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Keine Angst vor Informatik

Ein junger Mann sitzt im Computerraum und arbeitet am Rechner.
Der PC ist von den meisten Arbeitsplätzen nicht mehr wegzudenken.
Foto: Julien Fertl

Bereit für die digitalisierte Arbeitswelt?

Keine Angst vor Informatik

Die Digitalisierung dringt in alle unsere Lebensbereiche vor und verändert somit auch die Arbeitswelt. Das bringt Herausforderungen mit sich, birgt aber auch Chancen. Wer sich schon im Studium oder in der Ausbildung darauf vorbereiten will, hat zahlreiche Möglichkeiten.

Längst findet Lernen auch dort statt, wo Kreide und Tafel überflüssig sind: im virtuellen Klassenzimmer. Vanessa Appoh ist Spezialistin für digitales Lernen. Für das Start-up L-Pub in Offenbach entwickelt sie digitale Lernformate, zum Beispiel Apps, die beim Erlernen einer Fremdsprache helfen. „Ich bin sowohl auf der didaktisch-inhaltlichen als auch auf der technischen Seite involviert“, erzählt die 28-Jährige, die selbst sechs Sprachen spricht.

Ein Porträt-Foto von Vanessa Appoh

Vanessa Appoh

Foto: privat

Ihr Interesse am digitalen Lernen wurde während ihres Bachelorstudiums „Anwendungsorientierte Interkulturelle Sprachwissenschaft“ an der Uni Augsburg geweckt. „Im Masterstudium wollte ich mich daher auf diesen Themenbereich konzentrieren“, erzählt Vanessa Appoh. Sie entschied sich für den Masterstudiengang „Sprachtechnologie und Fremdsprachendidaktik“ an der Uni Gießen. Hier lernte sie einerseits Grundlagen der Sprachtechnologie und Computerlinguistik sowie Programmiersprachen, andererseits belegte sie Didaktikkurse zum Lernen mit digitalen Medien. Außerdem gehörten mehrere praktische Projekte dazu. „Ich habe unter anderem ein Tool entwickelt, mit dem man anhand festgelegter sprachlicher Merkmale die Schwierigkeit eines beliebigen deutschsprachigen Textes ermitteln kann.“ Dadurch kam sie in Kontakt mit ihrem jetzigen Arbeitgeber, der ein solches Tool entwickeln wollte.

Schon während ihrer Studienzeit hat die Sprachwissenschaftlerin an der Uni gezielt zusätzliche Kurse besucht und sich unter anderem mit Datenbankdesign und weiteren Programmiersprachen beschäftigt. „Das muss man, wenn man gewisse Mechanismen begreifen will. Und für meine jetzige Arbeit war es in jedem Fall nützlich.“

Kein Widerspruch: Geisteswissenschaften und IT

Dass die Digitalisierung in den Hochschulen Einzug gehalten hat, zeigen neue Studiengänge wie „Digital Humanities“ oder „Digital Business“. Viele Studiengänge wurden dem Zeitgeist angepasst, andere sind neu entstanden. „Die Informatik wird auf nahezu alle Wissenschaftsbereiche ausgedehnt, wobei der Informatik-Anteil unterschiedlich ist. Bei dem Stichwort ‚digital‘ im Titel des Studiengangs kann man von einem hohen Informatikanteil ausgehen“, sagt Mandy Rusch, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Leipzig.

Gerade angehende Geisteswissenschaftler sollten sich bei einem Blick in die Studienpläne nicht von Fachbegriffen der Informatik abschrecken lassen: „Wer Geschichte oder Sprachwissenschaft studieren will, kann damit vielleicht auf den ersten Blick nicht viel anfangen. Dabei sind digitale Technologien gerade für geisteswissenschaftliche Disziplinen interessant, die zum Teil mit jahrhundertealten Daten und Schriftstücken arbeiten. Die Digitalisierung macht es möglich, auf Originaltexte, die nicht oder nur schwer zugänglich sind, von überall auf der Welt und zu jeder Zeit zuzugreifen.“ Auch das Archiv- und Bibliothekswesen oder das Gesundheitswesen profitieren ungemein davon. „Man denke nur daran, was die Auswertung großer Datenmengen in der Medizin alles ermöglichen kann. Zum Beispiel in Hinblick auf Therapieansätze oder die Wirksamkeit von Medikamenten. Oder in der digitalen Forensik, wo es darauf ankommt, schnell ein Täterprofil erstellen zu können.“

