Von der Probenentnahme zur Seelsorge

Ein Friedwald mit großem Holzkreuz.
Wer einen Beruf "an der Schwelle zum Jenseits" ergreifen möchte, sollte keine Berührungsängste mit dem Tod haben.
Foto: Julien Fertl

Berufe an der Schwelle zum Jenseits

Von der Probenentnahme zur Seelsorge

Wer „an der Schwelle zum Jenseits“ arbeitet, sollte keine Berührungsängste mit dem Tod haben. Die Berufsbilder in diesem Bereich sind vielfältig und reichen von der klassischen Bestattungsfachkraft bis hin zum Kriminalbiologen, der anhand von Lebewesen auf Leichen den exakten Todeszeitpunkt bestimmen kann.

Ob Krimiserie oder Thriller-Bestseller: Rechtsmediziner, Fachärzte für Pathologie und Kriminalbiologen sind mittlerweile fester Bestandteil fiktiver Mordszenarien. Mit den Berufsbezeichnungen nehmen es nicht alle Produzenten und Autoren immer so genau. Meist taucht irgendwo der Begriff Forensiker auf. Bezeichnet werden sollen damit Experten aus ganz verschiedenen Bereichen: Psychologen, Biologen, Mediziner, Computerspezialisten oder Physiker, die als Ballistiker die Flugbahnen von Geschossen untersuchen.

Mit den Toten selbst arbeiten in erster Linie die Rechtsmediziner. Sie handeln im Auftrag der Staatsanwaltschaft oder eines Gerichtes und obduzieren Leichen, um medizinische, strafrechtliche, verkehrs- und versicherungsmedizinische Fragestellungen zu klären. Manchmal werden sie auch zu einem Tatort gerufen. Rechtsmediziner untersuchen aber auch Lebende, die Opfer von Missbrauch und Gewalt geworden sind. Zudem ermitteln sie im Auftrag der Polizei ganz unspektakulär auch Blutalkoholwerte, etwa aus Verkehrskontrollen.

Anders Fachärzte für Pathologie. Auch sie nehmen auf der Suche nach einer Todesursache Proben unter die Lupe, aber nur, wenn eine natürliche Todesursache vorliegt und zum Beispiel Angehörige wissen möchten, woran jemand genau gestorben ist. Sie arbeiten in Kliniken, wo sie in der Regel aber die Gewebeproben von Lebenden untersuchen.

Fliegen, Maden und Käfer untersuchen

Bei Kriminalbiologen liegt der Fokus nicht auf der Leiche, sondern auf den Insekten, die sich auf dem Körper angesiedelt haben. Mithilfe der Untersuchung von Fliegen, Maden und Käfern kann etwa ein Todeszeitpunkt näher bestimmt werden. „Kriminalbiologen haben in der Regel Biologie studiert und sich auf die forensische Insektenkunde spezialisiert“, erklärt Heidi Schneider, Beraterin der Agentur für Arbeit Traunstein.

Der wohl bekannteste Beruf aus diesem Bereich ist der des Bestatters. Laut Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter gibt es etwa 4.000 Unternehmen, die sich um die rund 860.000 Menschen kümmern, die bundesweit jährlich sterben. Bestatter holen die Verstorbenen ab, betreuen und beraten die Angehörigen, von der Sargauswahl über die Traueranzeige bis hin zur Vorbereitung und Durchführung der Beerdigung. „Eine duale Berufsausbildung, die darauf vorbereitet, ist die zur Bestattungsfachkraft. Vermittelt werden unter anderem Rechtsvorschriften, psychologische Maßnahmen und das Herrichten von Särgen und Urnen“, erklärt Heidi Schneider. Im Jahr 2016 brachten 36 Prozent der Auszubildenden eine Hochschulreife mit. Viele schließen eine Weiterbildung an, etwa zum Kremationstechniker, Bestatter im Notfalleinsatz und Thanatopraktiker.

Herausfordernde Aufgaben

Während Kremationstechniker auf die Einäscherung von Verstorbenen spezialisiert sind, bereiten Thanatopraktiker Tote für eine Aufbahrung ansprechend vor. Das ist vor allem bei Unfallopfern oder bei Menschen, die unter extremen Bedingungen verstorben sind, eine herausfordernde Aufgabe. Bestatter im Notfalleinsatz sind gefragt, wenn bei Katastrophen wie Verkehrsunglücken oder sonstigen dramatischen Ereignissen viele Tote zu beklagen sind.

