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Auf dem Weg nach oben

Eine Frau hält eine Präsentation für ihre Mitarbeiter.
In Führungspositionen sind Frauen in Deutschland nach wie vor in der Minderheit.
Foto: Axel Jusseit

Frauen an die Spitze

Auf dem Weg nach oben

Studien zufolge verfügen Frauen weltweit über eine höhere Bildung als Männer. Trotzdem sind sie in Führungspositionen immer noch rar – das gilt insbesondere auch für Deutschland. Doch mit der richtigen Einstellung kann es Frauen dennoch gelingen, die gläserne Decke zu durchbrechen.

Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, hat es schwarz auf weiß: Nur eine von drei Führungskräften in der EU ist eine Frau – und sie verdient im Schnitt fast ein Viertel weniger als ein Mann in vergleichbarer Position. In Deutschland liegt der Frauenanteil unter den Führungskräften sogar bei nur 22 Prozent – europaweit einer der hintersten Plätze.

Und damit nicht genug: Laut dem „Führungskräfte-Monitor 2017“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind in den Führungsetagen der 200 größten Unternehmen in Deutschland nur acht Prozent Frauen vertreten. Auch in den Aufsichtsräten sind Frauen nach wie vor in der Minderheit, auch wenn sie es hier auf einen Anteil von 23 Prozent bringen. Im internationalen Vergleich landet Deutschland in Sachen Gleichstellung damit nur auf Platz 12 und liegt somit noch hinter Ruanda und den Philippinen.

Frauen auf dem Vormarsch?!

Nichtsdestotrotz gibt es sie, die Frauen in Spitzenpositionen. Beispiele sind Valerie Holsboer, Mitglied des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg (siehe auch das Interview „Ich bin eine große Verfechterin gemischter Teams“), Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des Outdoor-Ausrüsters Vaude (siehe auch die Reportage „Verantwortung für rund 500 Beschäftigte“) oder Sabine Eckhardt, Vorstandsmitglied bei ProSiebenSat1 – Letztere auch dank Initiativen wie dem Führungskräftenetzwerk Generation CEO (GEnCeo).

An der Spitze deutscher Unternehmen sind Frauen noch weitgehend eine Ausnahme – anders sieht es auf den Führungsebenen darunter aus, also etwa bei Abteilungsleitern oder Bereichsleitern. Laut einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) konnten Frauen in diesem Bereich aufholen und sind mit 40 Prozent besser repräsentiert. Diese positive Entwicklung rührt daher, dass sich immer mehr Unternehmen für Frauen in Führungspositionen engagieren. Einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) zufolge setzen sich 63 Prozent der befragten Unternehmen mit Maßnahmen wie flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Mentoring-Programmen für mehr Frauen in leitenden Positionen ein.

Höher als in der Privatwirtschaft ist der Frauenanteil laut IAB in Führungspositionen im öffentlichen Sektor. Auf der ersten Ebene (Vorstand, Geschäftsführung) sind Frauen dort mit 34 Prozent, auf der zweiten (Abteilungsleiter, Bereichsleiter etc.) mit 44 Prozent vertreten. Das liegt daran, dass im öffentlichen Sektor seit vielen Jahren Gleichstellungsgesetze herrschen, die Frauen in Führungspositionen stärken sollen.

Auch in der Gründerszene tut sich etwas, wie erfolgreiche Start-ups zeigen. Anne Kjear Riechert etwa hat das Projekt ReDI School of Digital Integration, eine Programmierschule für Geflüchtete, ins Leben gerufen. Die Geschwister Ulrike, Anna-Lena und Henrike Gerber sind mit SitEinander, einer App für berufstätige Eltern durchgestartet. Und Anna Katharina Alex und Julia Bötsch sind die Gründerinnen von Outfittery, einem Online-Modeausstatter.

Hartnäckige Geschlechterstereotype

Ein Porträt-Foto von Corinna Kleinert

Corinna Kleinert

Foto: privat

Es hat vielschichtige Gründe, warum Frauen in Spitzenpositionen unterrepräsentiert sind. Einige davon erläutert Professorin Corinna Kleinert vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) sowie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Bamberg. „Es liegt unter anderem daran, dass Frauen in einigen Berufsgruppen, aus denen sich Spitzenpositionen rekrutieren, generell unterrepräsentiert sind – einfach, weil sie oft andere Fächer studieren oder Berufsausbildungen absolvieren. Das gilt zum Beispiel für das Ingenieurswesen. Frauen arbeiten auch häufiger in kleinen oder mittleren Betrieben, Männer dagegen häufiger in Großbetrieben, wo Spitzenpositionen entsprechend häufiger vorkommen.“

