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Anlaufstelle fürs Leben

Ein junger Mann steht an einem großen Tisch auf dem Karten und der Modellentwurf einer Wohnanlage mit verschiedenen Häusern liegt.
Die Kommunalverwaltung versucht unter anderem Stadtstruktur und Wünsche der Verkehrsteilnehmer bestmöglich in Einklang zu bringen.
Foto: Ralph Hölzer

Arbeitgeber Rathaus – Hintergrund

Anlaufstelle fürs Leben

Wohnsitz melden, Pass beantragen, heiraten oder einen Kitaplatz finden: In diversen Lebenslagen führt der Weg ins Rathaus. Denn dort sitzt die Kommunalverwaltung, die für alle Behördenangelegenheiten der Bürger zuständig ist. Kein Wunder, dass sie in der Regel einer der großen Arbeitgeber vor Ort ist.

Auch Oliver Klaholz arbeitet für die Kommunalverwaltung. Der 31-Jährige ist bei der Stadt Köln angestellt und dort im Amt für Straßen und Verkehrstechnik in der Abteilung Verkehrsplanung/Radverkehrswesen tätig. Sein Team steht vor einer großen Herausforderung: Köln wächst – und damit nimmt auch die Zahl der Verkehrsteilnehmer zu. „Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklung mit der zum Teil beengten mittelalterlichen Stadtstruktur in Einklang zu bringen“, erklärt er.

Verkehrspolitisch ist es gewollt, mehr Menschen fürs Fahrradfahren zu begeistern. Deswegen setzen Oliver Klaholz und seine Kollegen insbesondere Radverkehrsprojekte um. „Beispielsweise sorgen wir dafür, dass die Radfahrwege besser in die Verkehrsführung integriert werden“, erzählt er und fügt hinzu, dass das nur eine Aufgabe von vielen ist: Die Fachgruppe beteiligt sich auch an Forschungsprojekten zum Thema Mobilität in der Stadt, kümmert sich um Bike-and-Ride-Stationen und beantwortet Fragen von Bürgern.

Ein Porträt-Foto von Oliver Klaholz

Oliver Klaholz

Foto: Hendrik Weischet

Für den passionierten Radfahrer ist die Stelle das Beste, was ihm passieren konnte. Ohnehin sieht Oliver Klaholz in seinem Beruf mehr als nur einen Job – schließlich hat die Stadt einen hohen Identifikationsfaktor. Für sie etwas Positives bewegen zu können, war für den gebürtigen Kölner ein starker Antrieb, sich nach seinem Masterstudium der „Raumplanung“ an der Technischen Universität (TU) Dortmund eine Stelle in seiner Heimatstadt zu suchen. Ihm gefällt, dass es bei seiner Arbeit nicht um Umsatzmaximierung geht, „sondern gesellschaftliche Aufgaben im Vordergrund stehen“.

Die Struktur der Verwaltung

Und da jedes Rathaus viele gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen hat, überrascht es nicht, dass es gut strukturiert ist. Ganz „oben“, sprich an der Spitze der Verwaltung, steht ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. In größeren Städten gibt es neben diesem Amt weitere Bürgermeister für spezielle Aufgabengebiete, etwa einen Sozialbürgermeister.

Des Weiteren sind Stadtverwaltungen in verschiedene Referate unterteilt: Zu nennen sind hier etwa die Bereiche Finanzen, Recht/Sicherheit/Ordnung, Bauen, Soziales/Jugend/Gesundheit, Schule/Kultur, öffentliche Einrichtungen, Wirtschaft/Verkehr sowie die Allgemeine Verwaltung. Diesen Referaten sind wiederum verschiedene Ämter untergeordnet. Zum Bereich Soziales/Jugend/Gesundheit können zum Beispiel ein Amt für Soziales, für Jugend, für Sport und für Gesundheit sowie ein kommunales Krankenhaus gehören.

Bunter Berufekosmos

„Wie sich eine Stadt oder Gemeinde organisiert, hängt aber natürlich auch von ihrer Größe und Struktur ab“, weiß Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Städtetag. Demnach sind in verschiedenen Rathäusern verschiedene Berufsgruppen vertreten. Überschneidungen gibt es trotzdem: Häufig anzutreffen sind Ingenieure und Architekten, die im Hoch- und Tiefbau arbeiten oder in der Stadtplanung tätig sind, Anlagenmechaniker und Elektrotechniker, die sich um die Energieversorgung und die Infrastruktur der städtischen Gebäude kümmern oder auch Kaufleute für Tourismus und Freizeit. Ebenso werden in der Regel Bauzeichner, Vermessungstechniker, Mediziner (Amtsärzte), IT-Fachkräfte und Sozialpädagogen gebraucht – um nur einige Berufe zu nennen.

