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„Gehaltsgespräche sind Verhandlungen“

Eine junge Frau im Bewerbungsgespräch
In einem Vorstellungsgespäch sollte die Fragen nach dem Gehalt grundsätzlich erst am Ende gestellt werden.
Foto: Martin Rehm

Einstiegsgehälter von Akademikern

„Gehaltsgespräche sind Verhandlungen“

abi» sprach mit Branko Woischwill, Autor verschiedener Berufsratgeber und Mitarbeiter des Karriereberatungsunternehmen Hesse/Schrader über die Bedeutung der Bezahlung im ersten Job, darüber, wie man seinen Marktwert ermittelt und die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch angeht.

abi>> Wie wichtig ist das Thema Gehalt beim ersten Job?

Branko Woischwill: Gerade beim Berufseinstieg empfehle ich, nicht nur über das Gehalt nachzudenken, sondern lieber mittel- und langfristig zu planen: Manchmal kann es auch sinnvoll sein, für die Karriere in ein Unternehmen einzusteigen, das nicht soviel Geld zahlt – aber wo ein Absolvent gute Grundlagen für seine berufliche Entwicklung legen kann. Auch eine Firma, die eine gute Work-Life-Balance bietet, kann besser sein als ein höheres Gehalt in einem Unternehmen, das sehr viel von seinen Mitarbeitern fordert.

abi>> Wie finden Bewerber ihren reellen Marktwert heraus?

Ein Porträt-Foto von Branko Woischwill

Branko Woischwill

Foto: Privat

Branko Woischwill: Im Internet gibt es kostenlose und kostenpflichtige Gehaltslisten aus den verschiedensten Branchen. Die zweite Möglichkeit ist, ein Gutachten in Auftrag zu geben: Ein Dienstleister ermittelt für rund 25 Euro einen persönlichen Marktwert für den Bewerber. Drittens empfehle ich, mit Leuten zu sprechen, die in dem Bereich arbeiten, in dem man Fuß fassen will, und die einen ähnlichen Ausbildungsweg absolviert haben. Wer noch niemanden in seiner zukünftigen Branche kennt, kann sich in Karriere-Online-Netzwerken umsehen und nach passenden Leuten suchen.

abi>> Wie sollten sich Bewerber verhalten, wenn in einer Stellenanzeige eine Gehaltsvorstellung gefordert wird?

Branko Woischwill: Ich würde in solch einem Fall mit einer Bandbreite arbeiten, zum Beispiel 32.000 bis 35.000 Euro. Dabei sprechen wir immer vom Jahresbruttogehalt. Über Details kann man dann im Vorstellungsgespräch reden.

abi>> Wer sollte dort das Thema Gehalt ansprechen – und wann?

Branko Woischwill: Falls der Personaler das Thema nicht aufgreift, sollte der Bewerber die Initiative ergreifen, bevor er ohne Gehaltsinformationen nach Hause geht. Grundsätzlich gilt: Über das Gehalt spricht man immer erst am Schluss eines Vorstellungsgesprächs, nachdem sich beide Seiten präsentiert haben. Wenn der Personaler den Bewerber dann nach seinem Gehaltswunsch fragt, kann dieser den Ball zurückspielen und die Gegenfrage stellen: „Was wären denn Ihre Vorstellungen?“ Lässt der Personaler sich nicht darauf ein, sollte der Bewerber seine Bandbreite nennen – ansonsten wird das Gespräch zum unerfreulichen Ping-Pong-Spiel.

abi>> Was ist denn die bessere Variante: selber eine Summe angeben oder das Unternehmen eine Gehaltshöhe nennen lassen?

Branko Woischwill: Man darf nicht vergessen: Die Diskussion über das Gehalt ist immer eine Verhandlung. Wenn jeder seine Forderungen nennt, kann man diese mit Argumenten wie Praxiserfahrung, Spezialwissen oder Auslandserfahrung untermauern, um sich am Ende auf eine Zahl zu einigen. Wer besondere Qualifikationen mitbringt, kann auch eine angemessene Bezahlung erwarten.

abi>> Und wenn sich das Angebot überhaupt nicht mit den Erwartungen des Bewerbers deckt?

Branko Woischwill: Dann kann der Absolvent fragen, ob nach einem halben oder einem Jahr die Möglichkeit besteht, noch einmal neu zu verhandeln. Oder man spricht über Zusatzleistungen wie Jobticket, Zuschuss zum Mittagessen oder Seminare für die persönliche Weiterentwicklung, die über das Einstiegsprogramm hinausgehen. Letztlich muss jeder Bewerber entscheiden, ob das, was die Firma ihm bietet, auch zu seinen Vorstellungen passt – und zwar nicht nur im finanziellen Sinne.

abi>> 27.11.2015

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