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Mit Liebe und Herzblut

Eine junge Frau arbeitet in der Werkstatt einer Buchbinderei an einer Buch-Presse.
Im Ausbildungsberuf Buchbinder können Azubis ihre künstlerische Ader ausleben.
Foto: Frank Pieth

Das Hobby zum Beruf gemacht – Hintergrund

Mit Liebe und Herzblut

Wer sein Hobby zum Beruf macht, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Er beschäftigt sich täglich mit Dingen, die ihm wirklich Freude bereiten, und verdient auch noch seinen Lebensunterhalt. Und dafür muss man nicht unbedingt das Talent eines Profifußballers haben. Es gibt viele Wege, wie man die eigenen Interessen in einen Beruf „umwandeln“ kann.

Anna Lorenz (26) war schon immer ein kreativer Typ. Seit sie einen Buntstift halten konnte, hat sie gemalt, später gebastelt, genäht und gestrickt. Dieses künstlerische Interesse kann sie nun auch in ihrer Ausbildung zur Buchbinderin ausleben. In der Universitätsbuchbinderei Fritz Castagne in Kiel lernt sie, wie man Einzel- und Sonderanfertigungen von Büchern herstellt. „Wenn jemand seine Bachelorarbeit binden oder ein altes, geliebtes Kochbuch reparieren lassen möchte, kommt er zu uns“, erklärt die Auszubildende im ersten Lehrjahr. Sie macht sich dann Gedanken über das Buchformat, die Papiersorte, die Art der Bindung oder mögliche Schmuck-Applikationen. Auch die Herstellung von Schachteln und Fotoalben gehört zu ihren Aufgaben. Die kreative Arbeit rund ums Papier begeistert sie.

Ein Porträt-Foto von Anna Lorenz

Anna Lorenz

Foto: privat

Dabei begann Anna Lorenz’ beruflicher Weg zunächst ganz anders. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ihre Eltern arbeiteten ebenfalls als Pfleger im Krankenhaus. „Das war etwas Vertrautes für mich“, erinnert sie sich. Sie merkte jedoch schnell, dass ihr die Tätigkeiten nicht lagen. Ein Zeitungsartikel über eine Buchbinderin hat sie schließlich dazu inspiriert, die Richtung zu wechseln. „Ich habe mir gedacht: Jetzt machst du das, was dir wirklich gefällt!“

Konstante Leistung bringen

Solche Fälle erlebt Nicole Fleischmann, Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit im thüringischen Suhl, immer wieder: „Der Grund, weshalb Jugendliche eine Ausbildung oder ein Studium abbrechen, ist weniger fehlende Leistung, sondern fast immer die falsche Berufswahl.“ Dass man seine Meinung ändert, kommt gar nicht so selten vor: Aktuelle Zahlen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung belegen, dass deutschlandweit rund ein Viertel der Ausbildungen vorzeitig aufgelöst werden und 29 Prozent der Studierenden das Studium abbrechen. Warum also nicht vorbeugen – und einfach das Hobby zum Beruf machen?

Die Vorteile liegen auf der Hand, weiß die Expertin: „Wenn man beruflich etwas macht, für das man wirklich brennt, wird die Arbeit überwiegend als erfüllend und kurzweilig empfunden. Der Beruf entspricht dann häufig den eigenen Stärken und Talenten. Dadurch ist man automatisch gut in seiner Tätigkeit.“ Kann man sich in seinem Beruf selbstverwirklichen, hat das zudem positive Auswirkungen auf die weitere Entwicklung – beruflich wie persönlich.“

Ein weiterer Pluspunkt: „Man hat mehr Durchhaltevermögen und überwindet leichter Blockaden.“ Wichtig ist das beispielsweise bei künstlerischen Berufen, etwa im Handwerk oder Design. Schließlich hat man nicht immer auf Knopfdruck kreative Ideen und muss unter Umständen mit relativ wenig Geld zurechtkommen.

Die Sache scheint also klar. Nicole Fleischmann gibt jedoch zu bedenken: „Ist mein Hobby auch mein Beruf, dann dient es nicht mehr nur meiner gelegentlichen Entspannung. Sobald ich Geld dafür bekomme, muss ich konstant eine Leistung bringen!“ Unter Umständen muss man sich für den Freizeitausgleich ein neues Hobby suchen. Zudem arbeitet man nicht mehr komplett selbstbestimmt, sondern muss sich nach Kundenwünschen und betrieblichen Bedingungen richten.

