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Ganz nah dran an den Profis

Eine junge Frau krault im Wasser.
Wer erfolgreich sein will, muss regelmäßig hart trainieren und sich bei Wettkämpfen durchsetzen.
Foto: Katharina Kemme

Berufe im Profisport

Ganz nah dran an den Profis

Der Erfolg von Profivereinen hängt nicht nur von Spielern und Trainern ab. Hinter den Kulissen arbeiten zahlreiche Menschen, die sich um die Betreuung und Leistungsfähigkeit der Spieler, um die Organisation von Spielen, um Fans und Öffentlichkeit kümmern.

„100 Prozent Fußball“ – so beschreibt Julian Schneider seinen Job beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt. „Als einer von vier hauptamtlichen Fanbeauftragten arbeite ich an der Schnittstelle von Fanszene und Verein“, erzählt der 27-Jährige. „Ich bin bei allen Spielen vor Ort und stehe nicht nur mit den Fans in Kontakt, sondern mit allen für die Sicherheit rund um das Stadion verantwortlichen Personen.“ Er und seine Kollegen sind Ansprechpartner für Fananliegen aller Art. „Die Bürotätigkeiten machen dabei den größten Teil der Arbeit aus. Aber es gibt auch viele Veranstaltungen wie Fantreffen mit den Spielern oder Tagungen, an denen ich teilnehme. Ich bin daher auch regelmäßig unterwegs und auf Reisen.“ Auch die Themen Barrierefreiheit und Inklusion sind wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. „Unser Ziel ist es, jedem Fan den Besuch im Stadion zu ermöglichen. Für sehbehinderte Fans bieten wir beispielsweise einen Sehbehindertenreporter an, der das Spiel kommentiert.“

Seinen Bachelor in Sozialwissenschaften hat Julian Schneider an der Hochschule Fulda gemacht, derzeit absolviert er berufsbegleitend ein Masterstudium in Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Sport an der Goethe-Universität in Frankfurt. „Ich habe mich schon während meines Bachelorstudiums mit den Themen Fußball und Fußballfankultur beschäftigt und unter anderem ein Praktikum in einem Berliner Fanprojekt gemacht. Das Arbeitsfeld Fußball habe ich bereits damals als sehr spannend empfunden. Nun für den Verein arbeiten zu dürfen, für den mein Herz schlägt, ist natürlich umso schöner.“ Seit er denken kann, hat ihn sein Vater mit ins Stadion genommen. „Die Eintracht wurde mir also in die Wiege gelegt.“

Sportlerkarrieren sind die Ausnahme

Ein Porträt-Foto von Julian Schneider

Julian Schneider

Foto: Privat

Wie das Beispiel von Julian Schneider zeigt, muss man nicht gleich Formel-1-Fahrer oder Tennisstar werden, um im Bereich Profisport zu arbeiten. „Wer nah dran an den Sportlern und Vereinen sein will, für den gibt es viele Möglichkeiten: Zum Beispiel in der Sportmedizin und im therapeutischen Bereich oder im Sportmanagement“, sagt Eberhard Rein, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Halle. Auch hier müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: Wer Medizin studieren will, braucht in der Regel einen sehr guten Abischnitt oder benötigt weitere Qualifikationen wie den Medizinertest oder berufliche Qualifikationen – und muss gegebenenfalls längere Wartezeiten auf den Studienplatz überbrücken. Wer eher in Sportmanagement oder -ökonomie arbeiten möchte, sollte ein wirtschaftswissenschaftliches Studium und gutes Organisationsvermögen mitbringen.

Auch in den Pressestellen und Marketingabteilungen sowie im Sportjournalismus gibt es Jobs für Sportenthusiasten. Die Wege dorthin sind sehr unterschiedlich. „Generell sind Fremdsprachen und die Bereitschaft zu reisen von Vorteil. Unabdingbar ist natürlich die Begeisterung für den Sport“, sagt Eberhard Rein. Auch deshalb, weil man oft viele Zugeständnisse machen muss, da die Arbeitszeiten meist unregelmäßig sind und man häufig am Wochenende arbeitet. Auch als Ingenieur oder Naturwissenschaftler gibt es die Möglichkeit, sich beruflich auf den Sport zu fokussieren. „Die Technik spielt eine entscheidende Rolle im Profisport. Ingenieure bauen beispielsweise immer stabilere und leichtere Rennräder, Informatiker programmieren Rennwagen“, erläutert der Berufsberater.

