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Als Chef oder Experte

Aufgeschlagenes Buch mit Brille
Bei einer Fachkarriere geht es darum, tief in ein Spezialthema einzutauchen.
Foto: Martin Rehm

Kennst du schon die Fachkarriere?

Als Chef oder Experte

Erfolgreich sein, viel Geld verdienen und Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, das klingt für die meisten nach einer klassischen Managerkarriere. Doch es gibt auch noch einen anderen Weg, das alles zu erreichen: die Fachkarriere. Sie bietet Entwicklungsmöglichkeiten für Spezialisten – und das in der Regel ohne Personalverantwortung.

Viele Personalabteilungen setzen neben Programmen für eine klassische Führungslaufbahn seit einigen Jahren auch auf systematisch organisierte Fachlaufbahnen. Sie wollen beidem gerecht werden und beispielsweise geniale Denker oder kreative Talente, die sich fachlich qualifizieren, aber keine Mitarbeiter führen möchten, gezielt fördern und halten. Das sind in der Regel größere Firmen, deren Wettbewerbsfähigkeit von ihrem Innovationsgrad abhängt, beispielsweise in der IT- oder Automobilbranche, aber auch in der Chemie- und Pharmaindustrie“, erklärt Thomas Mares, Berufsberater bei der Arbeitsagentur Trier.

Experten in ihrem Fachbereich

Ein Porträt-Foto von Thomas Mares

Thomas Mares

Foto: Privat

In der Medienbranche, im Gesundheitsbereich oder in der Wissenschaft sei die Fachkarriere schon immer Usus und mit hohem Ansehen verbunden gewesen. Was wäre schließlich eine Klinik ohne Chefarzt oder ein Automobilhersteller ohne findige Entwickler? „Aufgeschmissen“, bringt es Thomas Mares auf den Punkt und ergänzt: „Neue Technologien, wichtige Medikamente, kreative Werbekampagnen, erfolgreiche Bücher gibt es nur, weil es Menschen gibt, die in ihrem Fachbereich Experten sind. Andererseits ist ein tolles Produkt nichts wert, wenn es nicht vermarktet wird.“

Bei einer Fachkarriere geht es demnach nicht vorwiegend darum zu lernen, wie man Menschen führt, Prozesse in Gang bringt und strategisch richtig entscheidet, sondern man taucht tief in ein Spezialthema ein, entwickelt ganz neue Herangehensweisen und Produkte und übernimmt Schritt für Schritt Verantwortung – beispielsweise, um das Management bei strategischen Entscheidungen fachlich zu beraten. „Man muss sich wirklich für ein Thema interessieren, sich ständig informieren und auch selbstständig nach Weiterqualifizierungsmöglichkeiten suchen. Ein Manager dagegen braucht nicht zwingend vertieftes Fachwissen“, sagt Thomas Mares. Er muss in erster Linie den Überblick behalten und Verantwortung übernehmen, was auch bedeutet, dass er für Fehlentscheidungen gerade stehen muss.

Karriere auf Empfehlung

Der Impuls für beide Karrierewege kommt in der Regel vom Vorgesetzten, der das Potenzial seiner Mitarbeiter erkennt. „Die Basis dafür sind bei beiden Karrierewegen regelmäßige Mitarbeitergespräche, bei denen klare Ziele definiert werden“, weiß Thomas Mares. Für welchen Weg man sich eignet, kann man zum Beispiel auch mithilfe von Self-Assessments oder Orientierungsworkshops herausfinden. Im Fall der Fachkarrieren gibt es meist drei bis fünf Entwicklungsstufen: Man fängt etwa als Junior an, wird dann Expert, später Senior Expert und schließlich Berater der Geschäftsleitung. Jedoch ist auf der Stufe unter der Geschäftsführung für gewöhnlich Schluss. Die Gehälter sind meist mit denen von klassischen Managern vergleichbar und auch das Ansehen innerhalb des Unternehmens ist gleich.

Auf dem Weg begleiten spezielle Maßnahmen wie Workshops oder Seminare, die vom Arbeitgeber angeboten oder finanziert werden. (Angehende) Fachkarrieristen werden etwa auf Kongresse, Messen und Fachvorträge geschickt, bekommen die Möglichkeit Artikel in Fachzeitschriften zu veröffentlichen und Kontakte zur Forschung und Entwicklung in Universitäten und anderen wissenschaftlichen Instituten zu knüpfen und zu halten.

Kristallisiert sich hingegen heraus, dass man sich eher für eine Manager-Position eignet, unterstützt das Unternehmen zum Beispiel die Entwicklung mit speziellen Führungsseminaren und Kommunikationstrainings.

Keine Einbahnstraße

„Ganz viele hohe Manager haben versierten Fachhintergrund, wie beispielsweise die Manager von vielen Technik- oder Chemieunternehmen. Das sind studierte Chemiker oder Ingenieure, die sich im Laufe der Berufsjahre sowohl vertieftes Fachwissen als auch Manager-Know-how angeeignet haben“, sagt Thomas Mares und spielt darauf an, dass es im Berufsalltag häufig vorkommt, dass ein Mitarbeiter von einer Fachkarriere in eine Managerkarriere wechselt – und umgekehrt. Man muss sich also nicht zwingend auf einen Weg festlegen. Wechsel sind im Laufe des Berufslebens immer wieder möglich.

Weitere Informationen

Bundesagentur für Arbeit

Link zum Schwerpunktheft „Fachkräfte für Deutschland“ mit einem Ausblick auf zukünftige Karrierwege in deutschen Unternehmen.
www.arbeitsagentur.de/web/content/Perspektive-2025.pdf

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Forschungsprojekt zum Thema Fachlaufbahnen

Das Verbundprojekt der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und der Fachhochschule Lübeck informiert über neue Karrierwege in Unternehmen.
www.fachlaufbahnen.de

Praxisratgeber für eine erfolgreiche Fachkarriere

In seinem Buch „Karriere machen, ohne Chef zu sein“ gibt Personalberater Tomas Bohinc Karrieretipps für Fachexperten. Erschienen im Gabal-Verlag.
www.gabal-verlag.de/media/fs/2/9783897498075_Leseprobe.pdf

abi>> 22.07.2016

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