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„Dem Gemeinwohl verpflichtet“

Krankenhaus
Krankenhäuser entsprechen vom strukturellen Aufbau modernen Wirtschaftsunternehmen.
Foto: Jörg Moritz

Nichtärztliche Berufe im Krankenhaus – Interview

„Dem Gemeinwohl verpflichtet“

Peer Köpf, stellvertretender Geschäftsführer des Dezernats Personalwesen und Krankenhausorganisation der Deutschen Krankenhausgesellschaft, erklärt, warum Kliniken Wirtschaftsunternehmen mit ganz besonderem Auftrag sind.

abi>> Ist ein Krankenhaus ein Arbeitgeber wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch?

Peer Köpf: Mit Blick auf die Berufe schon. Sie finden in einem Krankenhaus alle Abteilungen, die sie in einem regulären Wirtschaftsunternehmen auch finden: Personal, IT, Controlling und so weiter. Auch befinden sich die Krankenhäuser im Wettbewerb und müssen sich entsprechend ökonomisch ausrichten. Aber darüber hinaus sind sie Wirtschaftsunternehmen, die einen besonderen Versorgungsauftrag haben. Anders als normale Unternehmen können sie „Kunden“ nicht einfach ablehnen. Sie sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Zudem haben wir in Deutschland eine hohe Heterogenität bei den Trägern: Es gibt öffentliche, freigemeinnützige und private Häuser. Das kann sich auch auf die jeweilige Unternehmenskultur auswirken. So muss etwa ein Universitätsklinikum nicht nur die Bevölkerung umfassend versorgen, sondern hat auch einen Schwerpunkt in der medizinischen Aus- und Fortbildung.

abi>> Hat sich die Struktur der Kliniklandschaft in den vergangenen Jahren verändert?

Ein Porträt-Foto von Peer Köpf

Peer Köpf

Foto: privat

Peer Köpf: Ja, so sinkt zum Beispiel die absolute Zahl der Kliniken seit Jahren. Waren es im Jahr 2000 noch 2.242 Kliniken, gab es 2015 nur noch 1.956. Zum einen gibt es hier Fusionsprozesse – sehr viele Krankenhäuser haben sich verbündet, um Synergieeffekte zu nutzen. Schließlich kann eine Klinikgruppe mit 15 Häusern im Einkauf ganz anders verhandeln als ein einzelnes Haus. Zum anderen gehen immer mehr Krankenhäuser in private Trägerschaften über, während der Anteil der öffentlichen und freigemeinnützigen Trägerschaften sinkt. Im Jahr 2015 waren knapp 35 Prozent der Kliniken privat, 30 Prozent öffentlich und 35 Prozent freigemeinnützig.

abi>> Was sind die großen Herausforderungen für die Branche?

Peer Köpf: Das ist ganz klar der Wettbewerb um die Fachkräfte, allen voran im Bereich der Pflege. Anders als in anderen Wirtschaftsunternehmen sind 65 Prozent aller Kosten Personalkosten. Krankenhäuser sind sehr personalintensive Unternehmen. Da die Babyboomer so langsam in Rente gehen, ist hier gerade sehr viel in Bewegung. Das gilt aber nicht nur für den medizinischen Bereich. Die Krankenhäuser brauchen gute, fähige Ökonomen, die nicht nur verwalten, sondern vor allem gestalten können. Mittlerweile gibt es ja einige Studiengänge, die sich auf das Gesundheitswesen spezialisiert haben. Wir bieten zum Beispiel ein europäisches Austauschprogramm für Nachwuchskräfte an.

abi>> Gibt es weitere nicht-medizinische Berufe oder Tätigkeitsfelder, die sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert haben?

Peer Köpf: Es gibt viele Berufe, die historisch gesehen aus der Pflege heraus entstanden sind, aber heute aufgrund des Fortschritts viel stärker technisch geprägt sind. Das gilt vor allem für Berufe im OP-Bereich. Wer sich für Apparatetechnik und Instrumente interessiert, für den könnten zum Beispiel die Ausbildungen „Operationstechnischer Assistent“ oder auch „Anästhesietechnischer Assistent“ geeignet sein.

abi>> 17.07.2017

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