Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Bio und Big Data

Vier Landwirte schauen auf einen Plan.
Nach einem Maschinenbaustudium stehen auch Berufe in der Landwirtschaft offen, beispielsweise in der Effizienzsteigerung der Motortechnik.
Foto: Fischer

Berufe in der Landwirtschaft

Bio und Big Data

Die Landwirtschaft mit all ihren vor- und nachgelagerten Bereichen bietet eine Vielzahl an Berufen. In Studium oder Ausbildung können Schwerpunkte auf Pflanzen, Tiere, Technik, Ökolandbau oder Betriebswirtschaft gelegt werden. Dabei krempelt vor allem die Digitalisierung die „grüne“ Arbeitswelt um.

Wenn Christoph Johannsmann vom Sound des Motors schwärmt, geht es nicht um eine Harley Davidson oder einen exotischen Sportflitzer, sondern um einen Feldhäcksler mit knapp 1.000 PS. Der 25-jährige Maschinenbauingenieur arbeitet beim Landmaschinenkonzern Claas in der technischen Entwicklung für Motorentechnik. Die Feldhäckslerserie namens „Jaguar“ ist eine Art fahrende Fabrik, die sich unter anderem gleich beim Ernten darauf einstellen kann, ob der Mais für die Biogasanlage oder als Tierfutter gedacht ist.

Der Motorsound soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier Effizienz und Ressourcenschonung zählen. Maschinenbauer wie Christoph Johannsmann arbeiten an der Effizienzsteigerung der Motortechnik, an der Schnittqualität und der Körneraufbereitung oder auch an den Einstellungsoptionen des Vorsatzes, damit sich dieser an die unterschiedlichen Erntebedingungen anpassen kann. Dabei werden Unmengen an Daten ausgewertet: „Eine meiner Hauptaufgaben ist es, diese Daten zu analysieren, um unsere Produkte nachhaltig zu verbessern“, erläutert Christoph Johannsmann. Die Vernetzung dieser Maschinen ist ein Grund, warum die Digitalisierung in der Agrartechnik so weit fortgeschritten ist. Auch selbstfahrende Erntemaschinen sind hier ein Thema.

Der Stammsitz der Firma Claas liegt in Harsewinkel in der Nähe von Gütersloh. Der 25-Jährige ist hier aufgewachsen und war schon immer fasziniert von den riesigen Landmaschinen. Bereits sein duales Maschinenbaustudium hat er bei Claas absolviert – inklusive Aufenthalt in den USA. In seiner Abschlussarbeit befasste er sich mit einem automatischen Maschinenoptimierungssystem.

Vielseitige Berufswelt

Ein Porträt-Foto von Christoph Johannsmann

Christoph Johannsmann

Foto: Marc Suchy

Landmaschinentechnik ist nur eine Facette der Landwirtschaft. Die Herstellung von Lebensmitteln in konventionellen und ökologischen Betrieben sowie Pflanzenschutz, Saatgut, Molkereiwesen gehören neben dem Landschaftsschutz zu den vor- und nachgelagerten Bereichen. (Siehe hierzu auch die Übersicht „Berufe im Grünen“)

Unter den Studiengängen sind an den Universitäten Agrarwissenschaften und an den Fachhochschulen (FH) Agrar- oder Landwirtschaft die Klassiker. „Nach einer breit aufgestellten Grundausbildung folgt in der Regel eine Vertiefung entweder im Bereich Pflanzen, Tiere oder Ökonomie. Je nach Hochschule kann der Fokus auch auf Verfahrenstechnik, Geflügelwissenschaften, Pferdemanagement oder Pflanzentechnologie gelegt werden“, erläutert Tim Frerichs, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Osnabrück.

„Es gibt aber auch Bachelorstudiengänge wie Agrarökonomie, Agrartechnik, Nutzpflanzen- oder Nutztierwissenschaften oder Ökologischer Landbau, die von vornherein einen Schwerpunkt vorgeben“, führt der Berater aus. (Siehe auch die Studienreportage Ökolandbau „Alles auf Grün“) Obst-, Garten- und Landschaftsbau, aber auch Forstwissenschaften, Lebensmittel- und Getränketechnologie sowie Oenologie (Weinproduktion) sind eigenständige Studiengänge.

Ausbildung als Einstieg

Zu den sogenannten „grünen“ dualen Ausbildungsberufen zählen Landwirt/-in, Forstwirt/in, Winzer/-in, Gärtner/-in oder Pflanzentechnologe/-in (siehe auch die Ausbildungsreportage Pflanzentechnologe „Roggen mit Charakter“), aber auch Nischenberufe wie Fisch- oder Pferdewirt/-in.

