Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Menschen mit Behinderungen unterstützen und begleiten

Blindenschrift
Menschen mit Behinderungen müssen in ihrem Alltag besondere Techniken erlernen.
Foto: Nicole Schwab

Berufe in der Behindertenhilfe

Menschen mit Behinderungen unterstützen und begleiten

Sei es in Kindergärten und Schulen, im häuslichen Alltag oder bei Freizeitaktivitäten – in verschiedenen Berufen geht es darum, Menschen, die eine körperliche oder geistige Behinderung haben, eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Wie kann ich in einen Bus ein- und aussteigen? Wie zentriere ich einen Kochtopf auf dem Herd und wie merke ich, wann das Wasser kocht? Und wie schneide ich eine Gurke auf, ohne mich dabei zu verletzen? Für alltägliche Dinge wie diese müssen blinde oder sehbehinderte Menschen besondere Techniken erlernen. Dabei werden sie von einer Fachkraft für Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation unterstützt – bald auch von Laura Beyer*.

Die 26-Jährige absolviert die entsprechende Weiterbildung bei der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista) in Marburg und schätzt den hohen Praxisanteil: „Wir machen sehr viele eigene Erfahrungen, indem wir uns mit Augenbinden oder Simulationsbrillen in die Lage von Menschen versetzen, die erblindet sind oder Sehbehinderungen haben. Dabei geht es darum, Merkmale wahrzunehmen, die diesen Menschen helfen, sich in ihrer Umgebung selbst zu orientieren“, berichtet sie und nennt ein Beispiel: „Unterwegs kann etwa die Bodenbeschaffenheit oder die Akustik Aufschluss darüber geben, wo man sich gerade befindet.“

Den Umgang mit Hilfsmittel beibringen

Während der ersten Hälfte der Weiterbildung erlernen die Teilnehmer selbst die Techniken und Kompetenzen, die sie später anderen beibringen. „Nach dieser Phase arbeiten wir – angeleitet von unseren Ausbildern – mit blinden oder sehbehinderten Menschen“, sagt Laura Beyer*, die diesen Teil nun beginnen wird. „Dann zeigen wir ihnen zum Beispiel, wie man mit den verschiedenen Hilfsmitteln wie dem Langstock umgeht.“ Eine Herausforderung ist, dass bei jedem die Behinderung anders ausgeprägt ist. „Darauf muss man eingehen können, Ideen entwickeln und sich immer überlegen: Wie kann ich das vermitteln, damit es auch verstanden wird?“

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), das die junge Frau nach dem Abitur in einer Schule für blinde und sehbehinderte sowie mehrfachbehinderte Kinder absolvierte, war für sie wegweisend. Weil unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem passenden Bereich Voraussetzung für die Weiterbildung ist, erlernte sie zunächst den Beruf der Erzieherin. „Ich bin sehr froh darüber, dass ich diese Weiterbildung nun machen kann, auch weil es sehr praxisnah ist und wir in kleinen Gruppen arbeiten“, betont sie.

Schulische und duale Ausbildungsmöglichkeiten

Ein Porträt-Foto von Constanze Lanz

Constanze Lanz

Foto: privat

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie man beruflich Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen dabei unterstützen kann, im Alltag zurechtzukommen und am gemeinschaftlichen Leben teilzuhaben. Einen Überblick verschafft Constanze Lanz, Berufsberaterin für Abiturienten und Studierende bei der Agentur für Arbeit Berlin Steglitz-Zehlendorf. Sie nennt Ausbildungsberufe, die auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen ausgerichtet sind: „Orthopädietechnik-Mechaniker etwa versorgen Patienten mit orthopädietechnischen Hilfsmitteln wie Prothesen. Hierbei handelt es sich um eine duale Ausbildung im Handwerk.“

Auch die schulische Ausbildung zum Heilerziehungspfleger bereitet auf eine Tätigkeit vor: „In einigen Bundesländern ist zudem die schulische Ausbildung zur Fachkraft für Pflegeassistenz möglich“, ergänzt die Expertin.

