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Die stellen nicht nur Bücher in die Regale

Historische Bücher stehen in einem Regal.
Ihr Interesse an Büchern und Literatur hat Lena Fischer dazu motiviert, Bibliotheks- und Informationsmanagement zu studieren.
Foto: Heidrun Hönninger

Archivare, Dokumentare, Bibliothekare

Die stellen nicht nur Bücher in die Regale

Wer gerne in Archiven, Bibliotheken oder Datenbanken stöbert, sich für historische Zusammenhänge interessiert sowie vor großen Informationsmengen und dem Kürzel „IT“ nicht zurückschreckt, ist im Berufsfeld Archiv-, Bibliotheks- und Dokumentationswesen goldrichtig aufgehoben. Der Einstieg ist sowohl über eine Ausbildung als auch ein Studium möglich.

Lena Fischer (19) studiert seit Oktober 2015 Bibliotheks- und Informationsmanagement an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern (FHVR) in München. Sie gehört zu den ersten Studierenden, die den ehemaligen Diplomstudiengang nun als Bachelorstudium an der FHVR absolvieren und damit eine Beamtenlaufbahn einschlagen können. Motiviert hat sie ihr Interesse für Bücher und Literatur.

In den ersten Studienwochen bekam sie bereits einen Eindruck von den vielseitigen Anforderungen an Bibliothekare: „Neben den bibliothekarischen Dienstleistungen werden auch Grundkenntnisse der Informatik für unser Berufsfeld vermittelt. So können wir Hard- und Softwareprobleme besser einordnen oder eigenständig benötigte IT-Leistungen ausschreiben“, erklärt sie.

Ein Porträt-Bild von Lena Fischer

Lena Fischer

Foto: Privat

Wer bei diesem Berufszweig also hauptsächlich an eingestaubte Akten, Bücher oder Hängeregister denken sollte, liegt daneben. Das bestätigt auch Jens Homberg, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven: „Bibliotheks- und Archivbestände werden inzwischen in hohem Maße digitalisiert erfasst. Deshalb hat die Arbeit am Computer bis hin zur Entwicklung spezieller Software einen ausgeprägten Stellenwert, “ weiß er. Bestes Beispiel hierfür sind die Dokumentare, die häufig auch als Informationsbroker bezeichnet werden. Sie arbeiten etwa in der freien Wirtschaft und sind dafür zuständig, betriebswirtschaftliche Informationen aufzubereiten oder Content neu zusammenzustellen. Bibliothekare hingegen sind in der Regel in öffentlichen oder wissenschaftlichen Bibliotheken angestellt, kümmern sich um die Katalogisierung des Bestands und unterstützen die Nutzer bei der Recherche nach passender Literatur. Und Archivare sichten, beurteilen und verwahren unter anderem Schriftgüter für Behörden, aber auch für Firmen der freien Wirtschaft.

Wissen zugänglich machen

Die beiden verpflichtenden Praxissemester ihres Studiums wird Lena Fischer an verschiedenen wissenschaftlichen Bibliotheken absolvieren, unter anderem an der Universitätsbibliothek Bayreuth. Dort lernt sie, Bücher, Fachzeitschriften, CD-ROMs oder E-Books mit Hilfe von Bibliotheksverzeichnissen, Katalogen oder sogenannten Digital-Library-Systemen so zu erschließen, dass die Nutzer möglichst schnell und einfach fündig werden. Auch die Beratung von Benutzern, etwa bei der Medienrecherche, wird eine große Rolle spielen.

Ein Porträt-Foto von Jens Homberg

Jens Homberg

Foto: Privat

„Archivare, Bibliothekare und Dokumentare sitzen keineswegs allein im stillen Kämmerlein. Sie erbringen Dienstleistungen für unterschiedliche Zielgruppen und arbeiten mit Kollegen aus anderen Bereichen desselben Arbeitgebers zusammen. Deshalb sind Kommunikations- und Teamfähigkeit gefragt“, erläutert Jens Homberg. Um an der verwaltungsinternen Ausbildung teilnehmen zu können, hat Lena Fischer während ihres letzten Schuljahrs den Beamtentest erfolgreich gemeistert und wurde daraufhin zum Bewerbungsgespräch eingeladen: „Das Interview fand gemeinsam mit zwei anderen Bewerbern statt. Wir wurden nach unseren persönlichen Stärken und Schwächen gefragt und nach unserer Motivation“, erinnert sich die 19-Jährige.