Ausbildungsberufe sind oft eine gute Vorbereitung und Orientierung für den weiteren Weg. Viele Hochschulen verlangen ohnehin ein sechs bis zwölfmonatiges Vorpraktikum. „An der FH Osnabrück sind es für den Studiengang Landwirtschaft zwölf Monate. Da eine verkürzte Ausbildung zum Landwirt zwei Jahre dauert, entscheiden sich einige gleich für die komplette berufliche Ausbildung“, sagt der Berufsberater. Auch die duale Ausbildung zum Forstwirt wählen Abiturienten gerne als Vorbereitung auf ein forstwissenschaftliches Studium.

Nach einer Ausbildung ein Studium draufzusatteln ist natürlich kein Muss. Das Angebot an Weiterbildungen ist vielfältig, reicht vom Fachagrarwirt verschiedener Fachrichtungen bis zum Forstwirtschafts- oder Agrarservicemeister. Alle Ausbildungsberufe und Studiengänge setzen Interesse an Chemie, Biologie, Physik und Mathematik voraus. „Sie befassen sich immer auch mit statistischen Analysen und der Aufbereitung von Daten“, erklärt Tim Frerichs. Je nach fachlicher Ausrichtung werden zudem technische sowie wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Inhalte vermittelt, etwa aus der landwirtschaftlichen Betriebslehre oder der Agrarpolitik.

Landwirtschaft im Wandel

Ein Porträt-Foto von Tim Frerichs

Tim Frerichs

Foto: privat

Wer heute in der Landwirtschaft tätig sein will, muss sich zudem mit neuen Technologien auseinandersetzen. Denn die steckt überall, von der Biogasanlage bis hin zu digitalen Vermarktungsstrategien (siehe auch das Interview „Landwirtschaft 4.0 ist längst Alltag“). Auch die Struktur der Branche hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Weniger Betriebe bewirtschaften zunehmend größere Flächen. Laut dem „Agrar-Atlas 2019“, den die Heinrich-Böll-Stiftung und die Umweltorganisation BUND erheben, gab es in Deutschland 1990 noch knapp 630.000 Höfe, 2018 waren es gut 57 Prozent weniger (266.000). Dort arbeiten laut dem Statistischen Bundesamt 940.000 Arbeitskräfte. Der Trend hält weiter an und gilt für ganz Europa.

Neben landwirtschaftlichen Betrieben gibt es eine Vielzahl an Unternehmen, die Absolventen „grüner Berufe“ und Studiengänge mit landwirtschaftlichem Bezug einstellen. Sie können etwa als Vertriebsmitarbeiter Futtermittel, Saatgut, Erntemaschinen oder landwirtschaftliche Erzeugnisse vertreiben, als Anbauberater landwirtschaftliche Betriebe unterstützen sowie für Nahrungsmittelkonzerne oder Brauereien Rohstoffe einkaufen. Auch die öffentliche Verwaltung, Bundes- und Länderministerien, Ämter für Landwirtschaft und Landentwicklung oder Landwirtschaftskammern sind mögliche Arbeitgeber. Agrarökonomen können bei Banken und Versicherungen Investitionen und Risiken kalkulieren. Und auch Bauern- und Tierzuchtverbände sowie Erzeugergemeinschaften brauchen Fachkräfte mit agrarwissenschaftlichem Fachwissen.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten. (Suchwort z.B. Landwirtschaft)
berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort z.B. Landwirtschaft)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort z.B. Landwirtschaft)
www.studienwahl.de

Bundesinformationszentrum Landwirtschaft

Länderübergreifendes Informationsportal zu „grünen“ Berufen, Fortbildungsmöglichkeiten im Agrarbereich und den rechtlichen Grundlagen der Aus- und Weiterbildung
www.bildungsserveragrar.de

Deutscher Bauernverband

Größte landwirtschaftliche Berufsvertretung in Deutschland
www.bauernverband.de

Bund der deutschen Landjugend e.V.

Der Verein bemüht sich, die Lebens- und Bleibeperspektiven junger Menschen in ländlichen Räumen zu erhalten und zu verbessern.
https://junglandwirte.de

Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen e.V. (GDL)

Berufs- und Interessensverband der Lebensmittetechnologen und der Absolventen verwandter Ausbildungsgänge in Deutschland
www.gdl-ev.de

Thünen-Institut

Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei
www.thuenen.de

abi>> 06.05.2019

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts

mehr zu diesem thema

 

andere beiträge der rubrik

 

verwandte themen