Der Fantasie freien Lauf lassen

Jemand spielt ein Game auf einem Smartphone.
Gamedesigner/in ist ein Beispiel für Berufe, in denen Fantasie eine tragende Rolle spielt.
Foto: Sonja Brüggemann

Berufe in Fantasiewelten

Der Fantasie freien Lauf lassen

Kindern wird oft eine blühende Fantasie nachgesagt. Viele von ihnen bewahren sich bis ins Erwachsenenalter die Fähigkeit, innere Bilder entstehen zu lassen und sich zum Beispiel Figuren, Geschichten oder ganze Welten auszudenken. Auch im Berufsleben ist die Fantasie als Quelle kreativer Schöpfungen in einer ganzen Reihe von Berufen gefragt. Damit verdienen etwa Schriftsteller, Drehbuchautoren, Bildende Künstler oder Gamedesigner ihr Geld – aber nicht nur.

In der Regel beginnt alles mit einer Idee, wenn Thomas Thürmann ein neues Spiel entwickelt. Der 23-jährige Gamedesigner arbeitet beim Berliner Start-up Bootsmann Games. Gerade feilt er am Konzept für ein Partyspiel, bei dem zwei rivalisierende Teams in die Rolle von Umzugsunternehmen schlüpfen und so schnell wie möglich eine Wohnung ausräumen sollen. „Ein Kollege erzählte mal, dass er einem Freund beim Umzug geholfen hat. Dessen Ex-Freundin hatte die Wohnung jedoch schon ziemlich leer geräumt. Wir haben uns dann überlegt, wie man das witzig und interessant darstellen könnte“, führt er aus.

Ein Porträt-Foto von Thomas Thürmann

Thomas Thürmann

Foto: Jakob Holtz

Thomas Thürmann befasst sich hauptsächlich mit den Storys und Konzepten neuer Spiele. Wo ein Spiel stattfindet, welche Levels die Spieler durchlaufen und was das Ziel des Spiels ist, das sind alles Entscheidungen, die lange vor der technischen Umsetzung getroffen werden. „Alle im Team steuern ihre Ideen bei, und wir überlegen gemeinsam, was funktioniert und was nicht. So bekomme ich von den Programmierern auch schnell ein Feedback, ob etwas gut umsetzbar oder zu aufwändig ist“, beschreibt er.
Eine gute Inspirationsquelle für neue Ideen bietet oft der Alltag. „Meistens hat man bestimmte Vorlieben bei den Spielmechaniken und verbindet diese mit Erlebnissen aus dem eigenen Leben. Aber manchmal spinnt man auch einfach nur rum und lässt seiner Fantasie freien Lauf“, sagt Thomas Thürmann.

Fiktion zählt zum Handwerkszeug

In erster Linie sind es künstlerisch-kreative Berufe, in denen Fiktion zum Handwerkszeug zählt, es also darum geht, neue, eigene Welten zu schaffen – sei es durch Computerspiele, Film, Literatur, Malerei oder andere Darstellungsformen. Fantasie spielt hierbei eine tragende Rolle. Originäre Ideen entwickeln außer Gamedesignern beispielsweise auch Schriftsteller (lies das Interview „Mit Ausdauer und Mut kann man es schaffen“), Drehbuchautoren, Bildende Künstler, Bildhauer, Illustratoren (lies die Reportage „Beim Zeichnen habe ich die besten Ideen“) , Fotografen, Komponisten, Modedesigner oder Goldschmiede.

Andere Professionen wiederum wirken an der Umsetzung solcher Ideen mit und bringen ihre eigene Fantasie ein: etwa Lektoren, die Romanen den letzten Schliff verleihen, Regisseure, die aus Drehbüchern Filme machen oder Theaterstücke inszenieren, Schauspieler, die Figuren zum Leben erwecken, Masken-, Kostüm- und Bühnenbildner (lies die Reportage „Vorhang auf und Bühne frei!“), Musiker und Sänger, die Lieder interpretieren, Choreographen, die Musik in Tanz übersetzen, oder Game Programmer, die Computerspielen Leben einhauchen. (Siehe auch die Berufsübersicht „Eigene Ideen verwirklichen“).

