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Lotsen im Dickicht der Berufsmöglichkeiten

Mann mit Brille schreibt etwas an eine Schultafel
Das Lehramtsreferendariat dient dazu, angehende Lehrer auf ihren künftigen Unterricht vorzubereiten.
Foto: Martin Rehm

So unterstützt die Berufsberatung: Hintergrund

Lotsen im Dickicht der Berufsmöglichkeiten

Was soll ich bloß werden? Die vielen Optionen, die sich nach dem Abitur bieten, erschweren die Entscheidung. Doch auch bei konkreten Plänen sind oftmals noch Fragen offen. Bei all diesen Anliegen hilft die Berufsberatung in den örtlichen Agenturen für Arbeit weiter.

Seit Mai 2016 ist Stefan Keutgen ausgebildeter Lehrer für Geschichte und Englisch an der Bischöflichen Liebfrauenschule in Eschweiler. Seine Ausbildungsschule hat ihn übernommen – wenn auch nur angestellt und befristet auf ein Jahr. Jetzt, wo er das Referendariat mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen hat, ist der 28-Jährige umso glücklicher über seine Berufswahl. Es macht ihm Spaß, Schülern etwas beizubringen.

Schnell Verantwortung übernehmen

Nach seinem Lehramtsstudium in Englisch und Geschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) und dem Ersten Staatsexamen hat er sich für das 18-monatige Referendariat – den sogenannten Vorbereitungsdienst für ein Lehramt – beworben, für den er Anwärterbezüge von rund 1.300 Euro pro Monat erhalten hat.

Ein Porträt-Foto von Stefan Keutgen

Stefan Keutgen

Foto: privat

Anfangs hospitierte er im Unterricht seiner Ausbildungslehrer: Er beobachtete wie die Kollegen den Unterricht strukturieren und machte Notizen. Ab dem zweiten von sechs Ausbildungsabschnitten gestaltete er den Unterricht, während der Lehrer zuhörte und ihm im Anschluss Feedback gab. Nach rund vier Monaten übernahm er schrittweise mehr Verantwortung: „In neun von 14 Stunden unterrichtete ich dann allein, da war kein Lehrer mehr mit dabei.“ Das ist mit großem Aufwand verbunden: Jede Stunde wird im Detail vorbereitet, vor allem die Unterrichtsbesuche, bei denen ein Prüfer den Unterricht des Referendars genau beobachtet. Ein Jahr später wiederum fokussierte sich der Referendar ganz auf seine beiden Examenskurse, in denen er unter Anleitung des Ausbildungslehrers unterrichtete.

Ein Seminartag pro Woche

Zu den vier Tagen an der Schule kam ein Tag pro Woche Seminar am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Aachen. Bei den sogenannten Kernseminaren werden die Referendare aller Fachrichtungen zusammen unterrichtet. Behandelt werden dort allgemeine pädagogische Fragestellungen. „Im Fachseminar geht es dagegen um Themen, die verschiedene Bereiche meiner Fächer abdecken, in Englisch zum Beispiel Shakespeares Macbeth als Beispiel für eine Literaturanalyse“, erzählt Stefan Keutgen.

Zehnmal besuchten die Kern- beziehungsweise Fachleiter den Unterricht der Referendare und benoteten diesen. Die Ergebnisse sowie das Gutachten der Schule machen 50 Prozent der Abschlussnote aus, über die andere Hälfte entscheidet der Prüfungstag, auf den die Referendare lange hinarbeiten. „Letztendlich war das aber auch nichts anderes als zwei Unterrichtsbesuche hintereinander“, sagt Stefan Keutgen rückblickend.

Verpflichtende oder freiwillige Programme

Ein Porträt-Foto von Annedore Bröker

Annedore Bröker

Foto: privat

Annedore Bröker kennt sich mit Berufseinstiegsprogrammen wie Referendariaten aus. Sie ist Beraterin für Hochschulabsolventen im Team Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Hamburg. „Man kann zwischen obligatorischen und freiwilligen Programmen unterscheiden. Obligatorisch sind sie für Lehramtsamtsanwärter oder für angehende Volljuristen. Diese brauchen den Vorbereitungsdienst, um in den Staatsdienst aufgenommen zu werden“, erklärt sie. Natürlich gibt es auch Absolventen, die nicht mehr weitermachen wollen. „Man muss sich aber sehr gut überlegen, ob man nach dem Jurastudium wirklich aufhört. Denn für Juristen ohne abgeschlossenes Referendariat gibt es keinen Arbeitsmarkt – die Konkurrenz ist vor allem in Ballungsgebieten auch so schon relativ groß.“ Die Beraterin empfiehlt daher, sich vorab genau die Studien- und Prüfungsordnungen anzuschauen und sich von Anfang an auf ein langes Studium mit Referendariat einzustellen: „Man braucht auf jeden Fall Durchhaltevermögen.“

Zu den freiwilligen Programmen zählt das Volontariat, der typische Einstieg in den Journalismus, die PR-Branche, Verlage und Museen. „Der Begriff Volontariat ist nicht geschützt, deshalb sollte man sich im Vorfeld genau über Inhalte, Aufbau und Bezahlung informieren“, rät Annedore Bröker. Freiwillig sind auch Traineeprogramme: „Sie sind die Einstiegsalternative im eher wirtschaftswissenschaftlichen Bereich.“ Auch der Ablauf eines Traineeships ist nicht offiziell geregelt. Hier empfiehlt die Beraterin ebenso genau zu prüfen, was angeboten wird, wie die Bezahlung aussieht, ob es einen Mentor gibt und wie viel Verantwortung man übernimmt. Bei manchen Unternehmen ist ein Direkteinstieg gar nicht vorgesehen. „Wenn ein großes Unternehmen seinen Nachwuchs über Traineeprogramme rekrutiert, gibt es keine Alternative. Wem solch eine Ausbildung nicht liegt, sollte dann lieber bei einem kleineren Unternehmen anfangen und später versuchen zu wechseln.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort z. B. Journalist/in, Jurist/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

Studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Deutscher Bildungsserver

Informationen und Links zu Referendariaten in allen Bundesländern

www.bildungsserver.de/Vorbereitungsdienst-Referendariat-2521.html

Juristenkoffer

Informationen zum Rechtsreferendariat in allen Bundesländern

www.juristenkoffer.de

Deutscher Journalisten-Verband

Informationen zum Volontariat in Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit

www.djv.de/startseite/info/themen-wissen/aus-und-weiterbildung/volontariat.html

Traineegeflüster

Stellen und Informationen zu Traineeprogrammen:

www.trainee-gefluester.de

abi>> 10.10.2016

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