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Das erwarten NGOs von Bewerbern

Sebastian Richter spricht im Büro mit einer Mitarbeiterin
Was erwarten Nichtregierungsorganisationen von ihren Bewerbern? Personalverantwortliche unterschiedlicher NGOs geben Antworten.
Foto: Armin Weigel

Arbeitgeber NGO – Personalerstatements

Das erwarten NGOs von Bewerbern

Welche beruflichen Möglichkeiten bieten sich bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs)? Und auf welche Abschlüsse und Qualifikationen legt man dort Wert? abi>> hat bei Personalverantwortlichen nachgefragt.

Florian Landorff, Head of Human Resources bei der Deutschen Welthungerhilfe e. V. Bonn:

Ein Porträt-Foto von Florian Landorff

Florian Landorff

Foto: privat

„Hinsichtlich der Abschlüsse haben wir eine ziemlich diverse Belegschaft. Darunter finden sich Agrarökonomen genauso wie zum Beispiel Geographen oder Philosophen. Gerade bei Hilfsprojekten im Ausland ist für uns die formale Ausbildung weniger relevant. Der beste Abschluss bringt wenig, wenn jemand nicht in dem Umfeld zurechtkommt. Wir setzen daher vielmehr auf schon vorhandene Arbeitserfahrung im Ausland, möglichst in Entwicklungsländern.

Wichtig ist uns außerdem eine Leidenschaft für soziales Engagement – konkret die Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo Hilfe benötigt wird, und sich dabei für Menschen einzusetzen. Dabei erwarten wir auch ein gewisses Maß an Flexibilität sowie Teamfähigkeit, interkulturelles und internationales Denken. Wir suchen keine Abenteurer, sondern gefestigte Persönlichkeiten. Leute, die bereit sind, in jeder Situation Verantwortung zu übernehmen und die für unsere Vision brennen, die mit einem afrikanischen Bauern genauso respektvoll umgehen können wie mit einem deutschen Diplomaten. Bei den Fremdsprachen ist Englisch eine Grundvoraussetzung, mit zusätzlichen Sprachen hat man besonders gute Karten. Ein absolutes Plus ist bei uns Französisch. Fast alle unserer Mitarbeiter sind im Ausland tätig. Im Verwaltungsbereich unserer Geschäftsstelle in Bonn bieten sich vereinzelt ebenfalls Möglichkeiten.“

Michaela Stemplinger, Mitglied im Vorstand von Peace Brigades International – Deutscher Zweig e.V.

Ein Porträt-Foto von Michaela Stemplinger

Michaela Stemplinger

Foto: privat

„Peace Brigades International (pbi) entsendet Friedensfachkräfte/Freiwillige in konfliktgebeutelte Regionen in den Ländern Kolumbien, Mexiko, Guatemala, Honduras, Kenia, Nepal und Indonesien. Die Mitarbeitenden im Büro der deutschen Geschäftsstelle, pbi Deutschland, unterstützen die Tätigkeit in den Projektländern durch Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsarbeit, Projektbegleitung, Fundraising und Freiwilligenbegleitung. Mit diesen diversen Arbeitsbereichen stellt die Organisation eine Vielzahl an unterschiedlichen Anforderungen an potenzielle Bewerber.

Unabhängig von einer bestimmten Stellenausschreibung legt pbi Wert auf bereits bestehende Kenntnisse der NGO-Welt sowie der Friedens- und Menschenrechtsarbeit und ihren aktuellen politischen Diskursen. Für Bewerber ist es ebenfalls hilfreich, bereits Erfahrungen durch ehrenamtliches Engagement zu besitzen. Aufgrund der Präsenz in Lateinamerika, Afrika und Asien und aufgrund des regelmäßigen Austauschs mit den Mitarbeitenden im Büro, müssen Bewerber sehr gute Englischkenntnisse mitbringen, gute Spanischkenntnisse sind wünschenswert. Ein Studium oder eine Berufsausbildung sind, abhängig vom Arbeitsbereich der Stellenausschreibung, notwendig für eine Bewerbung. Grundsätzlich ist es uns wichtig, engagierte, motivierte und teamfähige Menschen dafür begeistern zu können, sich bei pbi zu bewerben.“

