Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Auf Entdeckungsreise im Universum

Im Vordergrund eine Raumsonde im Weltall, im Hintergrund die Welt.
Als Astronaut ins All fliegen, davon träumen viele. Den weitaus größten Teil derjenigen, die beruflich mit dem Weltraum zu tun haben, machen allerdings Wissenschaftler aus, die von der Erde aus forschen.
Foto: Picasa

Forschen im und für das Weltall

Auf Entdeckungsreise im Universum

Unendliche Weiten, unendlich viele Phänomene, die es zu entdecken gilt: Das Weltall fasziniert seit Menschengedenken. Deutsche Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen forschen fürs und in seltenen Fällen gar im Weltall.

Drei, zwei eins … mit zittriger Hand drückt der Student den Startknopf und die Rakete schießt in den Himmel. Die Gruppe Studierender der Technischen Universität (TU) Berlin steht im schwedischen Raumfahrtzentrum und jubelt – es ist geglückt! „Das war ein unbeschreiblich tolles Gefühl“, erinnert sich Francesca Heeg an diese prägenden Momente im Oktober 2015.

Die damalige Masterstudentin der Luft- und Raumfahrttechnik hatte mit ihren Kommilitonen über Monate hinweg an der zweieinhalb Meter hohen Rakete getüftelt, die im Flug Daten über Beschleunigung, Geschwindigkeit und Flughöhe ermittelte. Sie waren damit Teil des Projekts „Studentische Experimental-Raketen“, kurz Stern, organisiert vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Beruflich schloss sich nun der Kreis: Seit Juni 2017, nach ihrem Masterabschluss, ist Francesca Heeg als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Raumfahrtsysteme der TU Braunschweig tätig – und nun als Projektleiterin für das dortige Stern-Team verantwortlich.

Großen Spaß am Experimentieren

Ein Porträt-Foto von Francesca Heeg.

Francesca Heeg

Foto: Marko Drechsel

Die 27-Jährige behält hierfür den Überblick über anstehende Aufgaben, das Budget sowie den Zeitplan. Außerdem teilt sie die Arbeitskräfte ein. Für Letzteres „muss ich die sonst sehr eigenständig arbeitenden Studierenden auch mal motivieren und an die Zeitvorgaben erinnern“, erzählt sie. Ebenso gehören die Kommunikation mit dem DLR und das Organisieren von Triebwerktests am DLR-Standort in Trauen bei Münster zu ihren Aufgaben.

Neben dem Projektmanagement ist sie bei wissenschaftlichen Fragen Ansprechpartnerin, insbesondere, wenn es um das Entwickeln und Testen des Antriebs geht: „Schon für meine Masterarbeit forschte ich im Auftrag des DLR Bremen an Flüssigkeitsantrieben. Ich testete Edelstahlsiebe, die verhindern, dass Gas in die Tankleitung gerät. Experimente durchzuführen und die Daten wissenschaftlich auszuwerten, hat mir großen Spaß gemacht – und meinen Wunsch zementiert, in die Raumfahrtforschung zu gehen“, sagt Francesca Heeg.

Projektarbeit und Promotion

Am Institut für Raumfahrtsysteme der TU Braunschweig betreut die Berufseinsteigerin neben dem Stern-Team auch Studierende bei ihren Abschluss- und Projektarbeiten und kümmert sich um das Qualitätsmanagement des Instituts. Sie hilft zudem dabei, neue Projekte an Land zu ziehen und Forschungsgelder einzuwerben.

Und nicht zuletzt strebt die Raumfahrtexpertin eine Promotion an, die sie am Institut absolvieren wird. Sie möchte experimentell erforschen, wie Hybridantriebe optimiert werden können, also solche, die einen festen und einen flüssigen Treibstoff verbrennen. „Im Frühjahr 2020 soll die Rakete der Braunschweiger Studierenden in Schweden starten“, erklärt Francesca Heeg. „Bis dahin gibt es für mich als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin also viel zu tun.“

Höchste Ansprüche an Raumfahrer

Ein Porträt-Foto von Dr. Irena Bido.

Dr. Irena Bido

Foto: privat

Denkt man an einen Beruf, der mit dem Weltall zu tun hat, lautet die erste Antwort vermutlich immer Astronaut – ein Kindheitstraum, der ebenso weit entfernt scheint wie die Sterne am Himmel. Tatsächlich gibt es derzeit nur zwei aktive deutsche Raumfahrer: Hans Schlegel und Alexander Gerst. Wer für Weltraumorganisationen wie die europäische ESA ins All möchte, muss ein sehr feinmaschiges Auswahlverfahren durchlaufen (Mehr dazu erfährst du im Interview mit dem angehenden Astronauten Matthias Maurer „Die Zukunft der Raumfahrt mitgestalten“). Das liegt nicht nur an den wenigen Plätzen in der Sojus-Kapsel, wie Dr. Irena Bido von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt Lilienthal-Oberth (DGLR) erklärt: „Ins Weltall zu reisen und in einer Raumstation zu leben, ist psychisch enorm stressig. Auch das Immunsystem, die Knochen und Muskeln leiden unter der Belastung.“ Astronauten müssen daher mental und körperlich fit sein.

Hinzu kommt die fachliche Eignung. Denn fliegt Alexander Gerst im Juni 2018 auf seine zweite Mission zur ISS, wird er wieder eine Vielzahl an Experimenten aus Bereichen wie Biologie, Humanmedizin, Materialwissenschaften oder Physik durchführen. „Dazu zählt etwa die Untersuchung zum Verhalten von komplexem Plasma oder auch von granularen Medien in der Schwerelosigkeit. Letzteres zum Beispiel ist wichtig für Prozesse, wie sie bei großen Volumina von Getreide oder Kunststoff ablaufen“, nennt Irena Bido Beispiele. Alexander Gerst ist studierter und promovierte Geophysiker, muss sich aber dementsprechend schnell in andere Themen einarbeiten können.