Beides fällt nicht selten zusammen. Es gibt Musiker, die ihre eigenen Songs schreiben, Regisseure, die selbst erdachte Geschichten verfilmen (lies die Reportage „Alltägliches mit anderen Augen sehen“) oder Modedesigner, die ihre eigenen Entwürfe nähen. Wobei man sich im Klaren sein sollte, dass der Kreativität auch Grenzen gesetzt werden – etwa, wenn Kunden Vorgaben machen, man mit Kollegen Kompromisse schließen muss oder Ideen aus technischen oder finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden können.

Wählen zwischen Studium und Ausbildung

Wer in diesem Berufsbereich Orientierung sucht, dem rät Jens Homberg, Berater für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven: „Man kann sich überlegen, ob man lieber mit Worten oder Werkzeugen, mit dem Körper oder der Stimme arbeiten möchte. Danach lassen sich die kreativen Berufe in gewisser Weise auch ordnen.“ Je mehr künstlerische Begabung erforderlich ist, desto häufiger führt der Weg zum Ziel über ein Studium, zum Beispiel Komposition, Bildende Kunst oder Regie. Mehr Ausbildungsmöglichkeiten gibt es, wenn eher handwerklich-technische Fähigkeiten gefragt sind, wie etwa beim Goldschmied.

„In manchen Berufen kann man auch zwischen einer betrieblichen Ausbildung und einem Studium wählen, zum Beispiel beim Masken- oder Bühnenbild. Im Bereich Gamedesign gibt es neben dem Studium ausschließlich schulische Ausbildungen, die in der Regel von privaten Bildungseinrichtungen kostenpflichtig angeboten werden. Bei schulischen Ausbildungen sollte man darauf achten, ob es sich um einen internen oder einen staatlich anerkannten Abschluss handelt“, sagt der Berufsberater.

Zum Schluss zählt das Talent

Der Zugang zu fantasievollen Berufen kann aber auch über einen Quereinstieg gelingen, denn gerade im künstlerisch-kreativen Bereich sind formelle Abschlüsse manchmal gar nicht entscheidend. Auf die Fähigkeiten und Begabungen kommt es an. Das weiß auch Thomas Thürmann, der selbst Quereinsteiger ist: „Ich profitiere von meinen Erfahrungen mit Computerspielen, die ich früher selbst im stillen Kämmerlein gebastelt habe. Ursprünglich wollte ich nach dem Abitur Instrumentenbauer oder Tischler werden, aber nach einigen Praktika wusste ich, das ist nichts für mich.“ So ist er schließlich über Bekannte zum Start-up Bootsmann Games gestoßen und profitiert dort nun als Gamedesigner von seiner regen Fantasie.

„Sich eigene Bildwelten ausdenken zu können, ist die Grundvoraussetzung für unseren Berufsalltag“, sagt Franziska Walther, Vorsitzende des Berufsverbands Illustratoren Organisation e.V. Wer unsicher ist, ob er genügend Fantasie mitbringt, dem empfiehlt die Expertin einen kleinen Selbstcheck zum bildhaften Denken: „Ich kann mich zum Beispiel fragen, ob ich lieber ein Buch lese und mir die Geschichte selbst ausmale oder mir eher die Verfilmung anschaue. Auch ein Blick auf die eigene Sprache kann aufschlussreich sein: Spreche ich gerne in bildhaften Metaphern oder lieber abstrakt?“

Als Freiberufler auf dem Markt

Ein Porträt-Foto von Franziska Walther

Franziska Walther

Foto: Alexander Lembke

Antworten auf diese Fragen seien aber eher als Anzeichen und nicht als pauschale Aussagen zu verstehen. Neben Fantasie, Kreativität und handwerklichen Fähigkeiten brauchen Illustratoren – und andere beruflich Kreative – aber auch unternehmerische Kompetenzen. „Nur gut zeichnen zu können, reicht längst nicht mehr aus. Illustrierende müssen sich heute auch mit dem Urhebergesetz auskennen, steuerrechtlich gut informiert sein und sich auf einem hart umkämpften, globalen Markt präzise mit ihrer Dienstleistung positionieren“, sagt Franziska Walther.

