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Gute Bildung schützt auch in Zukunft

Roboter
Roboter drängen auf den Arbeitsmarkt: In den kommenden Jahren könnte die Arbeit von bis zu 15 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland von Robotern übernommen werden.
Foto: Nicole Schwab

Nehmen Roboter mir den Job weg? – Interview

Gute Bildung schützt auch in Zukunft

Fast die Hälfte aller Jobs könnten zukünftig von Maschinen übernommen werden, rechneten 2013 britische Wissenschaftler aus – und sorgten mit ihrer Prognose für helle Aufregung. Folgestudien konnten die Zahlen relativieren, aber auch Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) belegen: Roboter werden in vielen Bereichen unseren Arbeitsalltag verändern. Wie genau, erklärt die Britta Matthes, die sich beim IAB in verschiedenen Forschungs- und Arbeitsgruppen engagiert und die an der Studie mitgearbeitet hat, im Interview.

abi>> Frau Matthes, nehmen uns Roboter bald den Job weg?

Britta Matthes: Wie stark die einzelnen Berufe betroffen sind, kann man über unseren Job-Futuromat abrufen. Auf Basis der gegenwärtigen Zahlen gehen wir davon aus, dass 15 Prozent der heute Beschäftigten von Robotern ersetzt werden könnten. Ich sage bewusst könnten, denn ob dies wirklich so kommt, hängt nicht allein vom technologischen Fortschritt ab, sondern auch von den wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

abi>> Was meinen Sie damit?

Ein Porträt-Foto von Britta Matthes

Britta Matthes

Foto: Wolfram Murr

Britta Matthes: Der Bäcker ist ersetzbar. Maschinen können Backmischungen herstellen, den Teig kneten und formen, das Brot backen. Allerdings entscheiden wir Konsumenten, ob wir Brot aus einer Fabrik essen wollen oder doch lieber vom Handwerksbäcker an der Ecke. Oder nehmen Sie das autonome Fahren. Hier ist noch nicht geklärt, wer bei einem Unfall zur Verantwortung gezogen wird. Der Lkw-Fahrer oder der Bordcomputerhersteller? Anderes Beispiel: die Kassiererin. Sie ist ersetzbar, schon heute. Aber wir Deutschen schätzen wohl beim Einkaufen den sozialen Kontakt. Also gibt es sie noch, die freundlichen Damen und Herren an der Kasse. Trotzdem, es zeichnet sich Folgendes ab: Überall da, wo Roboter weniger Fehler machen als der Mensch, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie wichtige Aufgaben übernehmen werden.

abi>> Was sind das für Aufgaben?

Britta Matthes: Sich permanent wiederholende Tätigkeiten zum Beispiel oder auch Aufgaben, die einem bestimmten Muster folgen. Menschen ermüden, Maschinen nicht. Damit meine ich nicht nur die physische Kraft, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit. Demnach werden Roboter in allen Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufen eine große Rolle spielen, aber auch in der Unternehmensführung und -organisation, etwa bei der Dateneingabe und Finanzanalyse. Selbst IT-Berufe ändern sich durch die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung. Das wurde bis vor kurzem noch unterschätzt: Programmierer entwickeln nicht mehr nur Algorithmen, also mathematische Regeln, die einfachen wenn-dann-Zusammenhängen folgen, sondern schreiben Codes, die permanent lernen. Das erreichen sie, indem sie unendliche Datenmengen in der Cloud miteinander vergleichen und in einer Art Schleifenlogik hinterfragen, ob ein Ergebnis wirklich die beste Lösung für das Problem ist.

abi>> Müssen also auch Höherqualifizierte um ihren Job bangen?

Britta Matthes: Nein, die Prämisse „gute Bildung schützt“, gilt immer noch. Es wird vielmehr so kommen, dass Roboter in allen möglichen Bereichen unterstützend bestimmte Tätigkeiten übernehmen. Dies verändert die Berufsbilder – nicht nur in der Fabrik. Komplett wegfallen werden Berufe aber nicht. Bestimmte menschliche Fähigkeiten sind nicht ersetzbar. Kreativität zum Beispiel. Künstliche Intelligenz ist nicht kreativ, sie erfindet nichts Neues, sondern sucht nur die bisher beste vorhandene Lösung. Oder auch Intuition, Empathie, überhaupt alle sozialen Kompetenzen, die Fähigkeit, Probleme kreativ zu lösen. Das halte ich sogar für noch viel wichtiger als technisches Know-how.

abi>> Wir müssen also nicht alle IT-Experten werden?

Britta Matthes: Nein, das wäre der falsche Weg. Es bringt nichts, sich mit etwas abzuquälen, was einem nicht liegt. Mit höherer Bildung meine ich definitiv nicht, sich nur auf Roboter, Computer, Tablets, Internet und Co. zu fokussieren. Es muss auch nicht unbedingt ein Studium sein. Auf Basis einer dualen Ausbildung kann ich mich sehr gut kontinuierlich weiterentwickeln und Spezialist in einem Themenfeld werden. Allerdings muss man hierfür eigenverantwortlich am Ball bleiben. Ein hoher Grad an Selbstorganisation, über den Tellerrand schauen, mitdenken, Probleme mal anders angehen, Verbesserungsvorschläge einbringen: So macht man sich unersetzbar.

abi>> 15.01.2018

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