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„Die Digitalisierung betrifft alle Branchen“

Ein junger App-Entwickler sitzt vor drei Bildschirmen und zeigt sein Smartphone mit der App, an der er gerade arbeitet.
Geisteswissenschaftler sind Experten für den kritischen Umgang mit Daten aller Art. Immer mehr dieser Daten werden digitalisiert.
Foto: Helge Gerischer

Bereit für die digitalisierte Arbeitswelt? Interview

„Die Digitalisierung betrifft alle Branchen“

Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim Digitalverband Bitkom, spricht im Interview mit abi>> darüber, wie die Digitalisierung Berufe verändert und neue entstehen lässt, welche Fähigkeiten in einer digitalisierten Arbeitswelt wichtig sind und warum sie auch Geisteswissenschaftlern spannende Perspektiven eröffnet.

abi>> Frau Petrich, wie verändert die Digitalisierung unsere Arbeitswelt?

Juliane Petrich: Die Digitalisierung ist ein tiefgreifender Prozess, der nicht nur die Wirtschaft verändert, sondern auch Auswirkungen darauf hat, wie wir arbeiten. Das betrifft alle Branchen von der Industrie bis zum Einzelhandel. Obwohl wir erst am Anfang der Digitalisierung stehen, wird bereits heute sehr viel zeit- und ortsunabhängiger gearbeitet. Auch die Art und Weise der Zusammenarbeit ändert sich durch digitale Tools.

abi>> Werden manche Berufe in ein paar Jahren überflüssig sein?

Ein Porträt-Foto von Juliane Petrich

Juliane Petrich

Foto: privat

Juliane Petrich: Viele Jobprofile haben sich im Zuge der Digitalisierung bereits verändert. Ein Beispiel ist der Automobilkaufmann: Ein Autokauf sah früher so aus, dass man im Schnitt neunmal ein Autohaus besuchte, bevor man sich zum Kauf entschied. Heute kommt der Kunde nur noch einmal zur Beratung ins Autohaus, über alles Weitere informiert er sich online. Und während der Zahntechniker früher auf das Fertigen von Implantaten spezialisiert war – eine handwerkliche Tätigkeit, die sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert –, kommen die Implantate heute aus dem 3D-Drucker. Einige Jobs fallen durch die Digitalisierung aber auch zunehmend weg, weil Maschinen die Arbeit übernehmen können. Das betrifft vor allem ungelernte Hilfstätigkeiten. Gleichzeitig entstehen neue Berufe.

abi>> Welche sind das?

Juliane Petrich: Da wären zum Beispiel der 3D-Druckspezialist, der Koordinator für Robotik in der Industrie oder der Mobile Developer, der auf die Entwicklung von Apps spezialisiert ist. Für alle Arbeitnehmer gilt: In Zukunft wird es ohne lebenslanges Lernen nicht mehr gehen, denn digitale Technologien entwickeln sich rasant weiter und wir wissen noch nicht, wohin uns diese Entwicklung führt.

abi>> Was brauche ich, um in der digitalisierten Arbeitswelt zu bestehen?

Juliane Petrich: Man muss in der Lage sein, sich Informationen zu beschaffen, sie zu bewerten und sie mit digitalen Hilfsmitteln aufzubereiten. Hierbei sind Kreativität und die Fähigkeit, selbstorganisiert arbeiten zu können, sehr hilfreich. Was die Vermittlung dieser Kompetenzen im Rahmen von Schule und Ausbildung angeht, hat Deutschland noch viel Nachholbedarf. Das Thema ist erst vor Kurzem auf der politischen Agenda angekommen. Weil grundlegende Kenntnisse über digitale Tools, mit denen man zum Beispiel Arbeits- oder Produktionsprozesse gestalten kann, in der Arbeitswelt aber immer wichtiger werden, lohnt ein Blick in die Praxis, zum Beispiel im Rahmen von Praktika oder Hospitationen.

abi>> Inwiefern sind die Geisteswissenschaften von der Digitalisierung betroffen?

Juliane Petrich: Ob Historiker, Sprachwissenschaftler oder Ethnologen – Geisteswissenschaftler sind Experten für den kritischen Umgang mit Daten aller Art. Immer mehr dieser Daten werden digitalisiert und es bedarf einer guten Analysefähigkeit, um mit ihnen zu arbeiten. Wer sich für eine Tätigkeit im Bereich digitale Geisteswissenschaften entscheidet, hat als Data Scientist für dieses Fachgebiet gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

abi>> 15.10.2018

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