichen Fachbereichen gefragt. Auf die engagierten Mitarbeiter warten oft besondere Herausforderungen.

Auch Ines Harmuth hat sich für eine Tätigkeit bei einer NGO entschieden. Sie arbeitet in Elternzeitvertretung beim WWF (World Wide Fund For Nature) Deutschland. Als Kampagnenassistentin hilft sie dabei, die Themen der Stiftung in die breite Öffentlichkeit zu bringen – zum Beispiel mithilfe eines Foodtrucks. „Mit ihm sind wir in zehn Städte gefahren, um darüber aufzuklären, dass durch die heutige Lebensmittelherstellung die biologische Vielfalt zerstört wird“, berichtet die 28-Jährige. „Ich war vor Ort, um Passanten anzusprechen und ihnen das Projekt zu erläutern. Außerdem habe ich verschiedene Schulklassen eingeladen und mit ihnen ein leckeres und gesundes Frühstück zubereitet, während ein Kollege über ökologische Landwirtschaft gesprochen hat.“

Menschen erreichen und begeistern

Ein Porträt-Foto von Ines Harmuth

Ines Harmuth

Foto: Benjamin Knispel

Für Ines Harmuth waren Erfahrungen während ihres Studiums wegweisend. An der Freien Universität Berlin erlangte sie den Bachelorabschluss in ‚Publizistik- und Kommunikationswissenschaft‘ mit dem Nebenfach Geschichte. Anschließend absolvierte sie das Masterstudium ‚Medien und Politische Kommunikation‘. Bei Praktika und Werkstudentenjobs im Bereich Journalismus, PR und Social Media entdeckte sie ihr Faible für die Kampagnenarbeit. „Ich wollte wissen, wie man erfolgreich und langfristig für Themen begeistert. Zudem wollte ich eine Arbeit finden, mit der ich Menschen erreiche und etwas bewirken kann“, erinnert sie sich. „Also habe ich online gezielt nach entsprechenden Stellen gesucht.“

Voraussetzungen für ihre heutige Position waren nicht nur der Hochschulabschluss und die Erfahrungen im Assistenzberuf. „Im Bewerbungsgespräch wurde rasch klar, dass auch viel Wert auf Soft Skills und ein freundliches Miteinander gelegt wird. Das hat mir gefallen“, erzählt sie. „Außerdem liegt mir der Umweltschutz sehr am Herzen. Der WWF passte daher als wissenschaftsbasierter, internationaler Arbeitgeber, der mit Unternehmen kooperiert, um sie nachhaltiger zu machen, wunderbar zu mir und meiner Einstellung.“

Umweltschutz, Gesundheit, Entwicklungspolitik

Ein Porträt-Foto von Dr. Thomas Neubacher-Riens

Dr. Thomas Neubacher-Riens

Foto: privat

Die Kombination aus soliden Qualifikationen und Engagement ist es, worauf es den NGOs ankommt. „Hinter dem Ziel, die Welt zu verbessern, stecken oft eine komplexe Verwaltung und Organisation“, bringt es Dr. Thomas Neubacher-Riens von der Arbeitsagentur Berlin Süd auf den Punkt. „Hier geht es auch um die Akquise von Mitteln, politische Netzwerkarbeit und darum, die Öffentlichkeit zu erreichen. Dafür werden keine Abenteurer gebraucht, sondern zum Beispiel Betriebswirte. Zudem fordert die Umsetzung der Hilfsmaßnahmen vor Ort Spezialisten mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen.“ Der Bereich ist riesig, denn die NGOs bilden nach dem privaten und öffentlichen Sektor den drittgrößten Arbeitsmarkt. Kein Wunder, dass hier das gesamte Spektrum an Berufen und Arbeitsfeldern vertreten ist wie in der freien Wirtschaft.

Aktiv sind die Organisationen vor allem in Bereichen wie Umweltschutz, Menschenrechte, Entwicklungspolitik und Gesundheit. Die konkreten beruflichen Möglichkeiten hängen oft mit dem jeweiligen Schwerpunkt der NGO zusammen. „Bei Hilfsprojekten in Entwicklungsländern können Naturwissenschaftler, die Daten erheben, und Ingenieure, die technisches Know-how einbringen, genauso gefragt sein wie Raumplaner, die sich konkret mit der Verdrängung der Bevölkerung von angestammten Ackerflächen beschäftigen“, erläutert der Berufsberater. „Auch für IT-Experten, Geisteswissenschaftler, Ärzte, Juristen, Sozialpädagogen, Lehrer und Menschen mit ganz anderen Abschlüssen bieten sich Möglichkeiten.“ So können etwa regionale Sprach- und Kulturkenntnisse förderlich sein, wie sie etwa beim Studium der Afrika- oder Asienwissenschaften vermittelt werden.

Frühzeitig gezielt aufstellen

„Wer sich schon im Studium gezielt in Richtung NGO aufstellen möchte, könnte im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) oder Social Entrepreneurship fündig werden“, sagt Thomas Neubacher-Riens. „Hier werden auf einer BWL-Basis Marketingstrategien mit sozialen Aspekten verknüpft, teils auch in ganz konkreten Bachelorstudiengängen wie zum Beispiel ‚Management von Non Profit Organisationen‘ an der Fachhochschule Wismar.“

In einigen Bereichen kann auch eine duale Berufsausbildung Türen öffnen. „Dies gilt vor allem für die Verwaltung. Kaufmännische Abschlüsse sind hier gefragt“, betont der Experte. „Für Hilfsprojekte werden außerdem Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Handwerker, Meister und Techniker gesucht.“

Evaluierung gewinnt an Bedeutung

Ein Porträt-Foto von Heike Spielmans

Heike Spielmans

Foto: Venro

„Es gibt bei NGOs nicht den klassischen Karriereweg“, bestätigt auch Heike Spielmans, Geschäftsführerin von Venro – dem Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. „Als Ärztin oder Gesundheits- und Krankenpfleger bei ‚Ärzte ohne Grenzen‘ zu arbeiten, ist etwas völlig anderes, als die Social-Media-Kanäle einer Umweltschutzorganisation zu betreuen“, sagt sie.

Ein Aspekt hat nach ihrer Einschätzung an Bedeutung gewonnen: die Frage, was NGOs faktisch erreichen und bewirken. „Für die Evaluierung sind zunehmend Fachkräfte gefragt, die Kenntnisse über Messinstrumente und Methoden mitbringen“, erklärt sie. „Große Organisationen haben dafür eigene Abteilungen. Weitere Möglichkeiten bieten sich in Agenturen, die entsprechende Consultings anbieten oder durch eine selbstständige Tätigkeit als Evaluierer.“ Hierzu gibt es auch spezielle Masterstudiengänge, etwa ‚Evaluation‘ an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Mit Erfahrung punkten

Für den Einstieg in eine NGO nennt die Expertin ebenfalls verschiedene Wege, entscheidend ist dabei vor allem eins: „Erfahrungen – sei es durch Praktika, ehrenamtliches Engagement, Freiwilligendienste, Projektassistenzen oder andere Beschäftigungen. Hat man erst einmal Kontakte geknüpft, ergeben sich intern oft weitere Möglichkeiten.“

abi>> 27.11.2017

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