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Kluge Köpfe für smarte Städte

Eine Photovoltaikanlage auf einer Grünfläche
Solarzellen liefern tagsüber Strom. Was vielen Anlagen noch fehlt ist ein Speichermedium, damit die Energie auch abends genutzt werden kann.
Foto: Michael Neuner

Berufe für die moderne Stadt – Hintergrund

Kluge Köpfe für smarte Städte

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wohnt in Städten, Tendenz steigend. Schon heute arbeiten Fachleute an Lösungen für die Herausforderungen der steigenden Urbanisierung: Gefragt sind etwa Experten für Wohnraum, Trinkwasser, Nahversorgung, Mobilität sowie Entsorgung – es gibt viel zu tun.

Solarzellen auf dem eigenen Dach liefern tagsüber Strom. Doch wer die Energie abends nutzen will, braucht ein Speichermedium. Daran arbeiten die Gründer von Voltstorage, einem Münchner Start-up. „Unsere Batterie ist umweltfreundlicher und kostengünstiger als viele Konkurrenzprodukte“, erzählt Mitgründer Felix Kiefl. Voltstorage setzt auf Vanadium-Fluss-Batterien, die vereinfacht gesagt den Solarstrom in einer Elektrolyt-Flüssigkeit speichern und auch wieder abgeben können: „Vanadium ist nicht nur am Weltmarkt günstig zu haben, sondern kann auch aus Minen bezogen werden, in denen es nicht unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen abgebaut werden muss. Die Elektrolyt-Flüssigkeit lässt sich zudem umweltgerecht entsorgen und ist weder brennbar noch explosiv.“

Ein Porträt-Foto von Felix Kiefl

Felix Kiefl

Foto: privat

Mittlerweile hat das Unternehmen, das 2014 gegründet wurde, 20 Angestellte. Felix Kiefl konzentriert sich nicht nur auf die Produktenwicklung, sondern beschäftigt sich aktuell intensiv mit Finanzierungsmodellen, um in die Serienproduktion starten zu können.

Fachlich ist der gebürtige Münchner breit aufgestellt: Nach zwei Semestern Physik an der Ludwig-Maximilian-Universität München, studierte er an der Uni Bayreuth Mechatronik und Maschinenbau und setzte einen Master in Elektrotechnik an der Technischen Universität (TU) München drauf. Die TU München war es auch, die die Gründer in der Umsetzung ihrer Geschäftsidee unterstützte.

Die Nachfrage nach Batterien für Besitzer von Photovoltaikanlagen ist hoch. Dennoch ist es nicht das große Geld, das ihn antreibt: Der 29-Jährige hat ebenso wie seine Mitstreiter eine Vision: „Es ist mein persönliches Ziel, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Schließlich ist eine umweltschonende Energieversorgung neben der Abfallproblematik eines der großen Themen unserer Gesellschaft. Hier mitwirken zu können, wirkt enorm motivierend.”

Zunehmende Urbanisierung

Damit trifft das Start-up den Nerv der Zeit: Die Urbanisierung schreitet weltweit im rasanten Tempo voran. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass im Jahr 2050 zwei Drittel aller Menschen in Städten leben werden. Metropolen verbrauchen laut einer Analyse des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) schon heute drei Viertel aller Ressourcen. Wie sollen künftig noch mehr Menschen Wohnraum finden, von A nach B reisen, mit gesunden Lebensmitteln, sauberem Trinkwasser und Energie versorgt werden?

Während in Schwellen- und Entwicklungsländern Megastädte entstehen, sind die Herausforderungen in Europa andere: „Wir haben zum Beispiel Schwarmstädte wie Berlin, München, Hamburg oder Köln. Das Image der Städte, aber auch attraktive berufliche Möglichkeiten ziehen viele junge Menschen an, die nicht mehr im Einfamilienhaus der Eltern bleiben, sondern lieber in einem urbanen Umfeld leben möchten“, sagt Architektin und Städtebauassessorin Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart, die bis vor Kurzem an der TU Dortmund das Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung leitete.

