Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Der Fantasie freien Lauf lassen

Jemand spielt ein Game auf einem Smartphone.
Gamedesigner/in ist ein Beispiel für Berufe, in denen Fantasie eine tragende Rolle spielt.
Foto: Sonja Brüggemann

Berufe in Fantasiewelten

Der Fantasie freien Lauf lassen

Kindern wird oft eine blühende Fantasie nachgesagt. Viele von ihnen bewahren sich bis ins Erwachsenenalter die Fähigkeit, innere Bilder entstehen zu lassen und sich zum Beispiel Figuren, Geschichten oder ganze Welten auszudenken. Auch im Berufsleben ist die Fantasie als Quelle kreativer Schöpfungen in einer ganzen Reihe von Berufen gefragt. Damit verdienen etwa Schriftsteller, Drehbuchautoren, Bildende Künstler oder Gamedesigner ihr Geld – aber nicht nur.

In der Regel beginnt alles mit einer Idee, wenn Thomas Thürmann ein neues Spiel entwickelt. Der 23-jährige Gamedesigner arbeitet beim Berliner Start-up Bootsmann Games. Gerade feilt er am Konzept für ein Partyspiel, bei dem zwei rivalisierende Teams in die Rolle von Umzugsunternehmen schlüpfen und so schnell wie möglich eine Wohnung ausräumen sollen. „Ein Kollege erzählte mal, dass er einem Freund beim Umzug geholfen hat. Dessen Ex-Freundin hatte die Wohnung jedoch schon ziemlich leer geräumt. Wir haben uns dann überlegt, wie man das witzig und interessant darstellen könnte“, führt er aus.

Ein Porträt-Foto von Thomas Thürmann

Thomas Thürmann

Foto: Jakob Holtz

Thomas Thürmann befasst sich hauptsächlich mit den Storys und Konzepten neuer Spiele. Wo ein Spiel stattfindet, welche Levels die Spieler durchlaufen und was das Ziel des Spiels ist, das sind alles Entscheidungen, die lange vor der technischen Umsetzung getroffen werden. „Alle im Team steuern ihre Ideen bei, und wir überlegen gemeinsam, was funktioniert und was nicht. So bekomme ich von den Programmierern auch schnell ein Feedback, ob etwas gut umsetzbar oder zu aufwändig ist“, beschreibt er.
Eine gute Inspirationsquelle für neue Ideen bietet oft der Alltag. „Meistens hat man bestimmte Vorlieben bei den Spielmechaniken und verbindet diese mit Erlebnissen aus dem eigenen Leben. Aber manchmal spinnt man auch einfach nur rum und lässt seiner Fantasie freien Lauf“, sagt Thomas Thürmann.

Fiktion zählt zum Handwerkszeug

In erster Linie sind es künstlerisch-kreative Berufe, in denen Fiktion zum Handwerkszeug zählt, es also darum geht, neue, eigene Welten zu schaffen – sei es durch Computerspiele, Film, Literatur, Malerei oder andere Darstellungsformen. Fantasie spielt hierbei eine tragende Rolle. Originäre Ideen entwickeln außer Gamedesignern beispielsweise auch Schriftsteller (lies das Interview „Mit Ausdauer und Mut kann man es schaffen“), Drehbuchautoren, Bildende Künstler, Bildhauer, Illustratoren (lies die Reportage „Beim Zeichnen habe ich die besten Ideen“) , Fotografen, Komponisten, Modedesigner oder Goldschmiede.

Andere Professionen wiederum wirken an der Umsetzung solcher Ideen mit und bringen ihre eigene Fantasie ein: etwa Lektoren, die Romanen den letzten Schliff verleihen, Regisseure, die aus Drehbüchern Filme machen oder Theaterstücke inszenieren, Schauspieler, die Figuren zum Leben erwecken, Masken-, Kostüm- und Bühnenbildner (lies die Reportage „Vorhang auf und Bühne frei!“), Musiker und Sänger, die Lieder interpretieren, Choreographen, die Musik in Tanz übersetzen, oder Game Programmer, die Computerspielen Leben einhauchen. (Siehe auch die Berufsübersicht „Eigene Ideen verwirklichen“).

Beides fällt nicht selten zusammen. Es gibt Musiker, die ihre eigenen Songs schreiben, Regisseure, die selbst erdachte Geschichten verfilmen (lies die Reportage „Alltägliches mit anderen Augen sehen“) oder Modedesigner, die ihre eigenen Entwürfe nähen. Wobei man sich im Klaren sein sollte, dass der Kreativität auch Grenzen gesetzt werden – etwa, wenn Kunden Vorgaben machen, man mit Kollegen Kompromisse schließen muss oder Ideen aus technischen oder finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden können.