Wissenschaft oder Industrie?

Den weitaus größeren Teil der Berufstätigen in der Raumfahrtforschung machen Wissenschaftler aus, die von der Erde aus arbeiten. „Derzeit arbeiten in diesem Bereich in Deutschland etwa 8.900 Menschen. Davon sind 5.400 in größeren Industriebetrieben tätig und rund 900 in kleineren und mittelständischen Unternehmen“, sagt Irena Bido von der DGLR. Zu den Branchengrößen zählen etwa Airbus, Bosch SatCom oder Carl Zeiss.

Weltraumforschung wird in Deutschland zudem hauptsächlich im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie an den deutschen Standorten der Europäischen Weltraumorganisation ESA betrieben, außerdem an Hochschulen wie der RWTH Aachen, der TU Berlin oder der Universität Stuttgart. Innovationen und Know-how werden eingesetzt in der Erdbeobachtung und der Klimaforschung, für neue Materialien, in den Bereichen Energietechnik oder Maschinenbau, aber auch in der Medizintechnik oder der Pharmazie.

Expertise verschiedener Fachbereiche

Ungeachtet des Arbeitgebers sind Wissenschaftler unterschiedlicher Fachbereiche gefragt. Naheliegend klingt und ist die Luft- und Raumfahrttechnik, eine Spezialisierung der Ingenieurwissenschaften. Auch Ingenieure für Maschinenbau, Verkehrswesen, Materialwissenschaften, Elektrotechnik oder auch Wirtschaftsingenieure forschen für das Weltall. Sie konstruieren Satelliten, Roboter, Raumkapseln oder -stationen und statten sie mit allerlei Technologien aus, etwa Navigation, Antrieb oder Kommunikation. (Um Technologien für Satelliten dreht sich die Berufsreportage „Datenaustausch per Weltraumlaser“.)

Ein Porträt-Foto von Miriam Mund.

Miriam Mund

Foto: privat

Weitere Experten stammen aus den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik. „Hierzu zählen zum Beispiel Physiker oder spezieller Astrophysiker, Geowissenschaftler und Meteorologen“, erklärt Miriam Mund, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Stuttgart. Diese Forscher untersuchen die Galaxie, den Aufbau von Planeten und Sternen und stellen insbesondere rechnerische Modelle und Theorien auf über die Entstehung von Materie, Raum und Zeit. (Mehr über die Karriere einer Geophysikerin erfährst du in „Ein Jahr leben wie auf dem Mars“.)

In Laboren und Produktionen kommen zudem Absolventen mehrerer Ausbildungsberufe zum Einsatz: „Mögliche schulische Ausbildungen sind die zum physikalisch-technischen Assistenten oder zum technischen Assistenten für Metallografie und Werkstoffkunde. Bei den dualen Ausbildungen kommen die zum Physiklaboranten, Werkstoffprüfer, Fluggerätelektroniker oder auch Industriemechaniker infrage“, zählt die Berufsberaterin auf.

Schnell viel Neues lernen können

Grundsätzlich sollten Abiturienten, die später gerne im und fürs Weltall forschen möchten, „technisches, mathematisches und physikalisches Verständnis und Interesse haben“, betont Irena Bido. „Außerdem handelt es sich hier um ein sehr dynamisches Feld: Man muss im Beruf schnell viele neue Dinge lernen können.“ (Um das schnelle Einlernen und Tüfteln für ein internationales Projekt geht es in „Garten Eden für ferne Planeten“.) Ein Muss ist auch das Beherrschen der Wissenschaftssprache Englisch.

Gerade die Forschung an Instituten und Hochschulen hängt häufig von Geldern ab, die nur für eine gewisse Projektlaufzeit gelten. Die Folge: „Befristete Verträge sind gang und gäbe. Da nicht jeder Professor werden kann, wechseln viele junge Wissenschaftler nach ein paar Jahren in die freie Wirtschaft“, sagt die DGLR-Expertin. Dort sei auch die Bezahlung üppiger und deutsche Firmen jedweder Größe „sind permanent auf der Suche nach Fachleuten für Raumfahrt“, versichert sie. „Eine Promotion ist – wie üblich im Bereich Forschung und Entwicklung – der Standard“, fügt Berufsberaterin Miriam Mund an.

 

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort z.B. Raumfahrt)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort z.B. Raumfahrt)
www.studienwahl.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland; in erster Linie auf Europa bezogen, aber auch außereuropäisches Ausland
www.ba-auslandsvermittlung.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Informationen zu Bildung und Forschung in Deutschland
www.bmbf.de

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Zentrale Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland
www.dfg.de

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt sowie Energietechnik, Verkehr und Sicherheit mit Hauptsitz in Köln
www.dlr.de

Projekt „Studentische Experimental-Raketen“ des DLR, kurz Stern

www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-6978/11527_read-26906/

Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt Lilienthal-Oberth

Forum für Menschen, die sich beruflich oder privat mit der Luft- und Raumfahrt beschäftigen

www.dglr.de

Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

www.bdli.de

European Space Agency

Europäische Weltraumorganisation mit Sitz in Paris
www.esa.int

abi>> 28.05.2018

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts

andere beiträge der rubrik

 

verwandte themen