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Bindestrich-Informatiker mit dem gewissen Extra

Eine Frau schreibt etwas an ein Whiteboard.
Unternehmensdaten durch statistische Analysen systematisch untersuchen: Wirtschaftsinformatiker verbinden die wirtschaftlichen Grundlagen und das Programmieren.
Foto: Daniel Karmann

Spezialisierte Informatikberufe

Bindestrich-Informatiker mit dem gewissen Extra

Darf’s ein bisschen mehr sein? Für IT-Interessierte gibt es zahlreiche Möglichkeiten, neben allgemeinem Informatikwissen zusätzliche Spezialkenntnisse zu erwerben. Auf dem Arbeitsmarkt sind sie damit gefragt.

Wie wäre es mit Wirtschaftsinformatik? Lena Aurnhammer wurde bei einer Infoveranstaltung zu MINT-Berufen auf den Studiengang aufmerksam. Ein Freund von ihr studierte bereits dieses Fach an der Universität Augsburg, wodurch sie einige Einblicke in den Studienalltag bekam. Davon angetan, bewarb sie sich ebenfalls an der Hochschule. „Ich hatte bereits Grundkenntnisse in Informatik und wollte diese gern ausbauen – und ich wollte auf jeden Fall etwas mit Wirtschaft machen“, berichtet die 21-Jährige, die mittlerweile im fünften Semester studiert und die Vertiefungsrichtung Wirtschaft gewählt hat. „In den ersten drei Semestern haben wir wirtschaftliche Grundlagen sowie Programmieren erlernt“, erzählt Lena Aurnhammer. „Ich habe gemerkt, dass mir die wirtschaftlichen Veranstaltungen besser gefallen als das Programmieren. Trotzdem finde ich es wichtig, zu wissen, wie IT eigentlich funktioniert.“

Ein Porträt-Foto von Lena Aurnhammer

Lena Aurnhammer

Foto: privat

Nach ihrem Bachelorabschluss würde die angehende Wirtschaftsinformatikerin gerne in der Beratung arbeiten und sich dort zum Beispiel mit Themen wie Business Analytics beschäftigen. Darunter versteht man die systematische Untersuchung von Unternehmensdaten durch statistische Analysen. „Das logische Denken aus der Informatik und die Kenntnisse aus dem Wirtschaftsteil meines Studiums werden mir dabei sicherlich sehr hilfreich sein“, ist Lena Aurnhammer überzeugt.

Von Umweltschutz bis Medizindokumentation

Wirtschaftsinformatik ist nur eine von vielen spezialisierten Informatikfachrichtungen, mit denen sich Studierende zu Experten eines Fachgebiets entwickeln können – egal, ob bereits im Bachelor oder erst im Master. Weitere Fächer sind etwa Medien-, Verwaltungs-, Medizin-, Geo-, Bio-, Umwelt- oder Sozioinformatik. Sie münden in Berufe wie den des Bioinformatikers, der Daten biologischer Prozesse und Strukturen mithilfe von IT verarbeitet. Umweltinformatiker (siehe auch Berufsreportage „Im digitalen Auftrag der Natur“) agieren hingegen an der Schnittstelle zwischen Management, Informationstechnologie und Umweltschutz. Und Medizininformatiker (siehe auch Berufsreportage „Die vernetzte Klinik“) entwickeln, betreuen, betreiben und vertreiben medizinische Informations- und Dokumentationssysteme – zum Beispiel für Computertomographen. Auch Geoinformatiker, Medieninformatiker und Verwaltungsinformatiker (siehe auch Berufsreportage „Die perfekte Kombination für mich“) arbeiten im IT-Bereich. Im Rahmen einer Ausbildung lernen hingegen beispielsweise IT-System-Kaufleute und Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung oder Systemintegration ihr „Handwerk“. (siehe Berufsübersicht „IT-Spezialist werden“)

