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Wissen, wo der Wind weht

Ein junger Mann spiegelt sich im Solarpanel.
Wie wird das Windaufkommen in der fernen Zukunft sein? Wo können besonders Windkraftanlagen gebaut werden? Energiemeteorologen gehen dieser Frage nach.
Foto: Axel Jusseit

Energiemeteorologe

Wissen, wo der Wind weht

Deutschland arbeitet derzeit verstärkt an der Energiewende. Statt Kohle und Atomkraft sollen zukünftig Sonne, Wind und andere erneuerbare Ressourcen den Strombedarf decken. Doch wo weht ausreichend Wind? Wo scheint die Sonne am häufigsten? Energiemeteorologen wie Dr. Martin Dörenkämper (31) treffen Vorhersagen darüber, wo es sinnvoll ist Windparks, Photovoltaikanlagen und Co. zu installieren.

Wir Energiemeteorologen schließen die Lücke zwischen den Meteorologen und den Klimaforschern“, erklärt Dr. Martin Dörenkämper. „Während die Meteorologen kurzfristige Wettervorhersagen machen und die Klimaforscher sehr weit in die Zukunft blicken, treffen wir Aussagen für einen Zeithorizont von 20 bis 30 Jahren.“ Der 31-Jährige arbeitet am Fraunhofer Institut für Windenergiesysteme (IWES) in Oldenburg. Sein Spezialgebiet ist die Analyse und Berechnung des zukünftigen Windaufkommens auf hoher See.

„Fraunhofer Institute betreiben anwendungsnahe Forschung und greifen konkrete Aufgabenstellungen der Industrie auf. Meine Prognosen müssen die gesamte Lebensdauer eines Offshore-Windparks abdecken, denn Betreiber und Investoren möchten wissen, ob sich eine Anlage an Ort und Stelle für sie wirtschaftlich lohnt“, sagt er. Genau das findet er besonders reizvoll. „Ich bin ganz nah dran an der Umsetzung. Ich kann erleben, ob meine Prognosen tatsächlich so eintreten. Das finde ich sehr spannend“, sagt der Energiemeteorologe.

Die meiste Zeit am Rechner

Ein Porträt-Foto von Dr. Martin Dörenkämper.

Dr. Martin Dörenkämper

Foto: privat

Die Kraft des Offshore-Winds auf der eigenen Haut bekommt Martin Dörenkämper allerdings äußerst selten zu spüren. Die meiste Arbeitszeit verbringt er am Computer. „Ich habe schon einmal bei einer Besichtigung an einem zukünftigen Standort von Windenergieanlagen gestanden, ja. Das kommt aber sehr selten vor. Man kann sagen, ich sitze fast ausschließlich am Rechner. Ich entwickle Simulationsprogramme, passe sie an konkrete Anwendungsfälle an und führe Berechnungen durch“, schildert er den Kern seines Arbeitsalltags. Die riesigen Datensätze, die er für seine Berechnungen benötigt, etwa zum historischen Windvorkommen vor Ort oder zu weiteren relevanten physikalischen Parametern stellen ihm die Meteorologen von Wetterdiensten zur Verfügung. „Messungen führe ich selber keine durch. Meine Aufgabe ist es aber, zu verstehen und zu analysieren, welche Daten und Parameter für meine Prognose wichtig sein könnten“, erklärt er.

Große Freiheit bei der Arbeitsgestaltung

Neben den Vorhersagen für die Industrie arbeitet Martin Dörenkämper auch an größeren Forschungsprojekten mit. Derzeit erstellt er mit Kollegen aus ganz Europa einen umfassenden Neuen Europäischen Windatlas (NEWA). „Diese Mischung finde ich gut: Auf der einen Seite das große Ganze, der Austausch mit Kollegen rund um den Globus. Auf der anderen Seite, die konkreten industriellen Aufträge“, sagt er. Bei der Gestaltung seiner Arbeitszeit ist der Energiemeteorologe weitgehend frei. „Klar, mein Chef teilt mir die Aufgaben zu und ich muss Projektpläne und Absprachen beachten, aber ansonsten bin ich flexibel“, sagt der 31-Jährige, der seinen Beruf liebt – auch wenn er sich seinen Arbeitsalltag ursprünglich ganz anders vorgestellt hatte.

„Viel draußen sein, die Wolken beobachten, die Naturgewalten spüren, den Wind in den Haaren, die Sonne auf der Haut. Sowas hatten viele Kommilitonen im Hinterkopf“, erinnert sich Martin Dörenkämper an den Beginn seines Studiums der Meteorologie in Hamburg. „Mir war aber schnell klar, dass das nur ein ganz kleiner Teil sein wird. Denn bald ging es fast ausschließlich um Physik, Mathe und ums Programmieren“, sagt er und schiebt nach: „Man sollte in jedem Fall Verständnis für physikalische Phänomene, Interesse an Mathe, Geographie und keine Angst vor Computern haben.“

Studium der Meteorologie

Nach dem Bachelor schloss Martin Dörenkämper einen Master in Meteorologie an, ebenfalls in Hamburg. „Im Master hatte ich mich bereits auf die Windenergie spezialisiert. Energiemeteorologie speziell konnte man und kann man auch heute noch nicht in Deutschland studieren“, erklärt der Wissenschaftler, der im Master auch ein halbes Jahr in Oklahoma war. Für seine Doktorarbeit wechselte er dann 2011 ans Zentrum für Windenergieforschung (ForWind) an der Universität Oldenburg. Seit zwei Jahren arbeitet er nun beim Fraunhofer IWES.

„Ich fühle mich wohl hier, schätze die Arbeit in einem kleinen Team und kann mich inhaltlich weiterentwickeln. Langfristig könnte ich mir schon eine Teamleitung vorstellen. Den Bezug zu den konkreten Projekten und Aufgabenstellungen möchte ich aber nicht verlieren“, merkt der Energiemeteorologe an. Eine reine Managementposition käme für ihn deshalb nicht in Frage. „Das Fraunhofer fördert seine Mitarbeiter sehr. Es gibt umfassende Weiterbildungsprogramme. Das finde ich gut“, sagt er zufrieden. Und die Sehnsucht nach dem Wind auf der Haut? „Nicht so schlimm“, lacht er. „Zum Glück gibt es ja auch noch die Zeit nach Feierabend. Da kann ich so viel draußen sein, wie ich möchte.“

abi>> 11.06.2018