Zu den schulischen Ausbildungsberufen gehört der Medizinische Sektions- und Präparationsassistent. „Sie helfen Fachärzten bei der Obduktion, öffnen und schließen Leichen, legen Organe frei und nehmen Gewebeproben für Analysen, um die Todesursache zu prüfen“, erklärt die Beraterin.

Vom Sterben und der Trauerarbeit

Auch Seelsorger und Psychologen, Palliativmediziner und Menschen, die in der Hospizarbeit tätig sind, befassen sich intensiv mit dem Tod, etwa wenn sie Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten oder Angehörige und Hinterbliebene betreuen. Seelsorger ist dabei kein geschützter Begriff. „Viele gläubige Menschen sind in der Seelsorge tätig und bringen eine pädagogische, therapeutische oder theologische Ausbildung mit“, sagt die Berufsberaterin. Neben ehrenamtlichen Tätigkeiten wie zum Beispiel Trauerbegleitung gibt es auch spezielle Weiterbildungen, die auf eine Tätigkeit in einem Kriseninterventionsteam von Behörden oder Hilfsorganisationen vorbereiten. Interessierte sollten neben Einfühlungsvermögen und Menschenliebe auch eine professionelle Distanz mitbringen, um selbst mit dem Leid der Anderen zurechtzukommen.

Für die Begleitung von Schwerkranken und sterbenden Menschen bietet vor allem die Palliativmedizin Weiterbildungsangebote, etwa für Ärzte, Psychologen und Menschen, die in Pflegeberufen tätig sind.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z.B.: Bestatter/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
www.kursnet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im finder nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

 

Bundesverband Deutscher Bestatter
www.bestatter.de

 

Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.
www.pathologie.de

 

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin
www.dgpalliativmedizin.de

 

Bestatter

Die Lebenden und die Toten

Es gibt Menschen, die das Thema Tod möglichst meiden, und wenn es um Leichen geht, unangenehm berührt sind. Anders Alexander Schmid: Für ihn gehören diese Dinge zu seinem Berufsalltag. Der 31-Jährige ist Bestatter in München.

Natürlich gibt es immer Einzelschicksale, vor allem wenn es um Kinder und junge Menschen geht, die einen sehr berühren“, sagt Alexander Schmid. Aber man dürfe nicht jedes Mal mitsterben, zitiert er einen Satz, den er in der Berufsschule gehört hat, und den er sehr treffend findet: „Es ist ein Spagat. Im Umgang mit den Angehörigen muss man sensibel und empathisch bleiben, aber auch als professioneller Dienstleister auftreten“, beschreibt er. Denn das erwarten auch die Hinterbliebenen. „Sie befinden sich in einer Ausnahmesituation“, weiß der 31-Jährige. Geduld und vor allem Zuhören sei wichtig, nicht drängen und gleich den Katalog mit den Särgen oder die Urnenauswahl präsentieren. „Einfühlungsvermögen ist das Wesentliche. Jemand der nur etwas verkaufen möchte, ist fehl am Platz – jedenfalls bei uns“, betont er.

Seine Großeltern hätten ihn bei seiner Berufsentscheidung gefragt, ob er wirklich einen so traurigen Beruf ausüben möchte. Aber das sieht er nicht so. „Am Anfang nimmt man viel mit nach Hause. Wenn ein junger Mensch stirbt, dann steckt man das nicht einfach so weg. Aber man muss lernen zu differenzieren“, sagt er. Mittlerweile warten zu Hause auf ihn zwei kleine Kinder: „Da tobt das Leben. Ein trauriger Papa ist da fehl am Platz.“

Handwerkliches Geschick vonnöten

Porträt von Alexander Schmidt

Alexander Schmid

Foto: privat

Der Umgang mit den Hinterbliebenen ist nur eine Facette. „Bestatter ist ein vielseitiger Beruf, hat handwerkliche Seiten wie etwa das Ausschlagen und Löten von Särgen, aber auch viel Organisatorisches“, erklärt Alexander Schmid. Es gibt viele Kleinigkeiten, die im Hintergrund ablaufen und Teil der Dienstleistung sind: „Damit eine Beerdigung stattfinden kann, ist ein Ineinandergreifen verschiedener Rädchen nötig“, weiß der 31-Jährige.

