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Ohne Businessplan kein Erfolg

Businessplan
Angehenden Gründern rät Dr. Sabine Hepperle, ihre Ideen frühzeitig strukturiert zu einem tragfähigen Geschäftskonzept weiter zu entwickeln.
Foto: Heidrun Hönninger

Existenzgründung: Interview

Ohne Businessplan kein Erfolg

Für Gründer sind die Beratungsmöglichkeiten in Deutschland vielfältig. Im Gespräch mit abi>> gibt Dr. Sabine Hepperle, Leiterin der Abteilung Mittelstandspolitik beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), einen Überblick.

abi» Frau Hepperle, welche Arten von Unternehmensgründungen sind in Deutschland möglich?

Sabine Hepperle: Die Gründerszene in Deutschland ist vielfältig und heterogen. Ebenso der Weg in die Selbstständigkeit: Neun von zehn Gründerinnen und Gründer starten mit einer Neugründung und eigenem Geschäftskonzept. Nur jede zehnte Gründung erfolgt durch Übernahme eines Betriebs, wie zum Beispiel im Falle einer Unternehmensnachfolge. Die meisten Existenzgründungen finden nach wie vor im Dienstleistungsbereich und im Handel statt. Aber auch in den freien Berufen, bei hochspezialisierten Dienstleistungen sowie in sozialen, kreativen oder ingenieurwissenschaftlichen Bereichen beobachten wir steigende Gründungen. Die rasant fortschreitende Digitalisierung bietet durch Innovationen, smarte Anwendungen oder neue Geschäftsmodelle gerade für Start-ups immer wieder neue Chancen und Perspektiven.

abi» Wie finden Gründungswillige heraus, ob die eigene Idee ein Geschäftsmodell ist?

ein Porträtfoto von Dr. Sabine Hepperle

Dr. Sabine Hepperle

Foto: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Sabine Hepperle: Gründungsinitiativen und -netzwerke vor Ort geben bereits in der Planungsphase viele nützliche Tipps und Hinweise. Durch die Teilnahme an einem Businessplanwettbewerb erhält man zum Beispiel konstruktives Feedback für die weitere Umsetzung des Geschäftsmodells. Wettbewerbe eröffnen auch den Zugang zu möglichen Kooperationspartnern, die sich dann an der Finanzierung beteiligen.

abi» Worauf sollten Gründungswillige achten, damit die Gründung Erfolg hat?

Sabine Hepperle: In der „hippen“ Gründerszene steht der Businessplan nicht immer als erste Priorität auf der Agenda. Dennoch rate ich allen angehenden Gründern dazu, ihre Ideen frühzeitig strukturiert zu einem tragfähigen Geschäftskonzept weiter zu entwickeln. Der Businessplan zwingt dazu, sich mit zentralen Fragen wie Vertrieb, Finanzierung, Markteinschätzung, Chancen- und Risikoanalyse auseinanderzusetzen, die für den späteren Erfolg entscheidend sind. Insbesondere wird so auch schnell klar, ob die Idee unternehmerisch umsetzbar ist oder in welchen Bereichen noch Defizite bestehen.

abi» Was sollten Gründer dabei beachten und welche Mittel der Finanzierung gibt es?

Sabine Hepperle: Die Finanzplanung sollte auf eine realistische Basis gestellt werden. Ein gewisser „Puffer“ für unvorhersehbare Ausgaben kann dabei nicht schaden, denn in der Startphase sind Mehrausgaben eher die Regel als die Ausnahme. Als modernes Finanzierungsinstrument gewinnt Crowdfunding zunehmend an Bedeutung, wobei die Kapitalbeschaffung über eine Internetplattform geschieht und sich eine Vielzahl an Privatpersonen mit meist relativ geringen Beträgen beteiligen.
Der besondere Pluspunkt beim Crowdfunding ist, dass es nicht nur ums Geld geht: Die Gründer müssen ihrer Crowd bereits genau erklären, was sie vorhaben und welchen Nutzen ihr Angebot hat. Dabei können Gründer schnell feststellen, wie realistisch ihr Konzept ist. Denn aus der Crowd kommen in der Regel bereits die ersten Kunden.

Das Prinzip der Crowdfinanzierung hat inzwischen zahlreiche Start-ups auf den Weg gebracht. Entsprechend vielfältig ist auch das Angebot an Online-Plattformen, die Geldgeber und Projekte zusammenbringen.

abi» Welche Finanzierungsmodelle gibt es noch? Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Sabine Hepperle: Das Existenzgründungsportal des BMWi bietet einen schnellen Überblick über die wichtigsten Förderprogramme, die Konditionen und die Antragstellung. Gründungskonzepte an Hochschulen werden beispielsweise mit dem EXIST-Gründerstipendium unterstützt. Studierende, Absolventen sowie Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen erhalten monatliche Zuschüsse sowie Sachausgaben und Coaching, damit sie ihre innovativen Gründungsideen realisieren und in einen Businessplan umsetzen können.

abi» Was spricht aus Ihrer Sicht für eine Selbstständigkeit?

Sabine Hepperle: Die berufliche Selbstständigkeit bietet einerseits die Möglichkeit, die eigenen Ideen zu verwirklichen. Eine gewisse Portion Mut, Zielstrebigkeit, Ausdauer und Durchhaltevermögen sollte man dafür allerdings schon mitbringen, damit der Erfolg gelingt. Ich rate allen, die Informations- und Beratungsangebote zu nutzen sowie den Kontakt zu Praktikern und Netzwerken zu suchen.

Mehr Infos

Beratung für Existenzgründer der Bundesagentur für Arbeit (BA)
www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/existenzgruendung


Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)
www.existenzgruender.de


Förderung für Hochschulausgründungen EXIST
www.exist.de


Förderdatenbank des BMWI
www.foerderdatenbank.de


Informationen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH)
www.zdh.de/themen/gewerbefoerderung/leitstelle-fuer-freiberufliche-beratung/foerderung-unternehmerischen-know-hows-beratungsfoerderung-ab-2016/


Service des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) für Existenzgründer
www.dihk.de/themenfelder/gruendung-foerderung/unternehmensgruendung


Startup-Unit der IHK München und Oberbayern
www.munich-startup.de/ecosystem/ihk-startup-unit/


Privates Gründungsprojekt mit Informationen für Existenzgründer
www.fuer-gruender.de


Privater High-Tech Gründerfonds (HTFG)
www.high-tech-gruenderfonds.de


Gründerrecht online, unterstützt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
www.startothek.de

abi>> 06.01.2017

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