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„Ohne Disziplin geht es nicht“

Mann und Frau arbeiten in einem Coworking-Space an einem Tablet-PC.
Arbeiten im Café, im Coworking Space oder von zu Hause aus? Viele Arbeitnehmer haben diese Möglichkeiten heute – dank digitaler Entwicklungen.
Foto: Martin Rehm

Arbeitswelt 4.0

„Ohne Disziplin geht es nicht“

Fester Arbeitsplatz ade! Ein Laptop mit Internetzugang reicht heute vielen aus, um ihre Arbeit zu erledigen. Gerade Freiberufler profitieren vom digitalen Büro und arbeiten immer häufiger direkt von zu Hause oder in sogenannten Coworking Spaces. Aber auch die Unternehmen probieren flexible Arbeitsmodelle aus.

Karolin Janus ist freie Texterin mit Leib und Seele. Sie entwickelt und schreibt alles, was Start-ups und etablierte Unternehmen für ihre Werbung und Außendarstellung benötigen – vom Flyer, über Webseiten bis hin zum kompletten Social-Media-Auftritt. Seit drei Jahren ist die studierte Germanistin, die nach ihrem Masterabschluss gleich noch ein Fernstudium für Texter und Konzeptioner dranhängte, selbstständig.

Anfangs hat sie meistens von zu Hause aus gearbeitet: „Als es dann immer mehr zu tun gab, wünschte ich mir eine andere Arbeitsatmosphäre und habe mir deshalb tageweise einen Schreibtisch im Studio Delta gemietet“, erinnert sich die 28-Jährige. Dem Leipziger Coworking Space ist sie treu geblieben, mittlerweile in einem eigenen Büro, das sie sich mit einer Kollegin teilt.

Analog und digital

Ein Porträt-Foto von Karolin Janus

Karolin Janus

Foto: Markus Steinbach

Datenaustausch in der Cloud oder Nachrichten-Anwendungen fürs Smartphone – welche Tools zu ihrer Arbeit passen, hat Karolin Janus nach und nach ausprobiert und sich ihre digitale Infrastruktur selbst zusammengestellt. Aber nicht alles läuft online, denn bei neuen Projekten oder Auftraggebern findet sie persönliche Treffen sehr wichtig. „Wenn Menschen an einem Tisch zusammensitzen, ist es viel kreativer. Bei meiner Arbeit geht es ja nicht nur ums Texten, sondern auch um die Ideen drum herum“, sagt sie. Alles Weitere ließe sich dann gut per E-Mail oder Skype abstimmen. Eventuelle Ausfälle des Internets sind für die Texterin kein Problem: „Ich nutze die Zwangspause, um neue Projekte zu planen oder arbeite im Home-Office weiter“.

Zahl der Heimarbeiter nimmt ab

Ihre Arbeit hin und wieder nach Hause verlegen zu können, das wünschen sich auch viele Angestellte. Allerdings geht die Zahl der Heimarbeiter seit Jahren zurück und ist zuletzt wieder auf unter acht Prozent gesunken. Zum Vergleich: 2008 waren es laut Statistischem Bundesamt noch 9,7 Prozent. Experten gehen davon aus, dass es in deutschen Firmen immer noch eine starke Präsenzkultur gibt, getreu nach dem Motto: Nur wer im Büro ist, arbeitet auch!

In anderen EU-Ländern ist das zum Teil anders. So haben beispielsweise Angestellte in den Niederlanden seit Juli 2015 ein gesetzliches Recht auf Heimarbeit. Auch andere Modelle wie etwa Jobsharing setzen deutsche Firmen noch eher zurückhaltend in die Praxis um. Beim Jobsharing teilen sich in der Regel zwei Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle und arbeiten dabei eng als Team zusammen. Bundesweit bieten 15 Prozent aller Unternehmen dieses Modell an; zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Magazins „Arbeit und Arbeitsrecht“ vom Januar 2015. Doch das Potenzial scheint groß zu sein, denn in Europa setzt durchschnittlich ein Viertel aller Unternehmen auf das „Zweiteilen-Prinzip“, in Großbritannien sogar jede zweite Firma.