Viele Wege führen zur Spezialisierung

Stephan Puls, Berufs- und Studienberater bei der Agentur für Arbeit Düsseldorf, vermutet, dass künftig noch weitere Spezialisierungen angeboten werden – insbesondere als Studiengänge: „Dabei muss man unterscheiden zwischen Studienabschlüssen, mit denen man in zwei Welten arbeiten kann – also etwa in der IT und der Wirtschaft –, und solchen, mit denen man als spezialisierter Informatiker arbeitet.“ Er fährt fort: „Wenn man sich seiner Richtung sehr sicher ist, zum Beispiel aufgrund von Praktika, halte ich solche spezialisierenden Studiengänge durchaus für sinnvoll. Wenn nicht, können sie auch vorschnell einengen.“

Um als Experte in einem Bereich zu arbeiten, könne man sich allerdings auch erst später auf einen Bereich festlegen, etwa im Master. Egal, ob mit einer IT-Ausbildung oder einem allgemeinen Informatikstudium: Mit einschlägiger Praxiserfahrung und entsprechender Weiterbildung sei das Arbeiten in spezialisierten Informatikberufen eigentlich immer möglich, so der Berufsberater.

Ein Porträt-Foto von Peter Liggesmeyer

Peter Liggesmeyer

Foto: privat

Auf jeden Fall müssen sich spezialisierte Informatiker gern mit theoretischen und komplexen Fragestellungen befassen und sich für Mathematik interessieren, „denn das ist das Handwerkszeug des Informatikers – unabhängig vom Anwendungsbereich“, sagt Prof. Dr.-Ing. Peter Liggesmeyer, Präsident der Gesellschaft für Informatik. Auch Kommunikationsstärke sei wichtig, weil Informatik heute in einem stark arbeitsteiligen Berufsumfeld stattfinde – man arbeitet also sehr häufig im Team (siehe Interview „In vielen Anwendungsbereichen einsetzbar“).

Positiver Trend auf dem Arbeitsmarkt

Gefragt sind die Spezialisten allemal: „Im Jahresdurchschnitt hatte die Bundesagentur für Arbeit 2015 rund 11.400 Jobangebote für IT-Kräfte im Bestand“, erklärt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahr und gleichzeitig der höchste Stand seit 2007. „Der positive Trend gilt auch für spezialisierte Informatiker“, betont Ralf Beckmann. Der mit Abstand größte Anteil der Stellenangebote für Informatik-Fachleute kam von Unternehmen der IT-Branche (31 Prozent). Darüber hinaus gab es im Bereich der öffentlichen Verwaltung, bei Unternehmensberatungen, im Groß- und Außenhandel sowie bei Bildungsinstituten und Dienstleistern offene Stellen.

Die Zahl arbeitsloser IT-Kräfte ist 2015 zwar leicht gestiegen, „aber Fachleute mit einem Informatikberuf sind seltener arbeitslos als viele andere Berufsgruppen“, berichtet der Arbeitsmarktexperte. Die Arbeitslosenquote betrug insgesamt etwa drei Prozent. Am niedrigsten fiel sie bei den Experten mit einer mindestens vierjährigen akademischen Qualifikation oder vergleichbaren Kenntnissen aus.

Insgesamt wächst die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Informatik: Sie lag im Juni 2015 bei rund 687.000 IT-Fachkräften – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Wie viele dieser Beschäftigten einem spezialisierten Informatikberuf nachgehen, ist den Statistiken allerdings nicht zu entnehmen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Informatik, Wirtschaftsinformatik, Medizininformatik, Umweltinformatik, Verwaltungsinformatik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Bitkom

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. vertritt die Interessen von mehr als 2.400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft.
www.bitkom.org

Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi)

BITMi ist mit 1.500 Mitgliedern der größte Fachverband für ausschließlich mittelständische IT-Unternehmen in Deutschland.
www.bitmi.de

Gesellschaft für Informatik (GI)

Informatiker, IT-Fachleute, Lehrkräfte, Auszubildende und Studierende können sich über die GI vernetzen und austauschen.
www.gi.de

Berufsverband Medizinischer Informatiker (BVMI)

Der BVMI ist Ansprechpartner für berufspolitische Fragen und organisiert Fort- und Weiterbildung im Bereich medizinische Informatik.
www.bvmi.de

 

abi>> 23.01.2017

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