Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Der Kampf um gute Mitarbeiter

Junge Frau in grauem Jacket öffnet eine Tür und lächelt.
Um ihre Angestellten zufriedenzustellen setzen immer mehr Unternehmen auf Zusatzleistungen wie Dienstwagen oder flexible Arbeitszeiten sowie die Möglichkeit zum Homeoffice.
Foto: Julien Fertl

Kriterien bei der Arbeitgeberwahl – Hintergrund

Der Kampf um gute Mitarbeiter

Bei der Entscheidung für einen Job spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Ein gutes Gehalt ist sicherlich vielen wichtig – aber längst nicht alles. Immer mehr Arbeitnehmer achten auf weitere Zusatzleistungen: von Dienstwagen und Firmenhandy über flexible Arbeitszeit und Homeoffice bis hin zu Kinderbetreuung und Gratiskantine.

Als Robin Naussen nach Abschluss seines Masterstudiums „Technologie-orientiertes Management“ auf Jobsuche ging, war ihm das Gehalt natürlich nicht egal. Bei der Wahl seines Arbeitgebers berücksichtigte er aber auch noch weitere Aspekte. Das Softwareunternehmen Msg David GmbH im niedersächsischen Braunschweig überzeugte ihn schließlich. „Mich hat die Vielzahl an Vorteilen dazu bewogen, die Stelle anzunehmen“, erzählt der 27-Jährige. Als IT-Projektleiter kann er von flexiblen Arbeitszeitregelungen, Homeoffice-Lösungen und einem umfangreichen Angebot an internen und externen Schulungen profitieren.

„Hinzu kommt, dass ich die Möglichkeit habe, ein Sabbatical einzulegen“, sagt Robin Naussen. „Das empfinde ich als eine einmalige Chance.“ Auch bietet ihm das mittelständische Unternehmen einen unbefristeten Arbeitsvertrag, eine betriebliche Altersvorsorge und eine vergünstigte Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Darüber hinaus werden ihm ein Notebook und ein Smartphone bereitgestellt. Und wenn eine berufliche Reise ansteht, kann er sich einfach einen Firmenwagen ausleihen.

Ein hohes Gehalt ist nicht alles

Das klingt alles zu schön, um wahr zu sein? Es stimmt aber – und ist längst kein Einzelfall mehr. Mittlerweile lassen sich viele Unternehmen so einiges einfallen, um leistungsstarke Mitarbeiter für sich zu gewinnen und sie dann auch zu halten. „Jedes Unternehmen sucht gute Mitarbeiter – aber nur ein hohes Gehalt anzubieten, reicht nicht mehr“, bestätigt Professor Tim Weitzel, der beim Centre of Human Resource Information Systems (CHRIS) an der Universität Bamberg seit über 15 Jahren zu genau diesen Themen forscht und Studien erhebt. „In den 70er Jahren standen viele Bewerber um einen Job an, heute müssen sich Unternehmen oft um gute Mitarbeiter bemühen.“

Die aktuelle CHRIS-Studie „Recruiting Trends 2017“ ergab, dass die 1.000 größten Unternehmen in Deutschland für das Jahr 2017 freie Stellen erwarten: „Etwa ein Drittel rechnet mit 100 bis 499 Vakanzen. Mehr als die Hälfte der Top-Unternehmen geht sogar davon aus, dass sie Ende des Jahres mehr Mitarbeiter beschäftigen werden als zu Jahresbeginn.“

In vielen Branchen ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern groß – doch ob er gedeckt wird, bleibt fraglich. „Unsere Studie ergab, dass rund 35 Prozent der prognostizierten Vakanzen nur schwer zu besetzen sein werden“, sagt der Experte. „Im IT-Bereich sind es sogar fast 50 Prozent.“ Die Konkurrenz um gute und qualifizierte Mitarbeiter ist hier besonders ausgeprägt.

Harte und weiche Faktoren

Entscheidend ist zudem, dass sich in den letzten Jahren die Einstellung der Mitarbeiter stark verändert hat. Einen Job annehmen oder behalten, egal, wie unzufrieden man ist – das macht längst nicht mehr jeder mit. „Man verbringt schließlich einen großen Teil seines Lebens im Beruf“, gibt Tim Weitzel zu bedenken. „Viele fragen sich daher: Was erwarte ich von einer Stelle?“

Ein angenehmes Arbeitsklima und ein gutes Gehalt zählen zu den sogenannten harten Faktoren – die müssen einfach stimmen. Hinzu kommen zahlreiche weichere Faktoren, wie etwa flexible Arbeitszeiten, flache Hierarchien, Homeoffice und Firmenhandy, aber auch Weiterbildungen, Gratiskantinen, Fitnessstudios und Kinderbetreuung durch Tagesmütter im Haus. Manchmal stellen die Unternehmen sogar extra Mitarbeiter ein, die sich nur um die Zufriedenheit des Personals kümmern. (Mehr über sogenannte Feelgood-Manager in der Reportage Die Allrounderin.)

Die Wünsche der Berufseinsteiger

„Mittlerweile misst die gesamte Gesellschaft diesen Benefits eine große Bedeutung bei – nicht nur die jüngere Generation“, betont der Experte. Allerdings wird auf unterschiedliche Faktoren Wert gelegt. Während etwa für einen Vater die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entscheidend ist, achten Berufsanfänger eher auf Entwicklungsmöglichkeiten.

Eine nicht-repräsentative Studie der Unternehmensberatung Kienbaum ergab 2016, dass für Studienabsolventen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und fachlich anspruchsvolle Aufgaben am wichtigsten sind. Der Wunsch nach einer angemessenen Bezahlung landete nur auf Platz 8. Tim Weitzel kann das bestätigen. „Bei der ersten Stelle ist das Gehalt oft nicht so wichtig, sondern der Winkel der Steigung, der die Weichen für die Zukunft legt“, erklärt er und rät: „Berufseinsteiger sollten dem Arbeitgeber schon im Vorstellungsgespräch signalisieren, dass sie eine spannende und abwechslungsreiche Tätigkeit suchen, an der sie wachsen können.“

Weitere Informationen

Arbeitsagentur

www.arbeitsagentur.de

Staufenbiel Institut

Das Staufenbiel Institut bringt Studierende, Absolventen und junge Berufseinsteiger zusammen.
www.staufenbiel.de

Top Employers Institute

Das Institut infomiert über Arbeitgeber mit herausragender Personalführung und -strategie.
www.top-employers.com/de-DE/

Unternehmensberatung Kienbaum

Die Absolventenstudie 2015/2016 ist hier zu finden:
http://assets.kienbaum.com/downloads/Absolventenstudie-Ergebnisbericht_Kienbaum-Studie-2015-2016.pdf?mtime=20160906135157

Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS)

Auf der Internetseite der Universität Bamberg warten zahlreiche Studien zu Kriterien bei der Arbeitgeberwahl.
www.uni-bamberg.de/isdl/chris

abi>> 28.08.2017

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts

andere beiträge der rubrik

 

verwandte themen