Soft Skills nutzen

Ein Porträt-Foto von Nicole Fleischmann

Nicole Fleischmann

Foto: privat

Die Berufsberaterin rät außerdem, über den Tellerrand zu blicken. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn man zwar eine große Leidenschaft hat, nicht aber das erforderliche Talent mitbringt: „Für Musikinteressierte ist eventuell auch der Bereich Tontechnik interessant. Und künstlerisch veranlagte Menschen fühlen sich vielleicht in der Architektur gut aufgehoben.“

Neben diesen Überlegungen kann es hilfreich sein, das Hobby zu „zerlegen“ und sich zu fragen: Was genau macht mir daran am meisten Freude? Mache ich beispielsweise Sport vor allem wegen des Gesundheitsaspektes? Dann liegt es mir möglicherweise auch, als Physiotherapeut bewegungseingeschränkten Patienten zu helfen. Oder gefällt es mir, im Team die Mitspieler zu motivieren? Dann könnten sich die Berufe Sportlehrer oder Fitnessfachwirt eignen. Welche Berufe zu welchen Tätigkeiten passen, kann man zum Beispiel im BERUFENET recherchieren.

Ein zusätzlicher Ansatzpunkt für die Suche nach Berufen sind persönliche Stärken, etwa Kommunikationsfähigkeit oder Eigeninitiative. Diese Soft Skills können sich auf verschiedene Weisen zeigen. Kreativität etwa schlägt sich nicht nur im handwerklichen sondern auch im organisatorischen Bereich nieder. So erlebt das auch Anna Lorenz in der Buchbinderei: „Ich bin nicht nur mit den Händen kreativ, sondern auch bei meinen Lösungsvorschlägen für die Kunden.“ Nimmt man alle Interessen und Stärken zusammen, ergeben sich meist Überschneidungen mit verschiedenen Berufen. Um sich nun zu orientieren, ist eine persönliche Berufsberatung in einer örtlichen Agentur für Arbeit besonders empfehlenswert.

„Ein Plan B muss sein!“

Im zweiten Schritt ist es wichtig, die Berufe in der engeren Auswahl unter die Lupe zu nehmen. Jetzt heißt es, Ausbildungswege zu finden, Zugangsvoraussetzungen zu prüfen, Modulkataloge von Studiengängen zu sichten oder Praktika zu machen. So bekommt man ein realistisches Bild von der Tätigkeit. „Ein Architekt etwa verbringt seine Zeit nicht nur mit künstlerischen Entwürfen“, erklärt Nicole Fleischmann. „Er muss sich auch in Physik auskennen und mit den Mitarbeitern auf der Baustelle umgehen können.“

Bei der Recherche ist es ratsam, sich zusätzlich nach Alternativen umzusehen. „Ein Plan B muss sein“, betont die Berufsberaterin. Denn die Aufnahmehürden für Studiengänge wie Sport oder Kunst sind hoch. Und wenn es nicht gleich klappt, das Hobby beruflich umzusetzen, sollte man sich nicht entmutigen lassen. „Ich kann ja auch erst eine bodenständige Ausbildung machen und dann mit Weiterbildungen die gewünschte Richtung einschlagen“, gibt Nicole Fleischmann als Tipp. Zudem kann man sich mit einiger Berufserfahrung in der Tasche selbständig machen – vielleicht zuerst nebenberuflich, später komplett.

Die angehende Buchbinderin Anna Lorenz ist nicht direkt in ihrem Traumberuf gelandet, weil sie zunächst gezögert hatte, ihre eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Deswegen rät sie: „Man sollte mehr auf sich hören und dann nach dem aktuellen Motto der Handwerkskammer handeln: Einfach machen!“

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

Hier findest du unter anderem Infos zur Berufsberatung und über die Berufsinformationszentren in deiner Nähe.
www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Studium-Interessentest (SIT)

Der kostenlose Test ist ein gemeinsames Angebot der Hochschulrektorenkonferenz und von ZEIT Online.
www.hochschulkompass.de/studium-interessentest.html

Berufswahlpass

Der Berufswahlpass hilft dir dabei, deine eigenen Stärken zu entdecken.
www.berufswahlpass.de/

BERUFE Entdecker

Der BERUFE Entdecker ermöglicht Schülern, sich auf dem Smartphone oder am PC in wenigen Schritten aus hunderten Ausbildungsberufen ihre Favoritenliste zusammenzustellen.
www.entdecker.biz-medien.de

abi>> 05.06.2017

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