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Faszination Zukunft

Christian Klueß bedient eine Herz / Lungen Maschine waehrend einer Bypass Op.
Wie kann künstliche Intelligenz die Medizin verändern? Die Zukunftsforscherin Michaela Evers-Wölk beschäftigt sich mit solchen Fragen.
Foto: Thorsten Ulonska

Berufe mit Weitblick

Faszination Zukunft

Kneipenbesuch per Flugtaxi, Roboter als Kollegen. Wie wird sie bloß, die Zukunft? Diese Frage fasziniert schon seit Menschengedenken – nicht nur Fantasten wie Jules Verne oder Douglas Adams. Es gibt viele Menschen, die rein beruflich in die Zukunft blicken. Denn die Welt von morgen spielt eine viel größere Rolle in unserem täglichen Leben als die meisten denken.

Wir schreiben das Jahr 1969. Auf Millionen von Fernsehgeräten flimmert eine neue Raumschiff-Enterprise-Folge: „Captain Kirk an Lieutenant Uhura. Hier wird’s brenzlig. Sagen Sie Scotty, er soll mich hochbeamen. Jetzt!“. Auf dem Planeten Ardana klappt Captain Kirk seinen Kommunikator zu, während Lieutenant Uhura sich ans Ohr tippt und per Headset den Befehl an Chefingenieur Scotty weitergibt. Der gibt die Koordinaten von Kirk auf dem Touchscreen ein und beamt seinen Chef aus der giftigen Zenit-Mine hoch in die Sicherheit des Raumschiffs.

Von Fiktion und Wirklichkeit

Ein Porträt-Foto von Michaela Evers-Wölk.

Michaela Evers-Wölk

Foto: privat

Szenen wie diese begeistern Michaela Evers-Wölk vom IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Die Zukunftsforscherin findet es spannend, dass Fiktion und Realität manchmal nur ein paar Jahre auseinander liegen. „Das Klapphandy, das Wireless-Headset, der Touchscreen, die GPS-Ortung, die Videotelefonie, all das haben wir heute, weil sich das die Macher von Raumschiff Enterprise in den1960er Jahren so ausgedacht haben“, lacht sie, „nur das mit dem Beamen wird wohl nie funktionieren, da stoßen wir einfach an unsere physikalischen Grenzen.“

Sie findet es ganz selbstverständlich, dass sich Erfinder, Entwickler und Tüftler von phantastischen Science-Fiction-Ideen inspirieren lassen. „Das ist ja nicht verwunderlich. Wenn sich ein Mensch so etwas ausgedacht hat, dann gibt es offensichtlich einen Wunsch, einen Bedarf an dieser Technologie“, erklärt sie. Als weiteres Beispiel nennt sie Erfindungen an der sogenannten Mensch-Maschine-Schnittstelle. „Sprachsteuerung mit Alexa, Siri und Co., Gestensteuerung, der Diagnose-Scanner vom Star-Trek-Doc Dr. Pille, all diese Dingen kennt man aus Film und Fernsehen und sie wurden Realität“, erklärt die technikaffine Zukunftsforscherin.

Zwischen Vision und Albtraum

Allerdings sei nicht alles, was technisch machbar ist, auch wünschenswert. Dies zeige die Vergangenheit. „Die Hiroshima-Bombe war eine Zäsur. Man könnte sagen, sie war die Geburtsstunde der Zukunftsforschung. Beim Anblick der grausamen Bilder begann man sich systematisch damit auseinanderzusetzen, welche zunächst nicht beabsichtigten Effekte Technologien haben können und fragte sich, wie man sie steuern und flankieren kann“, erklärt sie den Kern ihrer eigenen Disziplin. Es gehe eben nicht nur darum, in die Zukunft zu blicken und Wahrscheinlichkeiten zu prognostizieren, sondern auch darum, herauszufinden, wohin sich die Gesellschaft entwickeln möchte.

Die Zukunftsforscherin leitet derzeit eine IZT-Forschungsgruppe, die unter anderem untersucht, wie die Künstliche Intelligenz das Gesundheitssystem in Deutschland verändern wird. „Zunächst überlegen wir uns Befragungsmethoden, um herauszufinden, welche Experten seriöse Einschätzungen liefern können. Dann fragen wir deren Wissen systematisch ab und untersuchen im Anschluss, welche Personengruppen – zum Beispiel Patienten, Ärzte und Pfleger – von der technischen Entwicklung berührt werden und erfassen deren Wünsche und Bedürfnisse“, erläutert sie ihre Arbeit. Diese Daten fließen dann in Modelle für mögliche, wahrscheinliche und wünschenswerte Zukunftsszenarien ein.

Die Zukunft liegt im Trend

Aber nicht nur Zukunftsforscher wie Michaela Evers-Wölk beschäftigen sich mit der Welt von morgen. Meteorologen sagen das Wetter voraus – und wir lassen am nächsten Morgen unseren Regenschirm zuhause. Trendscouts spüren Impulse für die Mode der übernächsten Saison auf und wir kaufen in zwei Jahren nur noch T-Shirts in Pastelltönen. Innovationsmanager stoßen wirtschaftlich erfolgsversprechende Entwicklungen an und wir werden Teil des Internets der Dinge (siehe hierzu auch die Reportage „Was müssen wir heute tun, um morgen erfolgreich zu sein?“). Auch Versicherungsbeiträge basieren auf statistischen Wahrscheinlichkeiten, genauso wie neue Geschäftsmodelle und Standorte von Windparks (siehe hierzu die Berufsreportage über einen Energiemeteorologen „Wissen, wo der Wind weht“).