In den florierenden Städten konkurrieren verschiedene Interessensgruppen um die wenig vorhandenen Freiräume, etwa um Flächen am Stadtrand: Sollen sie landwirtschaftlich, für Naherholungsgebiete oder für neue Siedlungsgebiete genutzt werden? „Insofern sind die strengen Prüfvorgänge mit geregelten Verfahren, nach denen bei uns beurteilt wird, was wo und wie gebaut wird, ein gutes Instrument“, betont Sabine Baumgart. Das gilt auch mit Blick auf bezahlbaren Wohnraum, will man verhindern, dass eine Stadt in wohlhabende und weniger wohlhabende Gebiete zerfällt.

Alte Städte, neue Konzepte

Anders als in China oder in den Vereinigten Emiraten werden hierzulande keine komplett neuen Städte geplant: „Wir müssen mit dem vorliegenden städtebaulichen Bestand umgehen“, erklärt die Architektin. Das gilt auch für die vielerorts veralteten Infrastrukturen. Kreativer Raum kann oft nur dort entstehen, wo eine Zwischennutzung möglich ist, wie etwa in ehemaligen Kasernen oder Bahnhöfen.

Auch der Klimawandel verlangt neue Konzepte: Wie können Stadtteile vor Überhitzung geschützt werden? Lassen sich Luftströme und Mikroklima beeinflussen? Wie kann Wasser bei Starkregen abfließen? Dach- und Mikrogärten, überhaupt urbane Landwirtschaftsprojekte sind hierfür kleine Stellschrauben. Auch der Verkehr wird sich verändern müssen. Noch dominiert das Auto: „Aber ein Auto steht meistens 23 Stunden am Tag herum, nimmt Platz weg, konkurriert mit Fußgängern und Fahrradfahrern“, zeigt Sabine Baumgart auf – vom Lärm und Feinstaub mal ganz abgesehen.

Technische Lösungen spielen eine zentrale Rolle

Dass sich aus diesem Sammelsurium an Problemen viele unterschiedliche Tätigkeitsfelder für Stadt- und Regionalplaner ergeben, spiegeln auch die Absolventenbefragungen der TU Dortmund wieder: „Es gibt immer mehr Schnittstellen und einen hohen Grad an Spezialisierung“, berichtet die Expertin. Stadtplaner finden Arbeit in der städtebaulichen Verwaltung, in der Raumforschung, aber auch in Energieunternehmen, in der Immobilienwirtschaft, bis hin zu Unternehmen der Wasserwirtschaft.

Neben Stadt- und Regionalplanung gibt es viele Studiengänge und Berufe, in denen Fachleute Konzepte entwickeln, die unsere Städte schon heute effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestalten. Wie Felix Kiefl und sein Team von Voltstorage gibt es IT-Experten, die an Car-Sharing-Systemen tüfteln, Ingenieure, die umweltschonende Lieferfahrzeuge entwickeln (siehe auch den Beitrag „Eine Carla für umweltschonende Lieferungen“) oder Garten- und Landschaftsbauer, die Urban-Gardening Projekte vorantreiben (siehe auch den Beitrag „Landwirtschaftsbetrieb auf dem Stadtdach“).

Ob erneuerbare Energien, Verkehrskonzepte, Gebäude- oder Entsorgungstechnik: „Die Berufe und auch die Studiengänge dahinter haben mehrheitlich einen technisch-naturwissenschaftlichen Bezug“, sagt Katrin Mey, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Berlin. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Studienangebote entstanden, die sich speziell mit nachhaltiger Entwicklung auch im urbanen Kontext befassen, etwa „Umweltingenieurwesen – nachhaltige Siedlungsplanung“ an der Hochschule Darmstadt oder „Urbane Zukunft“ an der FH Potsdam. „Aber auch in vielen Ausbildungsberufen nimmt Nachhaltigkeit im Lehrplan mehr Raum ein“, meint die Beraterin. Beispiele sind Anlagenmechaniker, die sich mit Solaranlagen befassen, oder Speditionskaufleute, die bei der Fuhrparkplanung das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit berücksichtigen.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

 

Bundesverband Smart-City
smart-city.hsi-network.de

 

Deutschen Institut für Urbanistik
difu.de

 

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU)
Wissenswertes über die Urbanisierung weltweit
www.wbgu.de

 

abi>> 05.11.2018

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