„Ich bin viel unterwegs, etwa, um die Verstorbenen abzuholen oder um eine Dekoration in der Aussegnungshalle zu organisieren, arbeite im Büro, erstelle Rechnungen, stelle Anträge. Man muss auf jeden Fall fit sein am PC und die gängigen Programme beherrschen“, sagt er. Der Umgang mit den Verstorbenen sei sicherlich gewöhnungsbedürftig. Hier komme es auf den Einzelfall an. „Bei sehr schweren Menschen etwa kann das Ankleiden eine Herausforderung sein. Auch der Zustand der Leiche ist nicht immer gleich“, erzählt Alexander Schmid. Ebenso wie in medizinischen Berufen sollte man vor dem Körperlichen keine Scheu haben.

Die Schmids führen einen Familienbetrieb. Dabei hatte Alexander Schmid nach dem Abitur zunächst ganz andere Pläne. Er studierte Neuere Deutsche Literatur, Bayerische Geschichte und Soziologie mit dem Ziel, Journalist zu werden. Neben dem Studium half er bereits im elterlichen Betrieb mit, aber als nach seinem Magister ein Mitarbeiter aufhörte, fragte ihn sein Vater, ob er einsteigen wolle: „Wir haben das probiert. Vater und Sohn muss ja nicht funktionieren. Aber es lief sehr gut“, erzählt er. Der Bestatter kam schließlich über eine Weiterbildung zu seiner heutigen Tätigkeit.

Sein Studium betrachtet er keineswegs als verlorene Zeit: „Ich bin unter anderem auch als freier Trauerredner tätig. Da ist mein Studium sehr hilfreich, um die richtigen Worte zu finden.“

 

Berufe an der Schwelle zum Jenseits – Berufsübersicht

Mit Toten arbeiten

Wer sich beruflich mit dem Tod auseinandersetzen möchte, hat eine Reihe von Möglichkeiten. abi» zeigt eine Auswahl.

Ausbildungsberufe

Bestattungsfachkraft (dual)

  • Aufgaben: Bestatter sind Allrounder. Sie arbeiten sowohl handwerklich, wenn sie etwa Särge mit einer speziellen Art Krepp-Papier ausschlagen, gestalten Trauerfeiern und bereiten den Leichnam dafür vor. Ebenso arbeiten sie im Büro und erledigen dort kaufmännische und organisatorische Aufgaben.
  • Mögliche Arbeitgeber: Bestattungsinstitute, Friedhofsverwaltung, Krematorien

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Medizinische/r Sektions- und Präparationsassistent/-in (schulisch)

  • Aufgaben: Sie wirken bei Sektionen mit, präparieren Organe, Gewebe und Skelettteile und stellen medizinische Präparate her.
  • Mögliche Arbeitgeber: anatomische, pathologische und rechtsmedizinische Institute von Kliniken und Universitäten, Krankenhäuser und Labore

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Studienberufe

Psychologe/Psychologin

  • Aufgaben: Es gibt Psychologen, die spezielle Trauerbegleitung und Trauertherapie anbieten, mit Hinterbliebenen arbeiten und auch Vorträge zu dem Thema halten.
  • Mögliche Arbeitgeber: in Kliniken, für Einrichtungen kirchlicher und freier Träger, freiberuflich

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Theologe/Theologin

  • Aufgaben: Theologen bereiten Gottesdienste vor und halten diese ab, sie führen Trauerfeiern und Beerdigungen durch, führen seelsorgerische Gespräche zum Teil auch bei Hausbesuchen oder in Kliniken.
  • Mögliche Arbeitgeber: Kirchengemeinden, Universitäten oder kirchliche Hochschulen

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Studienberufe mit Weiterbildung

Facharzt/-ärztin – Rechtsmedizin

  • Aufgaben: Sie führen rechtsmedizinische Untersuchungen und gerichtliche Obduktionen einschließlich der histologischen Analysen durch. Ihre Ergebnisse dokumentieren sie in einem Gutachten, das sie gegebenenfalls auch vor Gericht erläutern.
  • Mögliche Arbeitgeber: gerichtsärztlicher Dienst, Landes- oder Bundeskriminalamt, rechtsmedizinische Institute und Krankenhäuser

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Facharzt/-ärztin – Pathologie

  • Aufgaben: Sie diagnostizieren Krankheiten, analysieren Untersuchungsgut wie etwa Gewebeproben und unterstützen mit ihren Befunden Ärzte in der Krankenbehandlung.
  • Mögliche Arbeitgeber: Kliniken, pathologische und rechtsmedizinische Institute sowie Forschungseinrichtungen

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Stand: 21.09.2019