Wählen zwischen Studium und Ausbildung

Wer in diesem Berufsbereich Orientierung sucht, dem rät Jens Homberg, Berater für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven: „Man kann sich überlegen, ob man lieber mit Worten oder Werkzeugen, mit dem Körper oder der Stimme arbeiten möchte. Danach lassen sich die kreativen Berufe in gewisser Weise auch ordnen.“ Je mehr künstlerische Begabung erforderlich ist, desto häufiger führt der Weg zum Ziel über ein Studium, zum Beispiel Komposition, Bildende Kunst oder Regie. Mehr Ausbildungsmöglichkeiten gibt es, wenn eher handwerklich-technische Fähigkeiten gefragt sind, wie etwa beim Goldschmied.

„In manchen Berufen kann man auch zwischen einer betrieblichen Ausbildung und einem Studium wählen, zum Beispiel beim Masken- oder Bühnenbild. Im Bereich Gamedesign gibt es neben dem Studium ausschließlich schulische Ausbildungen, die in der Regel von privaten Bildungseinrichtungen kostenpflichtig angeboten werden. Bei schulischen Ausbildungen sollte man darauf achten, ob es sich um einen internen oder einen staatlich anerkannten Abschluss handelt“, sagt der Berufsberater.

Zum Schluss zählt das Talent

Der Zugang zu fantasievollen Berufen kann aber auch über einen Quereinstieg gelingen, denn gerade im künstlerisch-kreativen Bereich sind formelle Abschlüsse manchmal gar nicht entscheidend. Auf die Fähigkeiten und Begabungen kommt es an. Das weiß auch Thomas Thürmann, der selbst Quereinsteiger ist: „Ich profitiere von meinen Erfahrungen mit Computerspielen, die ich früher selbst im stillen Kämmerlein gebastelt habe. Ursprünglich wollte ich nach dem Abitur Instrumentenbauer oder Tischler werden, aber nach einigen Praktika wusste ich, das ist nichts für mich.“ So ist er schließlich über Bekannte zum Start-up Bootsmann Games gestoßen und profitiert dort nun als Gamedesigner von seiner regen Fantasie.

„Sich eigene Bildwelten ausdenken zu können, ist die Grundvoraussetzung für unseren Berufsalltag“, sagt Franziska Walther, Vorsitzende des Berufsverbands Illustratoren Organisation e.V. Wer unsicher ist, ob er genügend Fantasie mitbringt, dem empfiehlt die Expertin einen kleinen Selbstcheck zum bildhaften Denken: „Ich kann mich zum Beispiel fragen, ob ich lieber ein Buch lese und mir die Geschichte selbst ausmale oder mir eher die Verfilmung anschaue. Auch ein Blick auf die eigene Sprache kann aufschlussreich sein: Spreche ich gerne in bildhaften Metaphern oder lieber abstrakt?“

Als Freiberufler auf dem Markt

Ein Porträt-Foto von Franziska Walther

Franziska Walther

Foto: Alexander Lembke

Antworten auf diese Fragen seien aber eher als Anzeichen und nicht als pauschale Aussagen zu verstehen. Neben Fantasie, Kreativität und handwerklichen Fähigkeiten brauchen Illustratoren – und andere beruflich Kreative – aber auch unternehmerische Kompetenzen. „Nur gut zeichnen zu können, reicht längst nicht mehr aus. Illustrierende müssen sich heute auch mit dem Urhebergesetz auskennen, steuerrechtlich gut informiert sein und sich auf einem hart umkämpften, globalen Markt präzise mit ihrer Dienstleistung positionieren“, sagt Franziska Walther.

Viele Berufstätige im kreativen Bereich arbeiten freiberuflich, zum Beispiel für Verlage, Medien- und Werbeagenturen, Theater oder Filmproduktionsfirmen. Eine große Herausforderung besteht vor allem darin, den Wert der eigenen Arbeit gegenüber Auftraggebern zu vertreten und angemessene Honorare zu verhandeln. Gerade Berufseinsteigern fällt das nicht immer leicht.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Berufen mit Fantasie findest du zum Beispiel in den Berufsfeldern „Bildende Kunst, Design, Resaturierung“ und „Musik, Tanz, Schauspiel, Kulturwirtschaft“ der Berufswelt Studium.
berufsfeld-info.de

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte z.B. Gamedesigner/in, Designer/in – Grafik, Regisseur/in, Computer-Animator/in, Bühnenbildner/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe
www.berufe.tv

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Game – Verband der deutschen Games-Branche

Unter dem Menüpunkt „Themen“ werden zahlreiche Berufsbilder in der Computer- und Videospielbranche vorgestellt.
game.de

Illustratoren Organisation e. V.

Berufsverband der deutschsprachigen Illustratoren
io-home.org

Bundesverband Regie (BVR)

Als Berufsverband vertritt der BVR u.a. die Interessen von Regisseuren, Regieassistenten und Drehbuchautoren aus den Bereichen Kino, Fernsehen, Synchronisation, Musikvideo, Show, Werbung und Industriefilm.
regieverband.de

abi>> 09.07.2018

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts

mehr zu diesem thema

 

andere beiträge der rubrik

 

verwandte themen