Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Nur digital reicht nicht

Blick auf einen Laptop, ein Buch und eine Tasse kaffee, die auf einem Tisch stehen.
Daheim buhlt nicht nur der Arbeits-Laptop um die ungeteilte Aufmerksamkeit. Wer sich leicht ablenken lässt, ist vielleicht in einem Gemeinschaftsbüro gut aufgehoben.
Foto: Julien Fertl

Coworking Space

Nur digital reicht nicht

Um Familie und Job besser verbinden zu können, hat sich der Multimedia-Designer Riccardo Flemming (39) selbstständig gemacht. Seine Arbeit erledigt er nun zu selbstbestimmten Zeiten von zu Hause aus oder im sogenannten Coworking Space, einem Gemeinschaftsbüro. Trotz aller Flexibilität – die besten Ideen hat er immer dann, wenn er Menschen persönlich trifft.

Nach anderthalb Jahren Elternzeit war Riccardo Flemming klar, dass es mit seinem Vollzeit-Job in einer Leipziger Werbeagentur schwierig werden würde, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen. Um zeitlich unabhängiger zu sein und schneller auf die familiären Bedürfnisse reagieren zu können, hat er sich selbstständig gemacht. Heute arbeitet er hauptsächlich im Home-Office und fährt zweimal in der Woche in ein Gemeinschaftsbüro nach Leipzig, wo er sich ein Büro mit einer Design- und Kreativagentur teilt. Dafür hat er bewusst feste Tage eingeplant. „Wenn man nur zu Hause arbeitet, läuft man Gefahr sich abzuschotten und nichts mehr mitzubekommen. Im Studio habe ich viel Kontakt zu anderen Kreativen, daraus sind auch schon einige Projekte entstanden“, sagt der gelernte Mediendesigner für Digital- und Printmedien, der nach einigen Jahren Berufspraxis Multimedia Design studiert hat.

Sein Steckenpferd sind unter anderem Websites und Apps, die er im Auftrag von kleinen und mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen sowie von Künstlern und kulturellen Einrichtungen konzipiert, designt und programmiert. Thematisch sei er aber nicht festgelegt: „Das ist ja das Schöne an meiner Arbeit, ich bekomme Einblicke in viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche“, sagt er.

Freie Zeiteinteilung – eine große Kunst

Ein Porträt-Foto von Riccardo Flemming

Riccardo Flemming

Foto: Sylvia Rohr

Eine neue Homepage mit der Ansage „Mach einfach mal!“ gibt es bei Riccardo Flemming allerdings nicht. Erfahrungsgemäß hätten die Kunden häufig dann doch andere Vorstellungen. „Ich möchte die Menschen immer persönlich kennenlernen. Nur so bekomme ich einen authentischen Eindruck davon, was die Person oder die Geschäftsidee besonders macht. Das kann ich dann beim Entwickeln eines Logos, Webauftritts oder einer Geschäftsausstattung widerspiegeln“, sagt der Multimedia-Designer. Heute bestimmt er selbst darüber, wann er welche Projekte bearbeitet: „Früher musste ich oft auf Anhieb kreativ sein. Es kommt aber nicht immer gleich ein zündender Funke, in solchen Momenten kann ich jetzt erst mal etwas anderes machen.“

Sich seine Zeit frei einteilen zu können, sei aber auch eine Herausforderung. Gerade wenn es darum geht, mehrere Aufträge zeitlich aufeinander abzustimmen, ist gutes Projektmanagement gefragt. „Diesen Part hat früher die Agentur geregelt, als Freiberufler übernehme ich das natürlich mit“, sagt er. Abend- und Nachtschichten sind dabei keine Seltenheit, etwa wenn sein dreijähriger Sohn mal krank ist, so dass tagsüber wenig Zeit zum Arbeiten bleibt. „Wenn ich auch am Wochenende gearbeitet habe, achte ich aber darauf, mir dafür ein anderes komplett frei zu nehmen, um Zeit für meine Familie zu haben. Wer immer nur arbeitet, macht sich kaputt“, ist er überzeugt.

Flexibel und verbindlich – ein Widerspruch?

Künftig kann sich Riccardo Flemming gut vorstellen, mehr im Coworking-Studio und weniger zu Hause zu arbeiten – aber erst wenn sein Sohn etwas älter und selbstständiger ist. Auch wenn sich in seinem Job fast alles digital erledigen ließe, spiele der Arbeitsort schon eine große Rolle. Ohne das Zwischenmenschliche könne er eben auf Dauer nicht kreativ sein, meint der 39-Jährige. Ob er sich vorstellen kann, später auch mal wieder angestellt zu arbeiten? „Ich will mich gar nicht festlegen, das entspricht mir nicht. Gerade im digitalen Bereich ändert sich vieles sehr schnell, man muss mit dem Strom schwimmen und das dann auch abhängig von der Lebenssituation entscheiden. Jetzt ist die Selbstständigkeit genau das Richtige für mich“, sagt er.

abi>> 13.06.2016

weitere beiträge

andere beiträge der rubrik