Viele Berufstätige im kreativen Bereich arbeiten freiberuflich, zum Beispiel für Verlage, Medien- und Werbeagenturen, Theater oder Filmproduktionsfirmen. Eine große Herausforderung besteht vor allem darin, den Wert der eigenen Arbeit gegenüber Auftraggebern zu vertreten und angemessene Honorare zu verhandeln. Gerade Berufseinsteigern fällt das nicht immer leicht.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Berufen mit Fantasie findest du zum Beispiel in den Berufsfeldern „Bildende Kunst, Design, Resaturierung“ und „Musik, Tanz, Schauspiel, Kulturwirtschaft“ der Berufswelt Studium.
berufsfeld-info.de

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte z.B. Gamedesigner/in, Designer/in – Grafik, Regisseur/in, Computer-Animator/in, Bühnenbildner/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe
www.berufe.tv

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Game – Verband der deutschen Games-Branche

Unter dem Menüpunkt „Themen“ werden zahlreiche Berufsbilder in der Computer- und Videospielbranche vorgestellt.
game.de

Illustratoren Organisation e. V.

Berufsverband der deutschsprachigen Illustratoren
io-home.org

Bundesverband Regie (BVR)

Als Berufsverband vertritt der BVR u.a. die Interessen von Regisseuren, Regieassistenten und Drehbuchautoren aus den Bereichen Kino, Fernsehen, Synchronisation, Musikvideo, Show, Werbung und Industriefilm.
regieverband.de

 

Berufe in Fantasiewelten – Übersicht

Eigene Ideen verwirklichen

Du möchtest dich verwirklichen, deine kreative Ader ausleben und etwas Neues schaffen? abi» stellt dir eine Auswahl an Berufen vor, in denen du deiner Fantasie freien Lauf lassen kannst.

Drehbuchautor/in

Aufgaben: Inhalt, Handlung und Figuren einer Geschichte erarbeiten; Dialoge ausarbeiten, Schauplätze beschreiben und räumliche und zeitliche Abfolgen, Requisiten, Geräusche, Musik, Licht und ggf. Kamerawinkel angeben; recherchieren, Interviews führen, Fakten prüfen und auswerten; Drehbücher erstellen; Verträge aushandeln

Mögliche Arbeitgeber: Film- und Fernsehproduktionsgesellschaften, Rundfunk- und Fernsehanstalten; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: Studium im Bereich Drehbuch an einer Film- oder Medienhochschule

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Komponist/in

Aufgaben: Musikstücke verschiedener Gattungen komponieren; Melodien, Sounddesign oder Klangkulissen für kommerzielle Zwecke gestalten (zum Beispiel für Werbespots); bei elektronischen Kompositionen Sounddateien importieren, arrangieren, mixen und konvertieren

Mögliche Arbeitgeber: Symphonie- und Rundfunkorchester, Kapellen und Chöre, Ballettgruppen, Opern und Schauspielhäuser, Theater- und Konzertveranstalter, Produktionsfirmen für Kino- und Fernsehfilme, Musikverlage; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: Konservatorium oder Studium der Komposition an einer Musikhochschule

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Bildende/r Künstler/in

Aufgaben: gestalterische Ideen durch Kunstwerke in verschiedenen Praxisfeldern ausdrücken; Skizzen, Entwürfe und Modelle anfertigen; Verwendung bildnerischer Ausdrucksmittel wie Malerei, Grafik, Plastik, Illustration, Installation, Raumkunst, Fotografie, Video, Performance, Konzept- und Netzkunst; Ausstellungen organisieren

Mögliche Arbeitgeber: Museen, Theater, Opern- und Schauspielhäuser im Bereich der Bühnenmalerei, Hochschulen bzw. Kunstakademien, Werbeagenturen, Designbüros, Verlage, Kunsthandel; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: z.B. Studium der Bildenden Künste, u.a. auch im Rahmen von Lehramtsstudiengängen möglich

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Modedesigner/in

Aufgaben: Entwürfe erstellen und ausarbeiten; materialbedingte, herstellungstechnische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen; Modellschnitte anfertigen; u.a. über Art und Qualität der zu fertigender Kleidungsstücke verhandeln; evtl. Marketing/Werbung

Mögliche Arbeitgeber: Bekleidungshersteller, Ateliers für Modedesign, Einzel- und Versandhandel, Mode-/Fachverlage; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: Studium im Bereich Modedesign oder schulische Ausbildung zum/zur Modedesigner/in

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Fotograf/in

Aufgaben: Motive ausfindig machen, Aufnahmen anfertigen; Einsatz entsprechender Geräte und Technik; Layout-Gestaltung nach Kundenvorgaben; Kundenberatung; die zu fotografierenden Personen anweisen; äußere Umstände für die Fotografie berücksichtigen (z.B. Wetter); Bildbearbeitung und -archivierung

