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Die Tüftler des 21. Jahrhunderts

Eine ältere Person hält einen Tablet-PC mit einem Steuermonitor für ein Smart-Home in den Händen
Das Tablet als Schaltzentrale: Via App lassen sich unzählige Prozesse im Haushalt steuern und vereinfachen.
Foto: Jörg Moritz

Smart Home – Hintergrund

Die Tüftler des 21. Jahrhunderts

Kühlschränke, die selbst Nachschub ordern, Sprinkleranlagen, die sich via App steuern lassen und Heizungen, die automatisch Wohlfühltemperaturen erzeugen, kommen allmählich an in deutschen Haushalten. Damit steigt auch die Nachfrage nach kreativen Fachkräften, die innovative Produkte und Dienstleistungen rund um das sogenannte Smart Home entwickeln.

Vollautomatische Türen, die sich wie von Geisterhand öffnen: Vor 50 Jahren staunte die Welt über die komplexen Technologien auf dem Raumschiff Enterprise. Vieles, was in „Star Trek“ gezeigt wurde und in der Realität als utopisch galt, ist heute Wirklichkeit. Für Jochen Schöllig hat die Serie trotzdem nicht an Reiz verloren. Denn den Drang, das Leben mithilfe von technischen Lösungen einfacher zu gestalten, kennt der 28-Jährige nur zu gut.

Science Fiction wird real

Ein Porträt-Foto von Jochen Schöllig

Jochen Schöllig

Foto: privat

Jochen Schöllig hat an der Hochschule Esslingen Softwaretechnik studiert. Noch während des Studiums gründete er mit Kommilitonen das Start-up-Unternehmen „Codeatelier“. Ihr Produkt ist eine Box, die es Anwendern ermöglicht, ihre vorhandene Haustechnik intelligenter zu machen: „In wenigen Schritten verwandeln wir mit unserer Box einen handelsüblichen DSL-Router in eine Steuerzentrale, die Geräte wie Lichterschalter, Jalousien, Heizungsventile und Steckdosen verschiedener Hersteller miteinander kombiniert. Die Geräte kann man mit intuitiven Apps über mobile Geräte steuern.“

In der Gründungsphase war Jochen Schöllig noch stark in die Entwicklung der Box eingebunden, programmierte und testete. Heute betreut er das operative Geschäft und koordiniert die Entwicklung: „Als Gründer kümmere ich mich so ziemlich um alles, was unser Unternehmen betrifft.“ Das Start-up trifft den Nerv der Zeit. Laut Branchenverband Bitkom nutzt jeder siebte Deutsche ab 14 Jahren Smart-Home-Anwendungen.

Vernetzte Branchen

Gefragt sind technische Lösungen, die Sicherheit und Wohnkomfort erhöhen, Strom- und Heizkosten sparen und die Umwelt schonen. Dafür müssen viele Branchen zusammenarbeiten: vom Hausplaner über den Handwerker bis hin zum Gerätehersteller und Softwareingenieur. Kaum ein Geschäftsfeld ist so interdisziplinär wie Smart Home.

Aktuell drängen viele Anbieter mit neuen Produkten auf den Markt. Darunter nicht nur kreative Start-ups, sondern auch Konzerne, die ihre Dienstleistungen mit anderen Akteuren koordinieren wollen – etwa Telekommunikationsunternehmen, Stromkonzerne und Haushaltsgerätehersteller. Kein Wunder, dass sich der Ausdruck Smart Home nicht auf eine Branche eingrenzen lässt und sich viele unterschiedliche Berufe mit den innovativen Möglichkeiten beschäftigen.

Geerdete Visionen

Karsten Schulz, Berufsberater der Agentur für Arbeit in Magdeburg, wird oft gefragt, welcher Bildungsweg in die Branche führt. Seine Antwort ist pragmatisch: „Smart Home klingt visionär, basiert aber auf bodenständigen Berufen und Studiengängen“.

Einen Einstieg können duale Ausbildungsberufe bieten, zum Beispiel Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektrotechniker oder Technischer Systemplaner der Fachrichtung Versorgungs- und Ausrüstungstechnik. „Auch Fachinformatiker können sich mit der Steuerung des Stromkreises in Gebäuden befassen, etwa Werte von Stromzähler und Wechselrichter einer Solaranlage auslesen und eine Heizungsanlage ansteuern“, erklärt Karsten Schulz.

In entsprechenden Fortbildungen werden dann klassische Themen der Gebäude-, Energie- und Informationstechnik mit Wissen aus dem Bereich der vernetzten Gebäude- und Systemintegration kombiniert.

Zukunft studieren

Ähnlich vielseitig sind die Studienmöglichkeiten: „Elektrotechnik, Informatik, Anlagen- und Betriebstechnik, im weiteren Umfeld auch Architektur bis hin zu Technischem Facility Management können eine Basis bilden“, sagt der Berufsberater. Man kann sich aber auch direkt spezialisieren, zum Beispiel mit dem Studium „Informationstechnik – Smarte Systeme“. Dieser Studiengang wurde zum Wintersemester 2014/15 von der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Otto-von-Guericke-Universität ins Leben gerufen.

Für Professor Jörg Auge von der Hochschule Magdeburg-Stendal ist „smart“ nichts anderes als das clevere Zusammenspiel von informationsgewinnenden Sensoren und informationsverarbeitenden Prozessen. „Im Idealfall verschmelzen die Einheiten immer mehr, zeichnen sich durch Flexibilität und einen gewissen Grad an Lernfähigkeit aus“, erklärt er und nennt als Beispiel die Weiterentwicklung vom Handy zum Smartphone. „Aber auch im Haushalt bekommen immer mehr Geräte eine Intelligenz implantiert, in Form von sogenannten embedded systems“, weiß der Professor. „Vernetzt man diese Intelligenzen in einem Haus zu einem komplexen Netz – ähnlich wie die Synapsen in unserem Gehirn – dann lässt sich Erstaunliches gestalten.“

Innovativ dank Sesamstraßen-Gen

Die Inhalte des Studiums orientieren sich an klassischen Fächern wie Informatik, Elektrotechnik, Informationstechnik, Kommunikationstechnik, Messtechnik und Elektronik. Um smarte Systeme zu entwickeln, braucht es aber mehr. Die wichtigste Eigenschaft, die Studierende mitbringen sollten, beschreibt Jörg Auge scherzhaft als das Sesamstraßen-Gen: „Sie müssen wissen wollen: wieso, weshalb, warum? Sie müssen kausale Wirkungsketten begreifen und beschreiben können. Und sie müssen ein Problemlösungsbewusstsein entwickeln.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Im Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Studiengänge in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de

Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (Bitkom)

Bitkom vertritt die Interessen von Unternehmen der Informationswirtschaft, der Telekommunikation und der neuen Medien.
www.bitkom.org

SmartHome Initiative Deutschland e.V.

www.smarthome-deutschland.de

abi>> 08.05.2017

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