Denjenigen, die an einer beruflichen Zukunft beim öffentlichen Dienst interessiert sind, rät Jens Homberg: „Die Bewerbungsverfahren beginnen in der Regel bereits ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Die Fristen sind oft knapp bemessen und enden häufig spätestens im Oktober. Die Berufsberatung vermittelt in entsprechende Ausbildungsstellen.“ Außerdem sollten sich Studienbewerber über mögliche Zulassungsbeschränkungen informieren.

Wege ins Berufsfeld

Der Einstieg ins Berufsfeld gelingt beispielsweise über eine Beamtenlaufbahn, etwa im gehobenen Archivdienst (siehe dazu die Reportage: „Wir machen Geschichte für andere zugänglich“), im höheren Archivdienst, im gehobenen Bibliotheksdienst (nur in Bayern) oder im höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken. Daneben gibt es viele weitere Möglichkeiten, in dieses Berufsfeld einzusteigen, wie zum Beispiel über eine duale Ausbildung bei Presse, Hörfunk und Fernsehen (siehe auch: „Rechercheprofi in der Fernsehradaktion") oder ein grundständiges Studium an einer Hochschule (siehe auch: „Information is money"). Als Studienfächer kommen etwa Archivwesen, Informationsmanagement, Bibliotheks- und Informationsmanagement oder „Kommunikation und Dokumentation“ infrage.

Interessante Jobs können sich später in staatlichen Archiven, Museen, Dokumentationszentren oder Hochschul-, Landes- und Staatsbibliotheken genauso ergeben, wie in der Privatwirtschaft, bei Verbänden, Verlagen oder Medienanstalten. Eine Übersicht über verschiedene Berufe in diesem Bereich findet man im Beitrag „In Archiven und Bibliotheken“.

Wer sich offen für viele Bereiche zeigt, dürfte die besten Karten haben: „Die Arbeitslosigkeit in diesem Berufsfeld ist nach wie vor sehr gering. Allerdings sind die Jobangebote im öffentlichen Sektor begrenzt, im Jahresdurchschnitt 2014 waren gerade einmal 400 Stellen für Bibliotheks- und Dokumentationsfachleute gemeldet. In Anbetracht angespannter öffentlicher Haushalte wird ein merklicher Anstieg der Nachfrage in den nächsten Jahren wohl eher unwahrscheinlich sein“, fasst Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Lena Fischer ist trotzdem zuversichtlich. Da sie ihr Bachelorstudium an einer verwaltungsinternen Hochschule absolviert, ist sie bereits beim öffentlichen Dienst angestellt und bezieht auch schon ein Gehalt. Nach dem Studium wird die Stellenvergabe dann in einem Bewerbungsverfahren geregelt.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Archiv, Bibliothek, Dokumentation)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im FINDER nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Berufsverband Information Bibliothek e.V.

Der Verband informiert über Berufsbilder und gibt eine bundesweite Übersicht über Ausbildungs-, Praktikums- und Studienmöglichkeiten im Bereich Archiv, Bibliothek und Dokumentation (siehe Datenbank DAPS).
www.bib-info.de

Verband deutscher Archivarinnen und Archivare Bibliothek e.V.

Der Fachverband informiert auf seinen Internetseiten unter anderem über wichtige Veranstaltungen und betreibt einen redaktionell betreuten Blog über Themen wie etwa Archivwahrnehmung oder Bildungsarbeit.
www.vda.archiv.net/aktuelles.html

Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e.V.

Die Webseite des Vereins informiert unter anderem über Angebote für Ausbildungsstellen als wissenschaftliche/r Bibliothekar/in.
www.vdb-online.org

abi>> 04.01.2016

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