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„Historische Dunkelheit, die wir aufhellen müssen“

Junger Mann nimmt Karton mit Unterlagen aus einem Archivschrank
Unterlagen werden zukünftig nicht mehr nur in Archivkartons gelagert, sondern auch digitalisiert.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Berufe rund ums Erhalten und Bewahren – Interview

„Historische Dunkelheit, die wir aufhellen müssen“

Bereits seit einigen Jahrzehnten werden zunehmend Informationen in digitaler Form gespeichert. Was bedeutet das für die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche? Ein Interview mit Prof. Dr. Roland S. Kamzelak, Leiter Entwicklung und Stellvertretender Direktor beim Deutschen Literaturarchiv Marbach.

abi>> Professor Kamzelak, welche Herausforderungen bringt die elektronische Langzeitarchivierung mit sich?

Roland Kamzelak: Bei der Langzeitarchivierung ist die Speicherung nicht das Problem. Im Gegenteil, Speicherplatz wird immer günstiger, Speicherplatten werden immer kleiner und sogenannte RAID-Systeme sorgen für die verlustfreie Speicherung von Daten. Die wahre Herausforderung liegt im Erhalt der Verfügbarkeit von Daten. Wir bewahren Forschungsdaten ja für die Zukunft auf. Was aber, wenn in der Zwischenzeit andere Formate üblich geworden sind und andere Programme benutzt werden als die, mit denen die Daten erstellt wurden? Hier entsteht historische Dunkelheit, die wir aufhellen müssen, indem wir Daten in andere, neuere Formate überführen. Dieser Schritt nennt sich Preservation Management. Es ist ein andauernder Prozess des Beobachtens und des Entscheidens, wann und wie etwas zu transformieren ist, damit die Langzeitverfügbarkeit gesichert ist und die Forschung immer auf die Daten zugreifen kann.

abi>> Gibt es bereits praktikable Konzepte, wie digitale Bestände dauerhaft erhalten und zugänglich gemacht werden können?

Ein Porträt-Foto von Roland Kamzelak

Roland Kamzelak

Foto: privat

Roland Kamzelak: Es gibt Programme und Workflows, mit denen man dieses Preservation Management betreiben kann. Im Vergleich zum Bedarf wird es jedoch sehr wenig eingesetzt, da diese Systeme teuer sind, vor allem durch die Arbeit, die die Maschine nicht übernehmen kann: Entscheiden. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach betreibt seit vergangenem Jahr einen verlässlichen Speicher dieser Art. Nun gilt es, diesen Speicher dauerhaft trotz der kontinuierlichen Kosten zu finanzieren und zu befüllen.

abi>> Welche IT-Kenntnisse müssen Archivare heute für ihren Beruf mitbringen?

Roland Kamzelak: Im Moment ist es so, dass Archivare mit digitalen Beständen gar nicht arbeiten können. Die Daten müssen zunächst von IT-Spezialisten, sogenannten Digitalen Kuratoren, so gesichert und transformiert werden, dass Archivare an die Daten herankommen. Ist dies geschehen, ist die Arbeit fast wie gewohnt. Nur statt in manuelle Archivkästen werden die Daten in digitale „Ordner“ abgelegt.

Ob die EDV-Fähigkeiten und die archivarischen zusammenwachsen müssen, ist noch nicht ausgemacht. Fest steht aber, dass ohne wachsende IT-Kenntnisse kein moderner Beruf bestehen können wird. Auch steht fest, dass im Feld der Archive vermehrt Preservation Manager und Digitale Kuratoren gebraucht werden.

abi>> Werden Anforderungen zu IT-Kenntnissen zunehmend im Studium vermittelt oder eher „learning by doing“ im Berufsalltag?

Roland Kamzelak: Sicher beides. Im Studium stecken ja nun die Digital Natives, für die ein Leben ohne IT nicht zum Erfahrungshorizont gehört. Viele Methoden sind digital und werden im Studium auch vermittelt, besonders in neuen Fächern wie zum Beispiel Preservation Management. Am Arbeitsplatz gilt es aber dann, die spezifischen Anwendungen zu verstehen und zu erlernen.

abi>> 12.08.2019

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