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Landwirtschaft 4.0 ist längst Alltag

Eine Frau sitzt am Steuer eines Traktors.
Die Landwirtschaft ist weiterhin geprägt von Familienbetrieben.
Foto: Hans-Martin Issler

Berufe in der Landwirtschaft – Interview

Landwirtschaft 4.0 ist längst Alltag

Lenksysteme oder sensorgesteuerter Pflanzenschutz sind im landwirtschaftlichen Alltag längst Realität. Was die Digitalisierung künftig noch bringen wird, ist nicht vorhersagbar, meint Professor Dr. Patrick Ole Noack. Er lehrt Agrartechnik an der Fakultät Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

abi>> Herr Dr. Noack, was bedeutet „Precision Farming“?

Patrick Ole Noack: Das beschreibt durch Informationstechnik gesteuerte Bewirtschaftung von Flächen. Dazu gehört etwa der Einsatz von Sensoren, die den Bedarf einer Pflanze an Stickstoff ermitteln und die Düngung entsprechend anpassen können. Oder auch teilflächenspezifischer Pflanzenschutz, bei dem Unkräuter automatisch erkannt werden. Begriffe wie „Smart Farming“, „Landwirtschaft 4.0“ oder auch „Precision Farming“ sollten aber nicht davon ablenken, dass bereits vor der Digitalisierung viel EDV zum Einsatz kam.

abi>> Was hat sich durch die Digitalisierung verändert?

Ein Porträt-Foto von Professor Dr. agr. Patrick Ole Noack

Patrick Ole Noack

Foto: privat

Patrick Ole Noack: Daten werden in einem ganz anderen Ausmaß gesammelt und ausgewertet. Landwirte haben viel mehr Möglichkeiten, datenbasiert Entscheidungen zu treffen und diese mit ihrem Erfahrungswissen zu kombinieren.

abi>> Die Branche ist nach wie vor geprägt von Familienbetrieben. Sind die neuen technischen Möglichkeiten nur ein Thema für Großbetriebe?

Patrick Ole Noack: Wann sich welche Anschaffung lohnt, hängt von vielen Faktoren ab, nicht allein von der Betriebsgröße. Precision Farming ist wie ein Werkzeugkasten. Alles, was entlastet, Ressourcen schont, Zeit, Kosten und Energie spart oder Erträge steigert, kann sinnvoll sein.

abi>> Was bedeutet die fortschreitende Technisierung für die Arbeitswelt und das Studium?

Patrick Ole Noack: In der Arbeitswelt wird heute der Umgang mit neuen Technologien vorausgesetzt. Vor allem müssen Landwirte mit den Daten, die die neuen Technologien generieren, umgehen können. Das gilt natürlich auch für andere „grüne“ Berufe.
Im Studium nimmt die Technik daher immer mehr Raum ein. Im Studiengang Agrartechnik sowieso, aber auch im Bachelorstudiengang Landwirtschaft. Hier gibt es spannende Entwicklungen. Beispiel Mechatronik: Ein Industriemechatroniker kann zwar die Steuerung einer Klimaanlage einrichten, weiß aber nicht, bei welchen Temperaturen sich Kühe im Stall wohlfühlen. Technikaffine Landwirte, die ein Interesse an Softwareprogrammierung haben, können mit wenig Equipment eine Klimasteuerung selbst programmieren.

abi>> Wohin wird die Reise gehen?

Patrick Ole Noack: Was die Digitalisierung letztlich noch bringen wird, kann man nicht vorhersagen. Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Neben den etablierten Unternehmen entstehen aktuell viele Start-ups. Ideen sind das eine. Man muss abwarten, was sich durchsetzen und vom Markt angenommen wird.

abi>> 06.05.2019

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