Andere Fachleute werden seltener angestellt, Archäologen oder Museumspädagogen zum Beispiel. Zudem wirken sich regionale Besonderheiten aus. So hat die Stadt München ein großes Hauptfundbüro, das sich um all die Gegenstände kümmert, die auf dem Oktoberfest liegengeblieben sind. Spezialisierte Aufgaben finden sich auch im höheren und gehobenen technischen Dienst. In der Umweltverwaltung arbeiten beispielsweise Inspektoren, die sich um Belange der Wasser- und Abfallwirtschaft oder um den Immissions- und Bodenschutz kümmern.

Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten

Aufgrund der vielfältigen Berufe führen unterschiedliche Bildungswege zu einer Anstellung im Rathaus. Auf klassische Verwaltungstätigkeiten bereiten sowohl Studiengänge als auch Ausbildungsberufe vor: Ein typischer Ausbildungsberuf ist der des Verwaltungsfachangestellten. Zu den Studiengängen gehören Public Management, Verwaltungsökonomie, Verwaltungswissenschaft, aber auch der Bachelor of Law mit dem Schwerpunkt öffentliches Recht. Diese findet man an Verwaltungsfachhochschulen und an allgemeinen Hochschulen.

„Viele Städte bieten Ausbildungsplätze auch im Rahmen eines dualen Studiums an. Ebenso gibt es Traineeprogramme für klassische Quereinsteiger wie etwa Juristen, BWLer, Ingenieure und Architekten“, erklärt Helmut Dedy. „Juristen zum Beispiel finden sich in fast allen Bereichen – in der Kämmerei, in den Rechts- und Ordnungsämtern ebenso wie im Jugendamt.“

Wenig Beamte, viele Angestellte

Kommunalverwaltungen sind wichtige Arbeitgeber vor Ort – und seit 2009 nimmt die Zahl der Beschäftigten zu. Mitte 2016 waren es 1,46 Millionen Beschäftigte, zwei Prozent mehr als 2015. Das besonders starke Wachstum im Jahr 2016 ist zum Teil Folge der Flüchtlingszuwanderung. So wurde nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vor allem in kommunalen Kindereinrichtungen sowie im sozialen Bereich der Kommunen mehr Personal eingestellt.

Der Anteil der Verbeamteten lag laut dem Statistischen Bundesamt 2016 im kommunalen Bereich bei lediglich 13 Prozent. Der weitaus größere Teil ist angestellt. „Beamte nehmen in der Regel hoheitliche Aufgaben wahr. Die findet man eher in den klassischen Ordnungsbereichen, überwiegend bei der Feuerwehr, in den Ordnungsämtern und in der Rechnungsprüfung“, sagt Helmut Dedy.

Gute Arbeitsbedingungen

Für den Experten sprechen vor allem die guten Arbeitsbedingungen für den öffentlichen Dienst. „Es gibt meist Kernarbeitszeiten und Gleitzeiten. Viele Teilzeitmodelle erleichtern es, Familie und Beruf zu vereinbaren“, erläutert er. „In den Verwaltungen gibt es in der Regel ein betriebliches Gesundheitsmanagement, vernünftiges Büroequipment – und da, wo es passt, immer häufiger auch die Option, im Homeoffice zu arbeiten.“

Zudem betont Helmut Dedy, dass man in der Kommunalverwaltung die Möglichkeit hat, sämtliche Lebensbereiche aktiv mitzugestalten: „Vor allem für Abiturienten bieten sich Stellen im höheren und gehobenen Dienst, wo auch wichtige Entscheidungen für das Leben in der Stadt getroffen werden.“

Weitere Informationen

BERUFSFELD-Medien der Bundesagentur für Arbeit

In der Infomappe 16.2 findest du Informationen rund um die Themen „Recht und Verwaltung“.
www.biz-medien.de/16-2-finanzen-marketing-recht-und-verwaltung

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit findest du Studiengänge in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de

Der deutsche Städtetag

Der Deutsche Städtetag vertritt rund 3.400 Städte und Gemeinden mit fast 52 Millionen Einwohnern.
www.staedtetag.de

beamtenbund und tarifunion (dbb)

Die deutsche Interessenvertretung ist für Beamte und

Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst und im privaten Dienstleistungssektor zuständig.
www.dbb.de

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)

Die VKA regelt die Arbeitsbedingungen für die kommunalen Beschäftigten und schließt Tarifverträge mit den zuständigen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes ab.
www.vka.de

abi>> 16.10.2017

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