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Elternsein im Studium

Junge Frau wickelt Kleinkind
Windeln während den Vorlesungen zu Wechseln ist für Änni und Jonathan Spratte nichts Neues.
Foto: Ria Kipfmüller

Kind im Studium

Elternsein im Studium

Änni (24) und Jonathan Spratte (22) gehören zu einer Minderheit an deutschen Hochschulen: Sie sind nicht nur Studierende, sondern auch Eltern. Beide wollen ihren Bachelorabschluss machen und sich trotzdem selbst um ihre Tochter kümmern.

Gerade haben Änni und Jonathan Spratte den ersten Geburtstag ihrer Tochter Zoe gefeiert. „Das erste halbe Jahr war überwältigend und ziemlich chaotisch. Wir haben erst seit einigen Monaten einen geregelten Tagesablauf“, erzählt die 24-Jährige. Sie studiert Afrikanische Sprachen, Literatur und Kunst an der Universität Bayreuth und war im dritten Studienjahr, als ihre Tochter geboren wurde. Da sie in ihrem Studium schon weit fortgeschritten ist, übernimmt sie den Großteil der Betreuung. „Ich habe noch wesentlich mehr Lehrveranstaltungen und Klausuren vor mir als meine Frau“, erklärt Jonathan Spratte, der Engineering Science an der gleichen Uni studiert.

Zum Mittagessen trifft sich die Familie häufig in der Mensa, die mittlerweile sogar eine eigene Spielecke für Kinder hat. Das ist nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen die Universität Bayreuth eine familienorientierte Hochschulkultur etabliert hat und dafür auch seit 2006 das Qualitätssiegel „audit familiengerechte hochschule“ trägt.

Krippenplätze auf dem Campus

Familienporträt der Sprottes.

Änni, Jonathan und Zoe Spratte

Foto: privat

So gibt es auch Krippenplätze auf dem Campus, die ausschließlich für den Nachwuchs von Studierenden und Mitarbeitern vorgesehen sind. Änni und Jonathan Spratte ist es jedoch wichtig, ihre Tochter bis zum dritten oder vierten Lebensjahr selbst zu betreuen. Deshalb nehmen sie Zoe auch mit in die Uni. „Klar dauert das Studium dadurch länger“, sagt die junge Mutter, „aber ich nutze die Arbeitszeit auch wesentlich effektiver als früher.“ Freitags ist ihr „freier“ Tag, an dem sie an ihrer letzten Seminararbeit in der Bibliothek schreibt, ihr Mann passt währenddessen auf Zoe auf. „Das haben wir auch bei Ännis mehrtägigen Blockseminaren so gemacht, die in der vorlesungsfreien Zeit stattfanden. Da konnte ich Zoe ohne Probleme in unsere Fachbibliothek mitnehmen, in der es spezielle Gruppenräume zum Lernen gibt“, erinnert sich der 22-Jährige.

Trotzdem sind sich beide einig, dass man beim Studieren mit Kind auch Abstriche machen muss. „Wenn Zoe während eines Seminars auf meinem Schoß saß, war ich oft abgelenkt und musste später einiges nacharbeiten“, erinnert sich Änni Spratte, deren Studiengang kleiner und familiärer als der ihres Mannes ist. Außerdem kennen beide Eltern den Schlafmangel nur zu gut, der gerade vor einer wichtigen Klausur wenig hilfreich ist. Jonathan Spratte ist stolz darauf, dass er bislang trotzdem alle Klausuren gemeistert hat.

Nächstes Ziel: Bachelorarbeit

Wie es ist, rund um die Uhr für den Nachwuchs verantwortlich zu sein, das konnten sich beide vorher nicht vorstellen. „Aber im Studium hat man mehr Zeit als später im Berufsleben“, ist sich Jonathan Spratte sicher. Trotzdem warten viele Studierende mit der Familienplanung – laut der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks lag der Anteil der studentischen Eltern bei rund fünf Prozent (gemessen an allen Studierenden im Sommersemester 2012).
Änni Sprattes nächstes Ziel ist die Bachelorarbeit. Danach will sie sich vorerst ganz auf die Familie konzentrieren. Jonathan Spratte interessiert sich auf lange Sicht für einen Job in der freien Wirtschaft. Davor möchte er noch ein Masterstudium absolvieren und vielleicht sogar promovieren.

 

abi>> 29.06.2015

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