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„Ein Ritt auf der Schnecke“

Zwei Frauen und ein Mann besprechen sich im Büro.
Frauen in Führungspositionen bilden meist die Ausnahme – in den oberen Unternehmensbereichen sind in der Regel immer noch deutlich mehr Männer anzutreffen.
Foto: Martin Rehm

Frauen in Führungspositionen: Interview

„Ein Ritt auf der Schnecke“

Um den Frauenanteil in Führungspositionen sukzessive anzuheben, spricht sich Iris Möller vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (IAB) für einen gewissen regulatorischen Druck und klare Maßnahmen aus Politik und Wirtschaft aus. Im Interview verrät sie zudem, wie hoch der Anteil von Frauen auf Führungspositionen aktuell ist und wie er sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

abi>> Frau Möller, das IAB hat eine Umfrage gestartet, wie sich der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat. Was haben Sie herausgefunden?

Iris Möller: In der obersten Führungsebene hat sich offenbar wenig verändert. Es sind dort immer noch lediglich rund 25 Prozent Frauen vorzufinden. In der Ebene darunter stieg der Anteil jedoch um sechs Prozent auf knapp 40 Prozent an. Es gab demnach eine gewisse Entwicklung – nur eben nicht an der Spitze.

abi>> Welche Bereiche werden typischerweise noch immer hauptsächlich von Männern geleitet, bei welchen haben Frauen aufgeholt oder vielleicht sogar die Nase vorn?

Iris Möller: Es lässt sich beobachten, dass Frauen oft in den sogenannten weichen Unternehmensbereichen aufsteigen, wie zum Beispiel Human Resources. Deutlich mehr Männer finden sich dagegen in den oberen Ebenen der Kernbereiche, wie etwa dem klassischen Management.

abi>> Gibt es bestimmte Branchen, in denen überdurchschnittlich viele Frauen Führungspositionen bekleiden?

Iris Möller: Im Dienstleistungssektor sowie in den Bereichen Gesundheit und Erziehung sind Frauen in Führungspositionen erwartungsgemäß relativ präsent. Bemerkenswert ist, dass in den Bereichen Verkehr und Lagerei der Frauenanteil in Führungspositionen ebenso hoch ist wie an der Gesamtbeschäftigung. Interessanterweise gibt es grundsätzlich einen besonders hohen Frauenanteil im Finanz- und Versicherungssektor –jedoch einen auffallend geringen auf Führungsebene.

abi>> Gibt es auch regionale Unterschiede?

Iris Möller: Im Osten Deutschlands ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen höher als im Westen – allerdings gilt das auch für den Anteil der Frauen an der Gesamtbeschäftigung insgesamt. In Europa haben die skandinavischen Länder die Nase vorn. Auch Frankreich hat mehr Frauen in verantwortlichen Positionen als Deutschland. Das kann man darauf zurückführen, dass dort bereits 2011 eine Frauenquote eingeführt wurde. Deutschland zieht nun nach. 2015 brachte man das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen auf den Weg. Es gilt aber lediglich für die rund 160 börsennotierten Unternehmen.

abi>> Welche Maßnahmen sind Ihrer Ansicht nach geeignet, um die Entwicklung zu fördern? Und was passiert diesbezüglich in Deutschland?

Iris Möller: Jede Initiative aus Politik und Wirtschaft, die den Druck auf die Unternehmen erhöht, wirkt sich meiner Meinung nach auf eine positive Entwicklung des Frauenanteils aus. Die Einführung der Quote, auf die sich der Gesetzgeber nun verständigt hat, ist ein wichtiger Meilenstein. Aber auch den Betrieben selbst stehen Möglichkeiten zur Einflussnahme zur Verfügung. Was immer wieder diskutiert wird, ist etwa die Führung in Teilzeit, was beispielsweise auch Müttern erlauben würde, im Beruf mehr Verantwortung zu übernehmen. In einigen Branchen wäre das in Anbetracht des erhöhten Fachkräftebedarfs sicher sinnvoll.

abi>> Was ist Ihre Prognose für die nähere Zukunft?

Iris Möller: Das Institut für Wirtschaftsforschung DIW hat errechnet, dass es bei gleichbleibender Entwicklung erst 2040 zu einer gleichen Repräsentanz von Frauen in Aufsichtsräten, und erst 2100 in Vorständen kommen würde. Es ist also gewissermaßen ein Ritt auf der Schnecke. Eine sprunghafte Erhöhung bleibt unwahrscheinlich – aber zumindest können wir auf eine kontinuierliche Anhebung hoffen. Wichtig dabei ist: Wenn eine Veränderung gesellschaftlich und wirtschaftlich gewünscht ist, müssen alle – der Gesetzgeber, die Verbandspolitik und die Unternehmen – an einem Strang ziehen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort z.B. IT-Manager/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit zu Perspektiven für Beruf und Arbeitsmarkt; Publikationen zum Arbeitsmarkt allgemein
www.iab.de

Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft

Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
http://doku.iab.de/kurzber/2016/kb0216.pdf

Spitzenfrauen: Portal für Frauen in Führungspositionen

www.spitzenfrauen-bw.de/startseite/?no_cache=1

abi>> 04.11.2016

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