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Vom Erbsenzählen und guten Berufsaussichten

Traktor mit  Pflanzenschutz-Spritze
Die Landwirtschaft bietet Abiturienten vielfältige Berufsmöglichkeiten.
Foto: Thorsten Mischke

Berufe in der Landwirtschaft

Vom Erbsenzählen und guten Berufsaussichten

Landwirtschaft ist mehr als Kühe melken oder Mähdrescher fahren. Der Wirtschaftsbereich bietet vielseitige und abwechslungsreiche Tätigkeiten und das nicht nur für diejenigen, die auf dem Land wohnen oder im familieneigenen Betrieb groß geworden sind. Wer sich für eine Ausbildung oder ein Studium in der „grünen Branche“ interessiert, kann mit sehr guten Berufsaussichten rechnen.

Was auf unsere Teller kommt, stammt zu einem großen Teil von den Feldern und aus den Ställen deutscher Landwirte. Im EU-weiten Vergleich sind sie Spitzenreiter bei der Produktion von Milch, Schweinefleisch, Raps und Kartoffeln sowie zweitgrößter Erzeuger von Getreide, Zuckerrüben und Rindfleisch. Mehr als eine Million Arbeitskräfte sind in der Landwirtschaft beschäftigt, und rechnet man das sogenannte Agribusiness dazu – also die gesamte Lebensmittelkette von der Urproduktion bis zum Verbraucher – dann steht sogar jeder neunte Arbeitsplatz mit der Landwirtschaft in Verbindung.

Auch der von Lars Thomsen (21), der seit einem Jahr bei der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG als Agrarwirtschaftlich-technischer Assistent angestellt ist (Achtung: Die Ausbildung läuft in anderen Bundesländern auch unter dem Namen Landwirtschaftlich-technischer Assistent). Das mittelständische Unternehmen mit Sitz in Hohenlieth (Schleswig-Holstein) und Malchow (Mecklenburg-Vorpommern) züchtet unter anderem neue Ackerbohnen- und Erbsen-Sorten, die die Bauern später für die Tierernährung verwenden.

In diesen Tagen steht der 21-Jährige vor allem auf dem Feld, um verschiedene Ackerbohnenpflanzen miteinander zu kreuzen. „Nach drei Wochen haben mein Team und ich dutzende Kreuzungen durchgeführt, daraus lassen sich dann tausende neue Linien generieren. Aus dieser Unmenge an genetischem Material muss später das Beste rausgesucht werden“, erklärt er.

Auf den Prüffeldern

Ein Porträt-Foto von Lars Thomsen

Lars Thomsen

Foto: Privat

Die besten Sorten – das bedeutet, die Pflanzen sollen nicht nur krankheitsresistent, sondern auch leistungsfähig sein. „So müssen Futtererbsen zum Beispiel einen hohen Proteingehalt haben oder Ackerbohnen eine gute Standfestigkeit“, erklärt Lars Thomsen, der die meiste Zeit des Jahres auf den Prüffeldern tätig ist. Dann dokumentiert er die Entwicklung der Pflanzen anhand verschiedener Merkmale: „Dafür muss man immer den richtigen Zeitpunkt abwarten. Wann eine Pflanze zu blühen beginnt, lässt sich eben nur an wenigen Tagen im Frühjahr bestimmen, oder wie hoch sie gewachsen ist, nur kurz vor der Ernte“, erläutert er.

In seinem Job geben die Jahreszeiten den Takt vor. Geplant und vorbereitet werden die Feldversuche im Winter. Dafür muss zum Beispiel die richtige Menge Saatgut berechnet werden. „Wenn wir später 80 Erbsenpflanzen pro Quadratmeter haben wollen, sollten wir wissen, wie viele Samen tatsächlich keimen werden. Das probieren wir vorher in kleinen Keimschalen aus“, sagt er. Saatgut abwiegen, eintüten, sortieren, Drillpläne erstellen, also festlegen, wieviel Saatgut in einer Reihe ausgebracht werden soll, – bis zur Aussaat im Frühjahr hat der 21-Jährige viel zu organisieren.

Grüne Berufe

Pflanzenproduktion ist nur einer von vielen Einsatzbereichen, die für Agrarwirtschaftlich-technische Assistenten infrage kommen. Die in der Regel zweijährige Ausbildung wird an einer Berufsfachschule absolviert, wobei ein Jahr als Fachpraktikum bei einem Züchtungsbetrieb absolviert wird. Je nachdem, welche Schwerpunkte die Schulen anbieten, können die sogenannten ATAs auch in den Bereichen Tierzucht und -haltung sowie Umwelt- oder Lebensmittelanalytik tätig sein.

