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Eine hochmoderne Branche

Mülleimer
Deutschland ist ein Vorreiter in Sachen Mülltrennung.
Foto: Archiv Möller Medien

Berufe in der Abfallwirtschaft

Eine hochmoderne Branche

In der Abfallwirtschaft geht es längst nicht mehr nur darum, Berge von Müll zu beseitigen. Vielmehr sind neue Verfahren und Technologien gefragt, mit denen sich Müll vermeiden und wiederverwerten lässt. Das macht die Abfall-, Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft zu einem spannenden Arbeitsfeld.

Ursprünglich sah Marzouk Chargui in der Abfallwirtschaft vor allem die Chance auf einen sicheren Arbeitsplatz. Nach dem Motto: Abfall wird es immer geben. Heute weiß der erfahrene Umweltschutztechniker, dass die Branche noch viel mehr zu bieten hat, als man ihr auf den ersten Blick ansieht: „Sowohl die Anlagentechnik als auch die Maschinen und Fahrzeuge in der Entsorgung sind hochmodern. Die Branche entwickelt sich ständig weiter“, sagt der 35-Jährige. Nach seiner Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft (die frühere Berufsbezeichnung lautete Ver- und Entsorger – Abfall) bei der EDG Entsorgung Dortmund GmbH blieb er dem Unternehmen treu und kümmerte sich zunächst um die Eingangskontrolle von Abfällen auf der Deponie Dortmund-Nordost.

Analysen im Labor

Ein Porträt-Foto von Marzouk Chargui

Marzouk Chargui

Foto: Privat

Schließlich wechselte er ins dortige Labor, wo er unter anderem den Verschmutzungsgrad von verunreinigtem Boden analysierte, der zur Entsorgung auf die Deponie gebracht wird. Das blieb nicht die einzige Station seiner Laufbahn: „Nach der Deponie folgte das Kompostwerk, wo ich für die Eingangskontrolle von Bioabfall zuständig war. Nach neun Jahren kam ich an den Punkt, an dem ich mich gerne weiterentwickeln wollte.“ Sein Arbeitgeber ermöglichte ihm eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Umweltschutztechniker. Vier Jahre lang besuchte er viermal in der Woche die Abendschule. „Die Weiterbildung unterteilt sich in drei Blöcke: Erneuerbare Energien, Abfall und Abwasser. Und sie enthält auch diverse Lehrgänge zur Weiterqualifizierung wie beispielsweise zum Solarfachberater oder Gewässerschutzbeauftragten.“ In diesem Rahmen bot sich ihm auch die Möglichkeit, sich zum Abfallbeauftragten weiterzubilden. „Solange Abfall befördert wird, befindet er sich rechtlich gesehen im Besitz des Beförderers. Der Abfallbeauftragte stellt sicher, dass von der Beförderung keine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgeht; er prüft die Abfallwege und kontrolliert, ob Verbrennungs- und andere Entsorgungsanlagen zertifiziert sind“, erklärt er.

Seit eineinhalb Jahren ist Marzouk Chargui nun in der Verwaltung des Betriebshofs gemeinsam mit drei Kollegen als Einsatzleitung für die Müllentsorgung und Straßenreinigung in Dortmund verantwortlich. „Wir koordinieren ein Team von 130 Mitarbeitern, das dafür sorgt, dass die Stadt sauber ist und die Müllbehälter pünktlich geleert werden.“

Studiengänge für Technikfans

Ein Porträt-Foto von Corinna Meindl-Schäfer

Corinna Meindl-Schäfer

Foto: Privat

Doch nicht immer landet Müll dort, wo er hingehört. So wird beispielsweise die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll zu einem immer größeren Problem (siehe hierzu auch die Reportage Meeresforschung). Hier sind Spezialisten gefragt, die Antworten auf eine der drängendsten Fragen suchen: Wohin mit dem ganzen Müll, den wir täglich produzieren? Wer sich beruflich mit diesem Thema beschäftigen will, dem bieten sich zahlreiche Optionen: Neben Meeresforschern arbeiten Umweltwissenschaftler, Ingenieure für Abfallwirtschaft oder für Umweltschutz/Umwelttechnik in diesem Bereich. „Die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in den Bereichen Abfallwirtschaft, Entsorgung und Recycling sind vielfältig – vor allem, wenn man darunter nicht nur Ausbildungen wie die zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft oder Studiengänge wie Umwelttechnik oder Entsorgungsmanagement fasst“, sagt Berufsberaterin Corinna Meindl-Schäfer von der Agentur für Arbeit in Ulm. Deshalb zeigt sie den Abiturienten, die zu ihr in die Beratung kommen, immer auch verwandte Fachbereiche wie Agrartechnik oder Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt Wasserwirtschaft auf.

„Zwar sind die meisten Studiengänge technikorientiert und im ingenieurwissenschaftlichen Bereich angesiedelt, man kann sich der Branche aber auch aus einer betriebswissenschaftlichen Richtung nähern, wenn man sich zum Beispiel mehr für die Tätigkeit im Management interessiert.“ Gute Grundlagenkenntnisse in Naturwissenschaften wie Mathematik und Physik sind aber für alle Studienanfänger im Bereich Abfallwirtschaft, Entsorgung und Recycling unverzichtbar.

„Junge Leute, die sich für diesen Bereich interessieren, sind häufig ehrenamtlich im Naturschutz tätig oder setzen sich politisch mit dem Thema Umweltschutz auseinander“, berichtet Corinna Meindl-Schäfer aus ihrer Erfahrung als Beraterin. „Die Frage nach Nachhaltigkeit bewegt die künftige Generation immer mehr, zum Beispiel beim Thema Altgeräte. Die Wiederverwertung von Rohstoffen spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.“

Gute Aussichten in vielfältigen Einsatzbereichen

Die späteren Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig und reichen von staatlichen und privaten Versorgungs- und Entsorgungsbetrieben über Umweltbehörden und -verbände, Bundes- und Landesministerien bis hin zu Ingenieurbüros. „Auch die Selbstständigkeit ist eine interessante Option für Ingenieure“, sagt Corinna Meindl-Schäfer. Potenzielle Arbeitgeber sind außerdem Kraftwerke sowie Unternehmen der Energie- und Abfallwirtschaft, der Recyclingindustrie und der chemischen Industrie.

Was die Arbeitsmarktlage betrifft, so ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Abfallwirtschaft und im Recycling laut Bundesagentur für Arbeit in den letzten Jahren gestiegen. Auffällig dabei: Die Akademiker machen nur einen kleinen Anteil aus. „Abgesehen vom Wirtschaftszweig ‚Beseitigung von Umweltverschmutzung‘ ist die Branche von einem unterdurchschnittlichen Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Akademiker geprägt. Nur fünf Prozent der Beschäftigten haben einen akademischen Abschluss“, sagt Ilona Mirtschin vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der Arbeitslosen lag 2015 bei 1.300 und war damit niedriger als im Vorjahr. Darunter hatten nur 50 Personen einen Hochschulabschluss.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z. B. Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Ingenieur/in – Abfallwirtschaft)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

https://jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
http://www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs

bvse

Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

www.bvse.de

BDE

Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V.
http://bde.de

 

abi>> 18.04.2016

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