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Mehrwert oder nicht?

Vier Studenten laufen aus einem Hochschulegebäude der HS Ansbach.
Berufseinstiegsprogramm oder lieber Direkteinstieg? abi>> hat Studierende befragt, was sie von Trainee, Volontariat und Co. halten.
Foto: Katharina Kemme

Berufseinstiegsprogramme: Umfrage

Mehrwert oder nicht?

Was denken Studierende über Berufseinstiegsprogramme? Halten sie diese für eine gute Möglichkeit, sich zu orientieren, oder für eine unnötige Verlängerung der Ausbildung?

Janis Beenen (19), studiert im dritten Semester im Bachelorstudiengang Wirtschaftspolitischer Journalismus an der Technischen Universität (TU) Dortmund:

Ein Porträt-Foto von Janis Beenen

Janis Beenen

Foto: privat

„Im Journalismus ist ein Volontariat eine gute Möglichkeit, den Beruf zu professionalisieren. Ich denke, so ein Einstiegsprogramm ist generell sinnvoll, um sich in einem Berufsfeld zu orientieren. In meinem Freundeskreis können sich viele nicht vorstellen, warum ein Volontariat notwendig ist. Aber mancher würde sich wünschen, Theorie und Praxis enger zu verknüpfen. Ich selbst habe mich bewusst für das Journalistik-Studium in Dortmund entschieden, weil hier bereits ein einjähriges Volontariat integriert ist – sonst ein gutes Volontariat zu bekommen ist ja gar nicht so leicht. Die Uni arbeitet mit vernünftigen Medienpartnern zusammen, die die Volontäre anleiten und sie in Seminaren ausbilden. Ich würde mein Volontariat am liebsten bei der Süddeutschen Zeitung machen. Das wäre auch mein späterer Wunscharbeitgeber. Ich denke, dass es die Einstiegschancen bei einem Medienhaus erhöht, wenn man dort während des Volontariats bereits gute Arbeit geleistet und Kontakte geknüpft hat.“

Tobias Ehret (21), studiert im sechsten Semester im Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:

Ein Porträt-Foto von Tobias Ehret

Tobias Ehret

Foto: privat

„Generell halte ich Berufseinstiegsprogramme für eine gute Sache, weil man im Studium ja meist nur die Theorie lernt. Für mich wäre ein Traineeprogramm interessant. Solch einen langsamen Einstieg finde ich hilfreich, weil man tiefere Einblicke in ein Unternehmen erhält. Außerdem kann man nach dem Studium ja nicht gleich voll mitarbeiten – ich habe gerade ein halbes Jahr Praktikum gemacht, da habe ich gemerkt, dass man schon Zeit braucht, um die Abläufe zu verinnerlichen. Ich finde es auch ok, wenn man im Traineeprogramm zunächst weniger verdient. Mir ist eher wichtig, möglichst hoch im Unternehmen aufzusteigen. Damit verbunden wäre dann ja auch ein höheres Gehalt. Nach konkreten Stellen schaue ich aber noch nicht, bei mir steht im nächsten Jahr erst der Bachelorabschluss an. Danach würde ich gerne einen berufsbegleitenden Master machen und bei einem größeren Unternehmen anfangen.“

Eva Orttenburger (21), studiert im siebten Semester im Bachelorstudiengang Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach:

Ein Porträt-Foto von Eva Ottenburger

Eva Orttenburger

Foto: privat

„Ich bin generell kein Freund von langen Ausbildungswegen. Ich denke, dass man jungen Menschen den Direkteinstieg ermöglichen sollte, vielleicht auch zunächst mit befristeten Verträgen. Referendariate und Rechtsreferendariate von rund eineinhalb Jahren halte ich allerdings für sinnvoll. Bei solchen Berufen steht und fällt es mit der Praxis. Im Journalismus finde ich es schade, dass man in der Regel nur mit Volontariat einsteigen kann. Ich habe bewusst ein sehr praxisorientiertes Journalismus-Studium gewählt, um gleich nach dem Abschluss arbeiten zu können. Wir schreiben ab dem ersten Semester Texte, drehen Filme, machen Fotoprojekte. Außerdem haben wir viele Praktika und ein Praxissemester – ich habe es in der Online-Redaktion der Nürnberger Nachrichten gemacht, wo ich seitdem freie Mitarbeiterin bin. Viele Dinge, die ich im Volo sehen und machen würde, habe ich also schon gemacht, ich sehe da keinen Mehrwert. Ausnahme sind vielleicht Volontariate bei großen Rundfunksendern. Ein Master und ein anschließendes Volontariat würde bei mir die Ausbildungszeit sehr verlängern. Ich möchte aber schnell fertig werden und mit Mitte 20 ins Berufsleben starten.“

Marcel Meister (21), studiert im sechsten Semester im Bachelorstudiengang Maschinenbau an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:

Ein Porträt-Foto von Marcel Meister

Marcel Meister

Foto: privat

„Ich bin überzeugt: Praxiserfahrung schadet generell nie. Wenn man Lehrer oder Anwalt werden will, macht ein Einstiegsprogramm schon Sinn. Da lernt man auch fachliche Kompetenzen und erwirbt Soft Skills. Ich hatte selbst überlegt, auf Lehramt zu studieren. Als ich realisiert habe, dass man erst mit circa 30 Jahren in den Beruf startet und der Arbeitsalltag nicht ganz meinen Vorstellungen entspricht, kam ich davon allerdings wieder ab. Von Traineeprogrammen habe ich schon gehört und finde sie prinzipiell nicht schlecht, je nachdem, wie die anschließende Übernahme geregelt ist. Ich selbst will erst noch meinen Master machen und dann möglichst den Direkteinstieg schaffen. Ich habe vor, einen Job zu finden, der mir gefällt, der zu meinen Qualifikationen passt und den ich möglichst lange machen will. Wenn man länger in einer Firma ist, erlangt man die wichtigen Kenntnisse auch nach und nach im Arbeitsalltag.“

abi>> 10.10.2016

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