„Unternehmen möchten gerne wissen, welche Dienstleistungen und Produkte in den nächsten Jahren nachgefragt werden, Parteien möchten wissen, wie die nächsten Wahlen ausgehen und für Milliarden von Menschen ist es von Bedeutung, wie das Klima sich auf unserem Planeten verändert und welchen Einfluss dies auf ihre Existenz haben wird“, bringt Berufsberater Jens Homberg von der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven den Wissensbedarf auf den Punkt. Forschungseinrichtungen wie das IZT oder diverse Fraunhofer Institute aber auch Trendagenturen, Unternehmensberater und Markt- sowie Meinungsforschungsinstitute würden die Antworten liefern.

Viele Disziplinen – eine Herangehensweise

Was die meisten gemein haben ist, dass sie sich empirischer Methoden bedienen. „Natürlich kann man sich ‚Trendscout‘ nennen, wenn man meint, über einen guten Riecher für Trends zu verfügen. Doch wer sich fundiert mit der Zukunft befassen will, sollte in der Regel studiert haben. Die Richtung ergibt sich aus dem Fachgebiet, in welchem man sich mit zukünftigen Entwicklungen befassen will“, sagt Jens Homberg. Der Berater merkt aber an, dass sich auch diverse Ausbildungsberufe zum Beispiel im Bereich Medien, Marketing oder Kommunikation mit Marktentwicklungen beschäftigen.

Zunächst müsse man sich also überlegen, ob man beispielsweise als Manager, Politologe, Geophysiker oder als Ingenieur einen Blick in die Zukunft werfen möchte. „Einen hohen Stellenwert haben sicherlich auch die Sozialwissenschaften, da sich diese mit ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Aspekten befassen“, klärt er auf. Im IZT-Zukunftsforschungsteam sind nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen vertreten, auch Naturwissenschaftler, Philosophen, Kulturwissenschaftler und Pädagogen, sowie Absolventen des relativ neuen weiterführenden Masterstudiengangs „Zukunftsforschung“ an der Freien Universität Berlin (siehe hierzu auch die Reportage „Nichts ist vorherbestimmt. Alles ist möglich“).

Nur wenige spezifische Studiengänge

„Studiengänge, die sich ganz spezifisch mit Trends oder der Zukunft befassen, gibt es bislang in Deutschland nur wenige“, sagt Jens Homberg. Neben dem Masterstudiengang „Urbane Zukunft“ an der Fachhochschule Potsdam zählt er als Beispiele den Masterstudiengang Sporttourismus- und Erholungsmanagement an der Deutschen Sporthochschule in Köln mit den Schwerpunkten „Zukunftsmarkt Erlebnis und Erholung“ und „Zukunftsorientierte Angebots- und Produktentwicklung“ und das berufsbegleitende MBA-Programm „Trend- und Nachhaltigkeitsmanagement“ an der Hochschule in Nürtingen auf. Auch bieten diverse Hochschulen Innovationsmanagement als grund- beziehungsweise weiterführendes Studium an. Die private Brand Academy in Hamburg bietet den Bachelorstudiengang „Brand Management“ mit dem möglichen Schwerpunkt „Markt- und Trendforschung“ an. Bei den Angeboten privater Hochschulen müsse man allerdings mit hohen Studiengebühren rechnen.

Das Geschäft mit der Zukunft boomt, findet Michaela Evers-Wölk. „Technologien verändern sich derzeit rasant. Alle Lebensbereiche sind mittlerweile technologisch durchdrungen oder werden es bald sein. Das treibt alle um, insbesondere Wirtschaftsunternehmen“, sagt sie. „Genau diese wirtschaftliche Bedeutung spricht für einen Beruf mit Weitblick“, sagt Jens Homberg. „Die Nachfrage nach Menschen mit entsprechenden Qualifikationen wird in Zukunft sicherlich nicht schwinden – und das ist keineswegs eine gewagte Prognose.“

Angehenden Berufsprognostikern gibt er auf den Weg: „Neugierde ist wichtig und man sollte mit Zahlen und der Mathematik nicht auf Kriegsfuß stehen. In der Regel müssen große Datenmengen gewonnen und mit statistischen Methoden bearbeitet werden“, sagt er. Für noch wichtiger hält Michaela Evers-Wölk Offenheit, eine ganzheitliche Denkweise und Interesse am interdisziplinären Austausch. „Alle Risiken und alle Chancen im Blick zu haben, darum geht’s uns Zukunftsforschern.“

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten.
www.berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung

www.izt.de

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

www.isi.fraunhofer.de

Fraunhofer Institut für Windenergiesysteme (IWES)

www.iwes.fraunhofer.de

Zentrum für Windenergieforschung der Universität Oldenburg

www.forwind.de

Masterstudiengang Zukunftsforschung an der FU Berlin

http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/v/master-zukunftsforschung/

Wirtschaftsingenieurwesen auf der Hochschule Ulm

https://studium.hs-ulm.de/de/Seiten/Studiengang_WI.aspx

abi>> 11.06.2018

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