Spezielle Studiengänge

Darüber hinaus führt eine ganze Reihe von Studiengängen in den Bereich der Behindertenhilfe: „Zu den Absolventen gehören etwa Gebärdensprachdolmetscher, Heilpädagogen, Ingenieure für Medizintechnik, Orthopädie- und Rehatechnik oder Lehrer für Sonder- und Förderschulen“, zählt Constanze Lanz auf. (Siehe auch die Reportage „Individuelle Stärken fördern“.) Speziell bei den Agenturen für Arbeit und in Jobcentern ist nach einem entsprechenden Bachelorstudium eine Tätigkeit als Berater für Bildung, Beruf und Beschäftigung mit dem Schwerpunkt „Teilhabe am Arbeitsleben“ möglich.

In einigen Bundesländern werden auch duale Studiengänge angeboten, etwa die dualen Bachelorstudiengänge „Soziale Arbeit in Pflege und Rehabilitation“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) oder „Soziale Sicherung, Inklusion, Verwaltung“ an der Hochschule Fulda.

Als Therapeut spezialisieren

Therapeuten können sich ebenfalls ganz oder teilweise auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen spezialisieren, beispielsweise Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten oder Kunsttherapeuten. Hierbei handelt es sich in der Regel um schulische Ausbildungen, teilweise ist aber auch ein Studium in dem Bereich möglich. Hinzu kommen verschiedene Weiterbildungen, etwa zur Fachkraft für Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation oder zum Hippotherapeuten (siehe die Reportage „Hoch zu Ross“).

Aber auch in nicht speziell auf die Behindertenhilfe ausgerichteten Ausbildungs- und Studienberufen gehört der Umgang mit Menschen, die eine Behinderung haben, dazu. Dazu zählen Gesundheits- und Krankenpfleger, Mediziner, Psychologen und Hörgeräteakustiker.

Um in diesem Bereich arbeiten zu können, sollte man entsprechende Voraussetzungen mitbringen: „Gefragt sind beispielsweise eine hohe soziale und kommunikative Kompetenz sowie emotionale Stabilität, Teamfähigkeit, Empathie und Geduld“, betont Constanze Lanz. Je nach konkretem Aufgabenbereich sind die Bereitschaft zur Schichtarbeit, körperliche Fitness und keine Scheu vor Körperkontakt wesentlich. „Eine gute Idee ist es, sich vorher in einem Praktikum oder einem Freiwilligen Sozialen Jahr auszuprobieren“, rät die Beraterin.

Gute Arbeitsmarktchancen in allen Bereichen

„Für Berufe, die konkret auf die Hilfe für Menschen mit Behinderung ausgerichtet sind, gibt es eindeutig einen Bedarf“, versichert Claudia Suttner vom Team Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Dies gilt nach ihrer Einschätzung sowohl für eher technisch ausgerichtete Berufe, für Berufe der Therapie und Heilkunde als auch für Berufe im sozialen Bereich.

„Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen“, sagt die Expertin zusammenfassend. „Die Arbeitslosigkeit ist stark gesunken und die Arbeitslosenquote liegt bei diesen Berufen unter zwei Prozent. Im Zuge der allgemeinen Entwicklung im medizinischen Bereich und im Hinblick auf die Tatsache, dass mit der älter werdenden Gesellschaft auch die Zahl der Menschen mit Behinderungen zunimmt, wird die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Berufsfeld auf allen Anforderungsniveaus weiterhin hoch bleiben.“

*Der Name wurde auf Wunsch der Protagonistin von der Redaktion geändert.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zu Berufen in der Behindertehnhilfe findest du zum Beispiel in dem Berufsfeldern „Sozialarbeit und Betreuung“ und „Pflege, Therapie, medizinische Assistenz“ sowie in den Berufswelten Studium und Ausbildung.
www.berufsfeld-info.de

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte z.B. Sozialarbeiter, Sozialpädagoge)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)

www.blista.de

Deutsche Hippotherapie-Ausbildung e.V.

www.dha-ev.de

Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V.

www.diakonie-portal.de/freiwilligendienste

Lebenshilfe Gießen

www.lebenshilfe-giessen.de

abi>> 17.09.2018

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts

andere beiträge der rubrik

 

verwandte themen