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Lehren, forschen und Geld eintreiben

Eine junge Frau analysiert Flüssigkeiten im Labor.
In den meisten Fällen beginnt die Karriere im Bereich Wissenschaft und Forschung als wissenschaftliche Hilfskraft im Studium.
Foto: Ingo Wagner

Arbeiten in Wissenschaft und Forschung: Interview

Lehren, forschen und Geld eintreiben

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Dozent, Assistent, Lehrbeauftragter, Professor... Wer heißt wie, wie wird man was und was macht wer? abi>> hat bei Dr. Michael Hartmer, Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, nachgefragt.

abi>> Welche persönlichen Voraussetzungen sind für eine Hochschulkarriere wichtig?

Dr. Michael Hartmer: Neben überdurchschnittlicher Intelligenz sind es vor allem Neugier und Freude daran, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Der Studienverlauf bestimmt maßgeblich, ob sich die Studierenden für eine Wissenschaftskarriere entscheiden – beispielsweise, ob ein Hochschullehrer sie zum Promovieren ermutigt und entsprechend fördert.

abi>> Welcher Karriereweg ist im Wissenschaftsbereich typisch?

Ein Porträt-Foto von Dr. Michael Hartmer

Dr. Michael Hartmer

Foto: privat

Michael Hartmer: Zumeist beginnt der Weg als wissenschaftliche Hilfskraft während des Studiums. Nach der unabdingbaren Promotion bleiben rund zehn Prozent der Absolventen an der Hochschule. Sie arbeiten zunächst als Postdocs, bevor sie sich habilitieren, eine Juniorprofessur antreten oder als Nachwuchsgruppenleiter selbstständig forschen (Begrifflichkeiten siehe Glossar). In dieser Qualifizierungszeit sind sie oft befristet beschäftigt. Der letzte Schritt, die Berufung zum Universitätsprofessor, folgt mit durchschnittlich 42 Jahren. Für eine Fachhochschulprofessur ist nach der Promotion eine mindestens fünfjährige Tätigkeit außerhalb der Hochschule obligatorisch.

abi>> Was wird sich mit den neuen Rahmenbedingungen ändern (Details siehe Neue Perspektiven für Wissenschaft und Forschung)?

Michael Hartmer: Die vielen befristeten Arbeitsverhältnisse führen zu unsicheren Lebensperspektiven unter den jungen Wissenschaftlern. Insbesondere für Frauen bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ein Spagat. Das novellierte Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das Kurzzeitbefristungen eindämmen will, und das Tenure-Track-Programm von Bund und Ländern, das für 1.000 Wissenschaftler im Falle der Bewährung Lebenszeitprofessuren vorsieht, sollen mehr Planbarkeit schaffen.

abi>> Welche Anforderungen kommen auf die Wissenschaftler zu?

Michael Hartmer: Sie müssen an Universitäten nicht nur mindestens neun Semesterwochenstunden lehren, sondern auch forschen und erhebliche Prüfungsleistungen erbringen. Dazu kommen ständiges Publizieren und Drittmitteleinwerben. Schließlich übernehmen sie zusehends Managementaufgaben und sind in die akademische Selbstverwaltung eingebunden. Arbeitszeiten von über 40 Wochenstunden verstehen sich daher von selbst.

abi>> Welche Trends bestimmen die weiteren Perspektiven?

Michael Hartmer: Insgesamt rechnen wir mit weiteren Zuwächsen im Wissenschaftssegment. Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, ist eine adäquate Finanzierung wichtiger denn je. Lehrtätigkeiten ohne Forschung dürften zunehmen. Deutschlands Stellung in der Wissenschaft hat sich in den letzten zehn Jahren verbessert. Deutsche Universitäten spielen aus Effizienzsicht – Investitionen versus Ergebnisse – international vorne mit.

abi>> 20.02.2017

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