Viele Vertiefungsmöglichkeiten

Eine weitere Option, sich im Studium auf die digitalisierte Arbeitswelt vorzubereiten, ist die Wahl eines entsprechenden Nebenfachs wie Informatik. Auch die geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fakultäten bieten häufig diese Möglichkeit. „Außerdem sehen viele Studiengänge die Belegung fachfremder Wahlmodule vor. Hier kann man sich ebenfalls in Richtung Informatik orientieren“, sagt Mandy Rusch. „Wer sich in seinem Bachelorstudium kaum oder gar nicht der Informatik gewidmet hat, kann das auch im Master noch tun. Hier gibt es viele Vertiefungsmöglichkeiten.“ Als Beispiel nennt die Berufsberaterin den Studiengang „Digitale Arbeit“ an der Technischen Universität Chemnitz, der keine fachspezifischen Informatikkenntnisse voraussetzt.

Wie weit die einzelnen Studiengänge in Sachen IT in die Tiefe gehen und wo die Schwerpunkte liegen, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich: „Manche legen den Fokus auf das Erlernen von Programmiersprachen, andere auf den Umgang mit Datenbanken oder Informationstechnik. Studieninteressierte sollten sich daher fragen, wie stark ihre IT-Affinität ausgeprägt ist und daraus ableiten, welcher Studiengang zu ihnen passt.“

Wer sich nicht sicher ist, ob ein Studium mit Bezug zur IT das Richtige ist, dem empfiehlt Mandy Rusch den Studieneignungstest für Informatik der Bundesagentur für Arbeit. „Viele unterschätzen ihr Potenzial und ihre Fähigkeiten. Man muss nicht programmieren können oder ein Mathegenie sein, um sich für einen Studiengang wie ‚Digital Humanities‘ oder ‚Digital Health‘ zu bewerben. Es geht nicht darum, ein Programmierer zu werden. Letztendlich braucht man vor allem ein Verständnis für logische Zusammenhänge.“

Ein neuer, digitaler Ausbildungsberuf

Aber nicht nur Studiengänge, sondern auch Ausbildungsberufe gehen mit der Zeit. Zum 1. August 2018 wurden 25 Ausbildungsberufe modernisiert. Bei dem Bestreben, sie an die moderne Arbeitswelt anzupassen, spielt auch die Digitalisierung eine Rolle. In fünf Ausbildungsberufen der Metallindustrie wurden neue Lernfelder integriert, die sich mit Digitalisierung befassen. „Man darf aber nicht vergessen, dass der Digitalisierungsgrad in den Firmen sehr unterschiedlich ist. Handwerksberufe beispielsweise sind von einer Digitalisierung weit entfernt“, sagt Mandy Rusch. Ein Beruf, der neu hinzugekommen ist, ist der Kaufmann für E-Commerce: „Kaufleute im E-Commerce arbeiten in Unternehmen, die ihre Waren oder Dienstleistungen über das Internet anbieten, und sind beispielsweise für das Bewirtschaften von Onlineshops zuständig.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
Unter dem Stichwort „digital“ findest du zahlreiche Studiengänge mit Bezug zur Digitalisierung.
www.studienwahl.de

 

IAB-Kurzbericht zur Digitalisierung
Der Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befasst sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt.
doku.iab.de/kurzber/2018/kb0418.pdf

 

Job-Futuromat
Der Job-Futuromat verrät, welchen Job schon heute Roboter erledigen können.
job-futuromat.iab.de

 

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM)
Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche
www.bitkom.org

 

Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd)
Der Fachverband ist Forum und Interessenvertretung für alle, die sich im deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre mit Digital Humanities beschäftigen.
dig-hum.de

abi>> 15.10.2018

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