Ein weiterer wichtiger Grund sind nach den Angaben der Bildungsforscherin kulturelle Normen, die für das Bekleiden solcher Positionen gelten. „Als ideale Manager gelten oft immer noch solche Beschäftigte, die ausschließlich für die Firma leben und rund um die Uhr verfügbar sind – und häufig wird dabei vorausgesetzt, dass ihnen zuhause der Rücken freigehalten wird. Kinderpausen oder Teilzeitarbeit sind dabei hinderlich. Beschäftigte, die das in Anspruch nehmen, werden schnell als nicht engagiert genug empfunden“, berichtet Corinna Kleinert. Auch hartnäckige, von vielen Menschen verinnerlichte Geschlechterstereotypen spielen nach ihrer Einschätzung immer noch eine Rolle. So gelten Männer als autoritärer und entscheidungsstärker als Frauen. „Die Forschung hat vielfach gezeigt, dass solche Stereotype auch heute noch äußerst wirksam sind. Sie beeinflussen die Beurteilung von Bewerbern und Bewerberinnen zugunsten von Männern und führen dazu, dass Frauen gerade auf firmeninternen Karriereleitern hinter Männern zurückbleiben. Weil diese Prozesse auf allen Karriereebenen wirken, führen diese dazu, dass Frauen auf dem Weg nach oben aufgeben.“

Mit Beharrlichkeit „ganz nach oben“

Ein Porträt-Foto von Daniela Mündler

Daniela Mündler

Foto: privat

Die Frage, wie sich der Frauenanteil unter Topmanagern voraussichtlich in Zukunft entwickeln wird, ist laut Corinna Kleinert schwer vorauszusehen. „Wenn es keine zielgerichteten Anreize dafür gibt, dass Unternehmen ihren Frauenanteil in Spitzenpositionen erhöhen, wird dieser vermutlich nur sehr langsam steigen, weil die eben genannten Mechanismen äußerst hartnäckig sind.“

Doch es gibt auch Initiativen, die sich dafür einsetzen etwas zu verändern. Beispielsweise haben es sich GenCEO oder auch das Projekt „Spitzenfrauen BW“, des Steinbeis-Innovationszentrums Unternehmensentwicklung an der Hochschule Pforzheim zur Aufgabe gemacht, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. „Ich denke, ganz gleich, ob Mann oder Frau: Es ist vor allem der Wunsch nach Gestaltung, der uns antreibt“, sagt Daniela Mündler, Vorstand GenCEO und Mitglied des Vorstands bei Bahlsen, und ergänzt: „Für mich ist es besonders faszinierend, Mitarbeiter auf ihrem Weg zu begleiten, gemeinsam mit ihnen effiziente Teams zu bilden und Führungsmodelle mitzugestalten.“

Ein Porträt-Foto von Anja Hartmann

Anja Hartmann

Foto: privat

Die Managerin nennt Eigenschaften, die Frauen mitbringen sollten, wenn sie Führungspositionen anstreben: „Das Interesse an Menschen, aber auch die Offenheit für unterschiedliche Perspektiven. Außerdem Beharrlichkeit, vor allem wenn es darum geht, zwischen verschiedenen Standpunkten Brücken zu bauen. In Führungspositionen braucht es außerdem Mut, um den gegebenen Gestaltungsspielraum zu nutzen und auszudehnen. Empfehlenswert ist auch ein klarer Blick darauf, was das große Ganze voranbringt.“

Einen guten Rat hat auch Dr. Anja Hartmann, Vorstand GenCEO und Gründerin des Coachingservices bucketrider.org: „Frauen, die an die Spitze möchten, sollten offen und oft über ihre Ziele reden und sich voll in dem engagieren, was sie gerade machen. Zugleich sollten sie sich durch Hindernisse oder Rückschläge nie entmutigen lassen. Auch an die Spitze führen viele Wege!“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Spitzenfrauen BW

Portal für Frauen in Führungspositionen in Baden-Württemberg
www.spitzenfrauen-bw.de

Generation CEO (GenCEO)

Business-Netzwerk für Frauen
www.generation-ceo.com

TOTAL E-QUALITIY Deutschland e.V.

Initiative, die sich für Chancengleichheit von Frauen und Männern sowie Vielfalt im Beruf einsetzt
www.total-e-quality.de

abi>> 05.09.2018

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