Mögliche Arbeitgeber: Fotostudios, Verlage, Fotofachgeschäfte, Presseagenturen, Werbe- und Medienagenturen; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: duale Ausbildung zum/zur Fotograf/in oder Studium der Fotografie

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Schauspieler/in

Aufgaben: Darstellung und Verkörperung von Figuren/Rollen aus einer Textvorlage und einem Regiekonzept auf Bühnen oder in Filmen; Einstudieren des Drehbuches; Aufführungen vor einem Publikum

Mögliche Arbeitgeber: Film, Fernsehen, Hörfunk, Sprechtheater, Musical- oder Kleinkunstbühnen, Schauspielschulen; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: Studium des Schauspiels oder schulische Ausbildung zum/zur Schauspieler/in

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Choreograf/in

Aufgaben: Konzipieren, Inszenieren und Leiten von Ballettaufführungen bzw. Tanzszenen in Musicals, Opern, Operetten, Film- und Fernsehproduktionen; Konzept- und Tanzproben leiten; szenische Konzepte entwickeln; Bewegungsmotive erarbeiten; Proben vorbereiten; Aufführungen überwachen

Mögliche Arbeitgeber: Film- und Fernsehproduktionen, Tanzsport- und Eiskunstlaufvereine, Ballett- und Tanzschulen, Sport- bzw. Musikhochschulen, Opernhäuser, Theater, Musicalbühnen; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: Studium der Choreographie oder des Tanzes
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Grafikdesigner/in

Aufgaben: grafische Kommunikationsmittel gestalten; Gestaltungskonzeptionen entwickeln; redaktionelle, technische, produktions- und kostenorientierte Vorgaben berücksichtigen; an Rahmenbedingungen eines Auftrags orientieren (z.B. Zielgruppe); Texte, Bilder und Grafiken am Bildschirm gestalten und Skizzen anfertigen; technische Details mit Kunden abstimmen (z.B. Farbskala); Entwürfe präsentieren

Mögliche Arbeitgeber: Werbe-, Medien- oder PR-Agenturen, Büros für Grafikdesign, Verlage, PR-Abteilungen größerer Unternehmen, Druckereien oder Satzstudios; freiberufliche Tätigkeit

Zugang: Studium im Bereich Grafik-, Medien-, oder Kommunikationsdesign oder schulische Ausbildung zum/zur Grafik- oder Kommunikationsdesigner/in

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Visagist/in

Aufgaben: Kunden- und Produktberatung; Anwendung von anlassbezogenen Schminktechniken; Zusammenarbeit mit Stylisten; Durchführung von Schminkschulungen

Mögliche Arbeitgeber: Schauspielbühnen, Filmwirtschaft oder Fernsehen, Mode- und Werbebranche, Kosmetik- oder Frisörsalons und Parfümerien

Zugang: duale Ausbildung zum/zur Kosmetiker/in oder Maskenbildner/in und z.B. Weiterbildung zum/zur Fachwirt/in für Kosmetik und Wellness

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Regisseur

Alltägliches mit anderen Augen sehen

Der Regisseur Benjamin Teske (35) hat ein Faible für Menschen und Orte, die ungewöhnlich sind. Dabei geht es in seinen Filmen um ganz alltägliche Situationen und Bedürfnisse. Die Geschichten entwickelt er behutsam; bis zur fertigen Produktion dauert es mindestens zwei bis drei Jahre.

Die Mühsal des Erwachsenwerdens mal anders erzählt: Die 17-jährige Lucy entdeckt durch Zufall auf einem alten Video-Cover ihre Mutter, die als Darstellerin in erotischen Filmen sehr erfolgreich war. So erfährt sie nicht nur von der Vergangenheit der vermeintlich prüden Mutter, sondern auch, dass der unbekannte Vater wahrscheinlich ein ehemaliger Kollege ist. Und von denen gibt es einige. Lucy macht sich auf die Suche nach ihrem Vater.

Das ist zumindest die Kurzfassung von Benjamin Teskes Debütfilm „Strawberry Bubblegums“, der 2016 im NDR gezeigt wurde. „Schon vier Jahre davor, zum Ende der Studienzeit, hatte ich gemeinsam mit meiner Kommilitonin Cherokee Agnew die Idee, die Geschichte eines alten Pornodarstellers zu erzählen. Wir haben ausgiebig über die Branche recherchiert und in vielen Gesprächen die Story entwickelt. Die Protagonistin kam später erst als Kontrast dazu“, erinnert sich der Regisseur.

