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Was kann ich nach meinem Studium verdienen?

Ein junger Mann lässt das Kleingeld aus seinem Geldbeutel auf einen Tisch fallen.
Wie hoch das Gehalt im Beruf sein wird, ist schwer vorauszusagen. Trotzdem ist es gut, sich im Vorfeld über seine Aussichten zu informieren.
Foto: Julien Fertl

Einstiegsgehälter für Akademiker

Was kann ich nach meinem Studium verdienen?

Wie viel ich nach dem Studium als Berufseinsteiger und im Laufe der Karriere verdiene, hängt von einer Fülle persönlicher und übergeordneter Faktoren ab. Was kann ich im Vorstellungsgespräch verlangen? Wie finde ich heraus, was andere in meiner Position verdienen? abi>> gibt einen Überblick.

Jan hat sein Abi in der Tasche. Noch hat er sich nicht für ein Studium oder einen Beruf entschieden. Mit seinem Notendurchschnitt von 1,0 stehen ihm alle Türen offen. Interessen hat er viele und er kann sich gut in neue Themen einarbeiten. Also möchte er wissen, wo er später besonders viel verdienen kann – und zwar von Anfang an. Er recherchiert im Internet und erfährt, dass die Gehaltsschere weit auseinandergeht. Nach einem Medizin-, Jura- oder ingenieurwissenschaftlichem Studium verdient man zum Beispiel schon als Berufseinsteiger vergleichsweise gut, nach einem sozial- oder geisteswissenschaftlichen Studium weniger. Doch je weiter sich Jan mit dem Thema beschäftigt, umso deutlicher wird ihm: Wie hoch mein Gehalt sein wird, ist schwer vorherzusagen.

Standort, Unternehmensgröße, Qualifikation

Ein Porträt-Foto von Ute Leber

Dr. Ute Leber

Foto: privat

„Es gibt eine Fülle an Faktoren, die sich auf das Gehalt auswirken“, sagt Dr. Ute Leber, Mitarbeiterin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Unter anderem spielt die Unternehmensgröße eine Rolle: Konzerne können in der Regel mehr zahlen als kleine Firmen. Ebenso relevant kann der Standort sein: In Westdeutschland etwa sind die Löhne tendenziell höher als im Osten. „Dort gibt es mehr tarifgebundene Unternehmen“, begründet Ute Leber. Beispielsweise sind in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, im Baugewerbe sowie in der Energieversorgung viele Unternehmen an Tarifvereinbarungen gebunden. In den meisten Fällen geht damit eine höhere Entlohnung einher. Im öffentlichen Dienst gilt ebenfalls eine Entgelttabelle. Ebenso spielt die Region beim Einkommen eine Rolle: „In einer Großstadt verdient man meist mehr als auf dem Land“, erläutert Ute Leber – zu bedenken sei aber, dass die Lebenshaltungskosten entsprechend höher sein können.

Ein weiterer Faktor, der das Einstiegsgehalt beeinflussen kann, sind Zusatzqualifikationen: Wurden Praktika absolviert oder Spezialwissen erworben? Gab es einen Auslandsaufenthalt? Wenn man sich im Unternehmen in seinem Bereich bewiesen hat, verliere das Studienfach meist mit der Zeit an Bedeutung, weiß Ute Leber. Anders verhält es sich beim Abschluss: „Masterabsolventen haben Einkommensvorteile, die mit zunehmender Berufserfahrung noch größer werden, ihnen sind zudem oft Führungspositionen vorbehalten.“

Gehaltsstudien für erste Orientierung

Gehaltsstudien seien laut der Expertin für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung generell mit Vorsicht zu lesen, schon allein, weil sie Mittelwerte angeben. Bei Berechnungen, die auf Umfragen basieren, sei außerdem zu bedenken, dass viele Menschen über die Höhe ihres Einkommens ungern Auskunft geben. „Menschen mit einem höheren Gehalt sind dazu eher bereit – das kann aber die Aussage einer Studie verzerren.“ Auf amtlichen Daten beruht der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, der über das Gehalt sozialversicherungspflichtig Beschäftigter Auskunft gibt. Über Tarifverdienste informiert das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung.

Für eine erste Orientierung können Gehaltsstudien und Umfragen dennoch sinnvoll sein. Zum Beispiel kann man daraus lesen, dass etwa die Einkommensschere zwischen Geisteswissenschaftlern und Juristen weit auseinandergeht. Bei vielen Studien zeigt sich, dass Berufseinsteiger im Bankensektor, in der Pharmaindustrie und in der Autoindustrie am meisten verdienen. Hohe Einstiegsgehälter winken außerdem Absolventen des Wirtschaftsingenieurwesens.

Prognosen schwer zu treffen

Und was bringt die Zukunft? Prognosen seien schwer zu treffen, da die Gehaltsentwicklung von zahlreichen Faktoren abhänge, merkt Ute Leber an. Die Konjunktur wirkt sich auf den Markt einzelner Branchen und damit auf die Unternehmen aus.

Michael Hümmer, Berufsberater der Agentur für Arbeit Fürth, betont, dass das Gehalt immer als Paket zu sehen sei: „Man sollte sich nicht auf das Bruttogehalt einschießen.“ Denn zum Einkommen gehören ebenfalls Aspekte wie Arbeitszeit, Urlaubsanspruch, Prämien, Weihnachtsgeld, der Umgang mit Überstunden und die Frage nach Zusatzleistungen – vom Firmenwagen bis zur betrieblichen Altersvorsorge. Er rät außerdem, die Studienwahl nicht allein vom Gehalt abhängig zu machen: „Ich verbringe sehr viel Zeit in meinem Beruf. Da sollte ich etwas wählen, das mich interessiert und mir Freude macht.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
https://berufenet.arbeitsagentur.de

Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit

Mithilfe der Anwendung können Interessierte recherchieren, wie viel man in verschiedenen Berufen verdient und die Ergebnisse regional vergleichen.
https://entgeltatlas.arbeitsagentur.de

WSI-Tarifarchiv

Das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung ist die zentrale tarifpolitische Dokumentationsstelle der DGB-Gewerkschaften. www.boeckler.de/index_wsi_tarifarchiv.htm

Lohnspiegel

Der Lohnspiegel wird vom Wirtschaft- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung herausgegeben und bietet Informationen zu den tatsächlich gezahlten Löhnen und Gehältern in über 400 Berufen und Tätigkeiten.
www.lohnspiegel.de

Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)

Das unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut erforscht konjunkturelle Phänomene auf der Basis gesamtwirtschaftlicher Modellzusammenhänge. Es ist Teil der Hans-Böckler-Stiftung.
www.boeckler.de/index_imk.htm

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit zu Perspektiven für Beruf und Arbeitsmarkt; Publikationen zum Arbeitsmarkt allgemein
www.iab.de

abi>> 21.09.2018

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