Wer dennoch selbst sportlich tätig werden möchte, findet Unterstützung bei Behörden, etwa bei der Polizei, der Bundeswehr oder dem Bundesgrenzschutz. Die bayerische Polizei bietet für Athleten beispielsweise eine verlängerte Ausbildungszeit an, damit genügend Spielraum für die Sportkarriere bleibt. Gefördert werden derzeit unter anderem Schießen, Leichtathletik, Rodeln, Skilanglauf, Biathlon und Eisschnelllauf. Auch die Bundespolizei bietet eine Kombination aus Berufsausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst und einer Förderung der sportlichen Laufbahn. Trainieren können sie bei den Bundespolizeisportschulen in Bad Endorf und Kienbaum. Die Bundeswehr fördert über 700 Spitzensportler in 15 Sportfördergruppen.

2014 gab es laut Bundeagentur für Arbeit in Deutschland rund 48.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die einen Sportberuf ausübten. Darunter 33.000 Sportlehrer und Trainer, 10.000 Sport- und Fitnesskaufleute sowie Sportmanager, aber nur 5.000 Berufssportler. „Wer eine Karriere als Profisportler plant, muss nicht nur viel Disziplin und einen eisernen Willen mitbringen, sondern auch Talent. Der Grundstein für eine Sportlerlaufbahn wird meist lange vor dem Abitur gelegt“, sagt Eberhard Rein. Wer später mit dem Sport sein Geld verdienen will, muss dafür viel Zeit opfern: Mehrere Trainingseinheiten pro Tag, Wettkämpfe an den Wochenenden und Trainingslager in den Ferien gehören dazu (siehe dazu auch das Promi-Interview mit Karsten Tadda).

Begrenzte Anzahl von Stellen

Wer sich stattdessen für einen Job hinter der Fassade des Profisports interessiert, kann mit einem Studium oder einer Ausbildung die Grundlage dafür schaffen und sich über Praktika und Nebenjobs, beispielsweise bei einem Verein, frühzeitig in diese Richtung orientieren. „Allerdings sollte man sich klar machen, dass man unter Umständen nicht genau dort landet, wo man hin möchte. Dafür ist der Profisportbereich einfach nicht groß genug und die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen begrenzt“, gibt der Berufsberater zu bedenken. Das bestätigt auch Eberhard Vollmer vom Deutschen Leichtathletik-Verband: „Vollzeit-Arbeitsplätze in der Leichtathletik sind sehr selten und in erster Linie im Trainerbereich angesiedelt. Die meisten Trainer sind Sportlehrer, die nebenamtlich oder mit halber Stelle als Leichtathletik-Trainer arbeiten. Die wenigen Trainer mit einer Ganztagsstelle sind zumeist Bundestrainer oder in Kombiverträgen gemeinsam von Clubs, Olympiastützpunkten und Landessportbünden angestellt.“

Bei Vereinen und Verbänden werden aber nicht nur Trainer gebraucht, etwa beim Handball: „Die Geschäftsstellen der Bundesligavereine beschäftigen Manager, Pressesprecher, Finanz- und Marketingexperten. Das Gleiche gilt für Nationalmannschaften und die Nachwuchssportvereine der Bundesligisten, wo außerdem pädagogische Betreuer gebraucht werden“, erklärt Axel Kromer, Nachwuchskoordinator beim Deutschen Handballbund. Doch der Einstieg ist nicht immer leicht: „Vieles läuft über Kontakte, viele sind in dem Verein groß geworden oder waren dort bereits im Rahmen eines Ehrenamts oder Nebenjobs tätig.“

Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit bestätigt: „Auch insgesamt ist es für Bewerber nicht unbedingt leicht, in Bereich Sport eine sozialversicherungspflichtige Anstellung zu bekommen, da relativ viele Bewerber um wenige offene Stellen konkurrieren. Mit durchschnittlich 600 Vakanzen war die Zahl der 2014 gemeldeten Stellen klein im Vergleich zur Zahl von 6.000 Arbeitslosen.“ Daneben gibt es im Sport viele Selbstständige: Laut Mikrozensus ist jeder dritte Sportlehrer und Trainer selbstständig.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Stichwort: Sport).
http://berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit gibt Einblicke in verschiedene Berufe.
www.berufe.tv

KURSNET

Das Portal der Bundesagentur für Arbeit bietet einen Überblick über aktuelle Aus- Weiterbildungsmöglichkeiten (Stichwort: Sport).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Online-Studienführer Sportwissenschaft

Das Portal bietet Informationen rund um das Sportstudium.
http://dvs-sportstudium.de

abi>> 30.11.2015

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