„Ideen sind die Summe aus Erlebnissen und Erfahrungen“

Ein Porträt-Foto von Benjamin Teske

Benjamin Teske

Foto: Sabin Tambrea

Auch in „Fliehkraft“ – dem Abschlussfilm seines Regiestudiums an der halb-staatlichen Hamburg Media School, die kostenpflichtige Masterstudiengänge anbietet – geht es um die Suche nach der eigenen Identität. So beschließt die transsexuelle Leonie, sich als Mann auszugeben und in die Welt des Rummels zu ihren Eltern zurückzukehren. Eine Vergangenheit, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte.

Doch wie entstehen solche Geschichten? „Das weiß ich manchmal selbst nicht so genau. Ideen sind ja auch immer die Summe aus Erlebnissen und Erfahrungen. Mich interessieren alltägliche Situationen und Momente, aber eben aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet“, berichtet der 35-Jährige, der ursprünglich aus Aschaffenburg stammt. Grundsätzlich fange er erst nach einigen Wochen an, seine Einfälle aufzuschreiben. Dann sammle er Links, Artikel und Inspirationen, bis sich das Thema nach und nach verändere oder immer runder werde.

Kompromisse machen, Änderungen in Kauf nehmen

Bis zum fertigen Film ist es jedoch ein langer Weg. Als freiberuflicher Regisseur muss Benjamin Teske in der Regel eine passende Produktionsfirma finden, die die Finanzierung zusammenstellt. Denn meistens wird ein Film von der Filmförderung und einem Fernsehsender getragen. Manchmal läuft es aber auch umgekehrt: „Als ‚Fliehkraft‘ im Kino gezeigt wurde, kam danach eine Redakteurin des NDR auf mich zu und war an weiteren Geschichten von mir interessiert. So konnte ich ‚Strawberry Bubblegums‘ gemeinsam mit dem Sender und Wüste Film umsetzen, einer Produktionsfirma, zu der ich schon während der Studienzeit Kontakt aufgebaut hatte.“

Sobald die Partner im Boot sind, heißt es aber auch, Kompromisse schließen und Änderungen in Kauf nehmen: „Wenn du 21 Drehtage und x Euro zur Verfügung hast, dann sind die kreativen Grenzen schnell klar. Häufig wird das Drehbuch nochmal überarbeitet, weil Szenen gestrichen oder Drehorte ausgetauscht werden“, weiß Benjamin Teske.

Zurzeit arbeitet er an mehreren neuen Projekten und unterrichtet außerdem die Filmklasse an der Schule für Schauspiel in Hamburg. Man müsse sich nach jedem Film immer wieder neu beweisen, sagt Benjamin Teske. Manchmal komme schnell die nächste Anfrage, und manchmal dauere es eben länger. Sich nicht verrückt zu machen oder ständig mit anderen zu vergleichen, findet er für den Regieberuf sehr wichtig. „Ich will Filme machen, dabei denke ich nicht mehr in Wochen oder Monaten, sondern in Jahren. Man muss einfach wissen, dass es lange dauern kann“, sagt er.

 

Animatorin

"Beim Zeichnen habe ich die besten Ideen"

Die Animatorin Ulrike Niedlich (35) kreiert Zeichentrickwelten. Früher hat sie Kinderlieblinge wie Rabe Socke oder Ritter Rost zum Leben erweckt, heute ist sie auf Erklärvideos spezialisiert. Ihre ersten Ideen entwickelt sie jedoch nicht am Computer, sondern auf dem Papier.

Das ist Nabiel. Er kommt aus Syrien. Nun möchte er als Lebensmittelhändler durchstarten. Was muss Nabiel dafür alles tun und wer hilft ihm dabei?“, sagt eine Sprecherstimme, die in den folgenden zwei Minuten Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt. Zu sehen ist eine Zeichentrickwelt aus Amtsgebäuden, durch die sich eine Cartoonfigur bewegt. „Ich habe mir im Internet Bilder von syrischen Männern angeschaut und überlegt, wie eine passende Hauptfigur aussehen könnte“, erklärt Ulrike Niedlich.