Sabine Wittenbrink-Daut, Leiterin Personalwesen und Büroorganisation beim WWF (World Wide Fund For Nature) Deutschland:

Ein Porträt-Foto von Sabine WIttenbrink-Daut

Sabine Wittenbrink-Daut

Foto: Janna Frohnhaus

„Wir suchen Menschen mit Lust auf Naturschutz. Der WWF ist eine der größten Umweltschutzorganisationen weltweit. Unsere Einsatzgebiete reichen vom Regenwald in Brasilien und Indonesien über den Kampf gegen die Elefantenwilderei in Afrika bis hin zum Klima-, Meeres- und Artenschutz in Deutschland. Das beinhaltet aber auch viel Verwaltungsarbeit. Einstiegsmöglichkeiten gibt es sowohl mit einem abgeschlossenen Studium als auch mit einer Berufsausbildung. Um auf Fach- und Führungsaufgaben vorzubereiten, haben wir gerade ein Trainee-Programm im Naturschutz gestartet.

Viele Universitäten bieten Studiengänge mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit an, die auch auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet sind. Sie beinhalten neben Naturschutzwissen auch Kurse in Projektmanagement, Kommunikation, Fundraising und Marketing. Das ist aber kein Muss. Gefragt sind beispielsweise auch Absolventen der Naturwissenschaften. Generell suchen wir einen Mix aus Persönlichkeit, fachlichem Know-how und Berufserfahrung, Praktika oder Ehrenamt. Darüber hinaus zählen für uns Teamfähigkeit, ganzheitliches Denken, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Lernbereitschaft sowie Begeisterungsfähigkeit. Sprachkenntnisse, insbesondere Englisch, sind von Vorteil. Erfahrungsgemäß sind Masterabsolventen für unsere anspruchsvollen Stellen geeigneter. Bachelorstudenten konnten sich oft noch nicht tiefgehend genug mit einem Thema befassen. Sehr wertvoll sind außerdem erste Erfahrungen mit Naturschutz-Projekten im Feld.“

Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von Terre des Femmes e.V.:

Ein Porträt-Foto von Christa Stolle

Christa Stolle

Foto: Terre des Femmes

„Ein guter Einstieg bei Terre des Femmes ist ein Praktikum während des Studiums oder zwischen Bachelor- und Masterstudium. Ein erstes Praktikum nach dem Masterstudium ist bei uns nicht möglich. Masterabsolventen, die zuvor schon bei uns ein Praktikum gemacht haben, bringen jedoch beste Voraussetzungen mit. Für die Mitarbeit bei Projekten machen wir in der Regel zunächst interne Ausschreibungen. Hierzu haben wir einen eigenen Verteiler für unser Netzwerk mit ehemaligen Praktikanten eingerichtet.

Bezüglich der Fachbereiche sind wir sehr offen. Es passen beispielsweise Abschlüsse in den Sozialwissenschaften, Jura / Rechtswissenschaften oder Wirtschaftswissenschaften – am besten gepaart mit Erfahrungen in der Wirtschaft. Auch Quereinsteiger aus anderen Fachbereichen oder ohne Hochschulabschluss haben gute Chancen, wenn sie Engagement, Praxiserfahrung und gleichwertige Qualifikationen mitbringen.

Bei den Soft Skills kommt es auch auf die jeweilige Stelle an. Bei leitenden Positionen achten wir natürlich sehr auf Führungsqualitäten, bei Projektstellen auf Organisationstalent und Erfahrungen im Projektmanagement. Und: Es bewerben sich zwar vorwiegend Frauen bei uns, doch wir schreiben Stellenangebote geschlechtsneutral aus. So kommen selbstverständlich auch männliche Bewerber infrage, wenn sie die gewünschten Qualifikationen mitbringen und unser Leitbild vertreten.“

abi>> 27.11.2017

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