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"Die Nachmittage sind mir sehr wichtig"

Frau spielt mit Kindern im Sandkasten.
70 Prozent aller berufstätigen Mütter arbeiten in Teilzeit, um am Nachmittag Zeit für den Nachwuchs zu haben.
Foto: Frank Pieth

Kind im Berufsleben

"Die Nachmittage sind mir sehr wichtig"

Karin H. (34) und Frank M. (38) standen mitten im Berufsleben als ihr Sohn geboren wurde. Seitdem sie eine Familie sind, ist vieles anders geworden. Ihren stressigen Agenturjob hat Karin H. aufgegeben. Sie arbeitet nun in Teilzeit, wie 70 Prozent aller berufstätigen Mütter.

Bevor Karin H. Mutter wurde, war sie Junior-Projektmanagerin in einer Nürnberger Kommunikationsagentur, ein Job mit interessanten Projekten und vielen Überstunden. Lange Arbeitszeiten kennt auch Frank M., der bei Siemens als Fertigungsingenieur angestellt ist und weltweit Werke zum Bau von Elektromotoren plant und aufbaut. Nach einem Jahr Elternzeit nahm Karin H. im Herbst 2013 ihren Job wieder auf, nun aber mit dem Schwerpunkt Konzeption und einer 20-Stunden-Woche.

Ein Porträt-Foto von Karin H. und Frank M.

Karin H. und Frank M.

Foto: Privat

„Projektbezogenes Arbeiten bedeutet oft viel Aufwand in kurzer Zeit. Allerdings konnte ich nicht mehr so tief einsteigen wie früher und bekam auch weniger interessante Aufgaben, was sehr unbefriedigend für mich war“, erinnert sich die gebürtige Berlinerin. Wegen ihrer Unzufriedenheit bewarb sie sich erfolgreich auf eine Teilzeitstelle im Bereich Online-Marketing beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen. Alle Kolleginnen des sechsköpfigen Marketingteams sind Mütter, fast alle arbeiten verkürzt und wissen die familienfreundliche Arbeitsatmosphäre zu schätzen.

Gehaltsunterschied war entscheidend

Da Frank M. immer mehr verdient hat als seine Frau, haben beide Eltern nicht lange überlegt, wer nach der Geburt beruflich kürzer treten sollte. „Und ich wollte auch nicht gleich wieder Vollzeit arbeiten, solange Bennet noch klein ist. Die Nachmittage mit ihm sind mir sehr wichtig“, ergänzt die 34-Jährige. Frank M. kommt in der Regel erst nach 19 Uhr nach Hause. „Familienzeit habe ich eigentlich nur an den Wochenenden“, sagt er, „aber ich versuche, Bennet einmal in der Woche aus der Kita abzuholen.“

An den anderen Tagen bringt Karin H. ihren Sohn in die Kita und holt ihn nachmittags ab. Wer zu Hause bleibt, wenn er krank ist, wird immer wieder neu diskutiert. Dass sich beide Eltern die Krankheitstage aufteilen, kommt eher selten vor. „In der Regel stecke ich zurück, auch wenn ich wichtige Termine habe“, sagt Karin H. Wenn es gar nicht anders geht, dann springt auch mal ihre Mutter aus Berlin ein. Mit befreundeten Müttern hat sie oft darüber gesprochen, wie man mit kleinem Kind trotzdem einen guten Job machen kann. „Man muss auch mal Dinge liegen lassen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“, bringt es Karin H. auf den Punkt.

Ein Kind verändert alles

Rückblickend sagen beide Eltern, dass sie von ihrem neuen Leben zu dritt ziemlich überwältigt worden sind, auch wenn sie vorab vieles besprochen haben. Zeit für den Job, Zeit für die Familie, Zeit für sich – das heißt jeden Tag aufs Neue mit vielen Herausforderungen jonglieren und oft das Gefühl haben, eigentlich nie genug Zeit zu haben. Diese Erfahrung teilen Karin H. und Frank M. mit vielen berufstätigen Müttern und Vätern. Was sich beide Eltern beruflich für die Zukunft wünschen, spiegelt die Aufgabenverteilung in ihrem Alltag wider. Während Frank M. eine höhere Führungsposition anstrebt, ist für Karin H. vor allen Dingen entscheidend, dass sich ihr Job zeitlich mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Sich weiterzubilden, ist ihr wichtig. Sie kann sich beispielsweise ein berufsbegleitendes Masterstudium im Bereich Online-Marketing gut vorstellen.

abi>> 23.06.2015

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