Nach der Recherche beginnt für sie der schönste Teil ihrer Arbeit: „Als erstes mache ich Bleistiftskizzen von den wichtigsten Figuren und Szenen, um den passenden Stil fürs Thema zu finden. Das ist die kreativste Phase während eines Projektes“, findet sie. Man müsse viel und regelmäßig üben, um genau nach seinen Vorstellungen zeichnen zu können. Schon als Jugendliche hatte Ulrike Niedlich ein Faible für genaues Beobachten und Abzeichnen. „In jede Idee für eine neue Figur fließen Erfahrungen ein, also eigentlich alles, was man mal gesehen und gemalt hat. Das hat für mich weniger etwas mit Fantasie, sondern mehr mit Kreativität zu tun, weil ich mich letztlich an der realen Welt orientiere“, meint die 35-Jährige.

Freiberuflich arbeiten für ein Trickfilmstudio

Ein Porträt-Foto von Ulrike Niedlich

Ulrike Niedlich

Foto: Sven Peter/Agentur Plan B

Die Grundlagen fürs Zeichnen erlernte die gebürtige Potsdamerin an der privaten Internationalen Filmschule Köln, die damals eine einjährige Weiterbildung im Bereich Animation anbot. „Dazu gehören zum Beispiel das Naturstudium oder Aktzeichnen, und natürlich die Basics der verschiedenen Animationstechniken. Wir haben sehr viel Zeichentrick, also 2-D-Animation, gemacht“, erinnert sie sich. Danach arbeitete Ulrike Niedlich freiberuflich für ein Kölner Trickfilmstudio und animierte Figuren und Szenen für Kino- und Fernsehproduktionen wie „Ritter Rost“, „Rabe Socke“ oder „Siebenstein“.

Da sie einen Studienabschluss wollte, bewarb sie sich an der renommierten Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf für den Bachelorstudiengang Animation. „Das Studium fokussierte sehr auf 3-D-Animationen, da war ich dann eigentlich ganz weg vom Stift. Irgendwann merkte ich, diese hochtechnisierten Prozesse sind eigentlich doch nicht mein Ding“, sagt sie.

Erklärvideos für unterschiedliche Kunden

Daher kreiert, zeichnet und animiert sie heute lieber zweidimensionale Bilderwelten für erklärungsbedürftige Produkte und Themen, im Auftrag von Unternehmen, Organisationen oder öffentlichen Einrichtungen. Das Themenspektrum ist sehr vielseitig und reicht von Erzählcafés für Schwangere und Mütter über die Erläuterung der verschiedenen Energielabels für ein Ministerium bis hin zur Funktionsweise von Unfallmeldesteckern eines Versicherungsunternehmens. „Ich bespreche mit den Kunden die Inhalte und die Zielgruppe des jeweiligen Videos. In der Regel bekomme ich auch ein paar gestalterische Vorgaben zum Stil oder zu den Farben, die sich oft am Logo oder der Webseite orientieren“ erklärt sie. Innerhalb dieses Rahmens könne sie sich dann austoben.

Bevor sie mit den ersten Zeichnungen beginnt, googelt sie oft Fotoaufnahmen und lässt sich inspirieren. Ist sie von einem Entwurf überzeugt, überträgt sie die Figuren und Objekte auf ihr digitales Zeichenbrett und arbeitet ein Storyboard mit allen Szenen aus. Danach werden die Bilder am Computer koloriert und zum Schluss mit Hilfe von Animationsprogrammen in Bewegung gebracht.

„Ich mag meine Arbeit sehr, aber es ist schon ein bisschen verrückt: Um beruflich zeichnen zu können, bin ich Animatorin geworden“, sagt Ulrike Niedlich, die selbst auch stets in Bewegung bleibt. So hat sie kürzlich eine Weiterbildung zur Illustratorin abgeschlossen und würde nun gerne auch Kinderbücher gestalten.

 

Bühnenbildnerin

Vorhang auf und Bühne frei!

Die Bühnenbildnerin Maria Pfeiffer (34) entwirft für Theaterstücke die passenden Kulissen. Ihre Arbeit endet mit der Premierenaufführung. Vom ersten Entwurf bis zum fertigen Bühnenbild braucht es oft mehrere Monate.