Technische Möglichkeiten sind nur der Anfang

„Zumindest in der Kommunikationsbranche gibt es noch keine nennenswerten Erfahrungen mit geteilten Stellen“, sagt Thomas Lüdeke, Mitglied im Bundesvorstand der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG). Im Hinblick auf flexible Arbeitsorte werde dagegen immer häufiger experimentiert, allerdings sei die entsprechende Unternehmenskultur noch keine Selbstverständlichkeit.

Ein Porträt-Foto von Thomas Lüdeke

Thomas Lüdeke

Foto: Privat

Auch bei der mobilen Infrastruktur gäbe es noch Hürden. „Ob Home-Office oder im Büro, für Mitarbeiter darf das technisch kein Unterschied sein, ansonsten geht eine Menge an Effizienz verloren. Home-Office verlangt nicht nur vom Arbeitgeber Flexibilität, sondern auch Verbindlichkeit vom Mitarbeiter. Wer zu Hause arbeitet, bekommt zwangsläufig weniger Flurfunk mit und ist selbst für die enge Kommunikation mit den Kollegen verantwortlich“, sagt Thomas Lüdeke.

Berufseinsteigern fehlen die Erfahrungen

Gerade Berufseinsteiger sollten erstmal sattelfest werden, bevor sie über flexible Arbeitsmodelle nachdenken, findet Michael Hümmer, Berufs- und Studienberater bei der Arbeitsagentur Fürth: „Von Absolventen erwarten die meisten Arbeitgeber anfangs 120-prozentigen Einsatz. Viele stehen erstmal unter Beobachtung, bevor sie eigene Verantwortung bekommen.“ Außerdem fehle Berufseinsteigern oft noch die fachliche Sicherheit und das Hintergrundwissen über interne Betriebsabläufe, um selbstorganisiert außerhalb des Büros arbeiten zu können.

Für ihre Betriebsabläufe ist Karolin Janus selbst verantwortlich. Sie hat die Vor- und Nachteile schon früh kennengelernt, denn beide Eltern sind ebenfalls selbstständig und haben sie bei ihrer Entscheidung unterstützt. Nicht für jeden ist es das Richtige. „Ohne Selbstdisziplin geht es nicht. Man braucht einen langen Atem und muss voll und ganz dahinter stehen“, sagt sie.

Mehr Infos

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Werbetexter/in, Jurist/in, Multimediafachmann/-frau)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

In der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit kann man nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen sowie nach Stellenangeboten suchen.
http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Bitkom

Der Branchenverband vertritt mehr als 2.300 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Unter dem Menüpunkt „Themen > Standort Deutschland“ kannst du dich zum Beispiel über die Schwerpunkte „Start-ups“ oder „Bildung & Arbeit“ informieren.
www.bitkom.org

Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA)

Die GfA ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern und anderen Interessierten, die die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Analyse und Gestaltung von Arbeitsprozessen fördern wollen. Die Webseite gibt unter anderem einen Überblick über relevante Studienangebote.
www.gesellschaft-fuer-arbeitswissenschaft.de

Bundesverband der Freien Berufe (BFB)

Der BFB vertritt die Interessen der freien Berufe in Deutschland.Unter dem Menüpunkt „Über die Freien Berufe“ kannst du dich unter anderem informieren, wann man von Freien Berufen spricht und welche Berufsgruppen dazu gehören.
www.freie-berufe.de

Texterverband

Berufsverband für Texter und Konzeptioner. Die Mitglieder sind hauptsächlich Freiberufler, aber auch Angestellte. Auf der Webseite finden sich unter anderem aktuelle Texter-Seminare und -Workshops sowie Termine für regionale Textertreffen.
www.texterverband.de

abi>> 13.06.2016

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