Ein interessanter Job im Agrarbereich – dahin führen heute viele Wege, wie zum Beispiel eine Ausbildung in einem der „grünen Berufe“. „Die Ausbildungen zum Landwirt oder zum Gärtner werden immer noch am häufigsten nachgefragt“, weiß Jörg-Michael Wenzler, Berufs- und Studienberater bei der Agentur für Arbeit in Esslingen. Neben diesen „Klassikern“ haben aber auch die Ausbildungszahlen in Berufen wie Fachkraft Agrarservice, Pferdewirt, Milchtechnologe oder Pflanzentechnologe zugelegt (siehe hierzu auch die Reportage „Arbeiten im Jahreszyklus“).

(Dual) studieren

Einen akademischen Einstieg in die Branche bieten zum Beispiel die Agrar-, Forst- oder Ernährungswissenschaften – derzeit gibt es hier deutschlandweit eine Vielzahl von Studienangeboten, die man etwa mit dem Finder auf studienwahl.de findet. Man kann dann beispielsweise Agrarbiologe oder Ingenieur für Agrartechnik werden (siehe hierzu die Berufsübersicht „Jobs im Grünen“).
„Auch Studiengänge wie Weinbau und Oenologie oder Agrarwirtschaft, die zum Teil auch dual angeboten werden, können eine interessante Option sein. Wichtig ist, sich möglichst vorher darüber klar zu werden, wo man später arbeiten möchte“, sagt der Berufsberater. Denn zu den potentiellen Arbeitgebern gehören nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch Verbände, Behörden, Forschungseinrichtungen, Lebensmittelhersteller oder Zuchtbetriebe.

Gute Aussichten

„Die Berufsaussichten für Abiturienten in der Landwirtschaft sind sehr gut. Gesucht werden nicht nur junge Menschen mit persönlichem Bezug zur Landwirtschaft, sondern grundsätzlich alle, die Interesse an Tieren, Pflanzen, Natur, Technik, Ökologie und Betriebswirtschaft haben“, weiß Franziska Schmieg vom Deutschen Bauernverband. Dabei sind nicht nur qualifizierte Führungskräfte in den Betrieben gefragt, sondern auch Berater, Lehrpersonal oder Fachleute für die Bereiche Agrarverwaltung, Finanzierung und Vermarktung. „Stark nachgefragt von Getreidemühlen, Molkereien und Zuckerfabriken sind auch Fachkräfte, die die landwirtschaftlichen Produkte verarbeiten oder die im Bereich der Landtechnik sowie in der Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit tätig sind“, ergänzt sie.

Weitere Informationen

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Agrarwirtschaftlich-technische/r Assistent/in, Pflanzentechnologe/-technologin, Agrarwissenschaft, Winzer/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe. www.berufe.tv
Ausbildungsfilme über Grüne Berufe
www.die-deutschen-bauern.de/gruene-zukunft

abi>> Infomappen

Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 8 Landwirtschaft, Natur und Umwelt in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter www.biz-medien.de/abi.

Deutscher Bauernverband

Unter dem Menüpunkt „Service“ veröffentlicht der DBV den jährlich erscheinenden Situationsbericht mit Trends und Fakten rund um die Land- und Agrarwirtschaft.
www.bauernverband.de

Thünen-Institut

Auf der Webseite des Bundesforschungsinstituts findet sich unter „Publikationen“ die zweijährlich erscheinende „Thünen-Baseline“, die die zu erwartenden Entwicklungen im Agrarsektor für die nächsten zehn Jahre beschreibt.

www.thuenen.de

Landwirtschaftskammern

Wer sich über eine Ausbildung in der „Grünen Branche“ informieren möchte oder einen Ausbildungsplatz sucht, findet unter dem Menüpunkt „Bildung“ eine hilfreiche Linkliste.
www.landwirtschaftskammern.de

Berufsverband Agrar-Ernährung-Umwelt

Unter „Hochschule und Studium“ kann man sich über Grüne Studiengänge, Abschlüsse und Hochschulstandorte informieren.
www.vdl.de

Bildungsserver Agrar

Die Plattform wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegeben und informiert umfassend über Bildungsmöglichkeiten im Agrarbereich (Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Studium).
www.bildungsserveragrar.de

abi>> 18.07.2016

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