Ob Landschaft, Zirkusarena oder Dorfstraße – Bühnenbilder regen die Fantasie an und versetzen uns in andere Welten. „Ich gestalte eher eine Atmosphäre als einen konkreten Raum, denn meistens bekommt man ja mit, wann und an welchem Ort ein Stück spielt“, sagt Maria Pfeiffer, die seit mehr als acht Jahren als freiberufliche Bühnenbildnerin für große und kleine Theater arbeitet.

Ein Porträt-Foto von Maria Pfeiffer

Maria Pfeiffer

Foto: Johannes Schmitz

Bei jedem neuen Projekt heißt es erstmal, sich in den Text zu vertiefen und zum Thema zu recherchieren. „Danach gehe ich gedanklich nochmal einen Schritt zurück und überlege mir, was eigentlich das Grundthema der Geschichte ist und wie ich das über Formen, Farben und Materialien ausdrücken kann“, beschreibt sie. So habe sie etwa bei „Kaschtanka“ – ein Stück von Anton Tschechow über einen kleinen Hund, der von zu Hause wegläuft und später wieder zu seinem Herrchen findet – vor allem Farben vor Augen gehabt. „Wir wollten das Stück ohne große Umbauten spielen. Mir war es wichtig, dass die Zuschauer gleich zu Beginn etwas vom Zirkus spüren, obwohl der eigentlich erst am Ende kommt. Durch die bunten, nach unten hängenden Stoffstreifen wird nicht nur eine Zirkusarena angedeutet, sondern auch eine wohlige Atmosphäre geschaffen, die daran erinnert, wie schön das Zuhause-Sein ist“, erklärt sie.

Viel Kreativarbeit und Organisationstalent

Für ihre Ideen lässt sich Maria Pfeiffer zum Beispiel von Bildbänden oder Zeitschriften inspirieren, durchstöbert Antikläden oder auch mal den Theaterkeller nach Dingen, die eine Geschichte erzählen. Und natürlich müssen auch die Anforderungen der Regie berücksichtigt werden.

Nachdem sich die Bühnenbildnerin mit einem Stück beschäftigt hat, skizziert sie erste Ideen auf dem Papier und fertigt danach ein Modell an: „Bei jedem neuen Projekt baue ich den Theaterraum nach und kann dann dreidimensional mit der Raumstruktur, Objekten, Größen oder Farben experimentieren. Meine Ideen muss ich dem Team später ja auch vermitteln können“, führt sie aus.

Das Bühnenbild selbst baut sie nicht, plant und koordiniert aber die Umsetzung in einer Werkstatt. Dafür erstellt sie technische Zeichnungen am Computer und recherchiert geeignete Materialien. Außerdem kümmert sich die 34-Jährige um alle kleinen und großen Requisiten, also die beweglichen Gegenstände, die die Darsteller beim Spielen benötigen. „Während der Proben ergeben sich manchmal noch Änderungen fürs Bühnenbild, da muss man flexibel sein“, weiß sie aus Erfahrung.

Projektbezogenes Arbeiten statt fester Arbeitszeiten

Für ihre Ausbildung ist die gebürtige Bambergerin nach Dresden gegangen, um dort an der Hochschule für Bildende Künste Bühnen- und Kostümbild zu studieren. Für einen der wenigen Studienplätze musste sie Theatererfahrung durch Praktika vorweisen, eine Mappe mit eigenen künstlerischen Arbeiten einreichen und eine mehrtägige Eignungsprüfung absolvieren. Die Zulassungsvoraussetzungen sind jedoch von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. „Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte gerne zeichnen und Interesse für den Raum, Farben und Formen mitbringen. Es braucht auch viel Engagement und Herzblut, denn von diesem Beruf leben zu können, wird nicht leichter“, sagt sie.

Genauso wie Maria Pfeiffer arbeiten die meisten Bühnenbildner freiberuflich und werden in der Regel nicht von den Spielstätten, sondern direkt von den Theaterregisseuren engagiert. Auch Architekten, Innenarchitekten oder Designer sind gefragt: „Bühnenbildner ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Wenn ein Regisseur mit einer bestimmten Person zusammenarbeiten will, ist es egal, was der- oder diejenige studiert hat“, weiß die Bühnenbildnerin, die sich im Laufe der Jahre mehrere Standbeine erarbeitet hat. So bietet sie unter anderem auch Workshops für Kinder und Jugendliche an, mit denen sie zum Beispiel kleine Modellbühnen baut.

 

Sylvia Englert/Katja Brandis

Mit Ausdauer und Mut kann man es schaffen

abi» sprach mit Autorin Sylvia Englert alias Katja Brandis über ihren Weg von der Hobbyautorin zur erfolgreichen Schriftstellerin. Ihre Fantasy-Romane für Jugendliche und Erwachsene haben viele lesehungrige Fans. Wie man neue Welten erfindet und packende Geschichten schreibt, gibt sie auch in zahlreichen Ratgebern weiter.

abi>> Frau Englert, Sie kennen sich bestens aus mit magischen Wesen, fremdartigen Völkern und geheimnisvollen Welten. Woher kommt Ihre Vorliebe für Fantasy-Geschichten?

Sylvia Englert: Dort kann man seine Fantasie von der Leine lassen, die schrägsten, interessantesten, seltsamsten Dinge erfinden. Und wenn man sie glaubwürdig präsentiert, werden sie zum Teil einer Welt, in die man tief eintauchen kann. Es macht großen Spaß, in einem selbst geschaffenen Universum Zeit zu verbringen und dort Geschichten anzusiedeln.

abi>> In Ihrem neuen Roman „Das dunkle Wort“ geht es um das bedrohte Orchideenreich Skaidar, das den Magier Terwyn um Hilfe bittet. Terwyn hat sich jedoch geschworen, nie wieder Magie einzusetzen. Wie entsteht eine solche Buchidee?

Ein Porträt-Foto von Sylvia Englert

Sylvia Englert

Foto: Erol Gurian

Sylvia Englert: In diesem Fall war es ungewöhnlich. Ich brauchte für mein „Handbuch für Fantasyautoren“ eine ganz kurze Figurencharakterisierung als Beispiel. Also habe ich aus dem Stegreif etwas erfunden und in einem Absatz eben jenen Terwyn beschrieben. Er faszinierte mich sofort, und mir ging durch den Kopf: „Hm, der ist viel zu interessant, um ihn als Beispiel zu verheizen. Der wird die Hauptfigur meines nächsten Romans!“

abi>> Und wie geht es nach der Idee weiter, schreiben Sie spontan drauflos?

Sylvia Englert: Das habe ich als Jugendliche gemacht und mir damit endlos viele Schreibblockaden eingehandelt. Heute gehe ich anders vor: Bevor ich anfange zu schreiben, schicke ich eine Inhaltsangabe des Romans, die man Exposé nennt und die etwa drei Seiten umfasst, an den Verlag. Erst wenn dieser sein Okay gibt, das Projekt also kauft, fange ich mit der Detailplanung an und schreibe das Buch. Dadurch, dass ich vorher die Handlung schon gründlich durchdacht habe, flutscht es beim Schreiben meist sehr gut und ich kann diese Phase richtig genießen.

abi>> Früher waren Sie als Journalistin tätig, heute arbeiten Sie hauptberuflich als Autorin. Wie haben Sie das geschafft?

Sylvia Englert: Es dauert ein paar Jahre, bis man sich am Markt etabliert hat und die Verlage einen kennen. Ich habe erst vier Tage die Woche fest angestellt gearbeitet und hatte einen Tag Zeit für meine Romane. Dann habe ich mit meinem Chef ausgehandelt, dass ich auf zweieinhalb Tage reduzieren kann. Tja, und als es mit den Büchern gut lief, konnte ich mir dann erlauben, ganz zu kündigen. Das ist nun zwölf Jahre her. Man braucht also einen Brotberuf, denn es ist auch nicht gesagt, dass die Bücher gut „laufen“ und nennenswerte Summen einbringen.

abi>> Mittlerweile habe Sie über 50 Bücher veröffentlicht und arbeiten mit mehreren Verlagen zusammen. Was raten Sie jungen Autoren, die ihr erstes Buch vermarkten wollen?

Sylvia Englert: Das erste Buch bei einem Verlag unterzubringen ist schwer. Das heißt, die jungen Autoren sollten sich handwerkliche Kenntnisse aneignen, damit sie typische Anfängerfehler vermeiden, und die Geschichte so oft überarbeiten, bis wirklich alles sitzt. Dabei unbedingt auch auf bücherliebende Testleser setzen, denn man selbst wird schnell betriebsblind! Anschließend braucht man eine Agentur, die das Manuskript für einen vermittelt – hier zahlen sich Hartnäckigkeit und Geduld aus. Viel Glück (auch das braucht man)!


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Stand: 23.07.2019