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Erst Sandmann, dann Schreibtisch

Junge Frau sitzt an einer Bank im Innenhof einer Hochschule und lernt.
Enge Taktung: Beim Studieren mit Kind ist gutes Zeitmanagement das A und O.
Foto: Julien Fertl

Studium mit Kind

Erst Sandmann, dann Schreibtisch

Ein verlässlicher Partner, den Fokus stets auf das nächste Etappenziel gerichtet und viel Humor: So haben Anneke Siedke (24), ihr Mann und ihre kleine Tochter den Weg durchs Bachelorstudium geschafft.

Um sechs Uhr aufstehen, die zweijährige Tochter wecken, gemeinsam frühstücken, dann rauf aufs Fahrrad. Bis zur Kita sind es 30 Minuten, der Campus liegt zum Glück gleich ums Eck. Anneke Siedke und ihr Mann studieren beide in Potsdam; sie ist an der Uni im zweiten Mastersemester Germanistik, er studiert an der FH „Urbane Zukunft“. Mit den morgendlichen Fahrten in die Kita wechseln sich die Eltern ab. Nach maximal sieben Stunden holt einer der beiden die Kleine wieder ab. Dann ist Familienzeit – spielen, essen, Geschichten lesen, Sandmann schauen. Ab acht Uhr abends widmen sich die beiden meist wieder ihrem Studium.

Den Kitaplatz haben sie erst seit wenigen Monaten. „Ich weiß selbst nicht mehr, wie das vorher ohne Kita gegangen ist – verrückt“, lacht Anneke Siedke. Vorher, das war in Kiel, wo sie ihren Bachelor in Deutsch und Geschichte absolviert hat und ihr Mann zur Uni nach Bremen gependelt ist.

Mit Baby in die Vorlesung

Ganz am Anfang nahm sie das Baby mit in die Uni. „In kleineren Seminaren und in einer Vorlesung, in der der Professor kein Problem damit hatte, war das möglich. Die Kleine hat die meiste Zeit geschlafen“, erinnert sich die 24-Jährige. Ansonsten haben sie und ihr Mann sich stunden- oder tageweise abgewechselt, so dass jeder seine Veranstaltungen an der Uni besuchen konnte. „Wir mussten quasi jeden Tag genau vorausplanen.“
Alles machbar, auch wenn sie sehr flexibel sein mussten und nicht immer alles reibungslos geklappt hat. „Als wir beide unsere Bachelorarbeit geschrieben haben und das Leben quasi aus Schreibtischarbeit und Baby bestand, war das schon sehr anstrengend“, gibt sie zu. Immerhin werden die beiden von ihren Familien unterstützt. Aber die wohnen nicht in Kiel und auch nicht in Potsdam und müssen erst einmal anreisen.

Die Kita war ein großer Schritt

Die Eingewöhnung in die Kita war ein großer Schritt für die junge Familie. Flexible Angebote der Hochschulen sind deshalb besonders wichtig für sie. „Wenn es an der Uni zum Beispiel Anwesenheitspflicht gibt, ist das für uns ein echter Stolperstein“, sagt Anneke Siedke. Und mit Blick auf Prüfungs- und Abgabetermine, die sie wegen ihrer Tochter verschieben musste: „Manche reagieren kulant, andere schicken einen direkt zum Prüfungsamt.“

Es gibt Universitäten, da können Studierende mit Kind etwa ihre Kurse früher wählen als andere, was für Planungssicherheit sorgt. Abgesehen davon sind Gleichstellungsbeauftragte der Hochschulen eine gute Anlaufstelle. Auch beim Studentenwerk oder Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) können sich studierende Eltern beraten lassen, wenn es beispielsweise um ein Urlaubssemester, Wohngeld oder Sozialhilfe fürs Kind geht.

Fokussiert durchs Studium

Finanzielle Unterstützung braucht die junge Familie nicht. Beide Eltern hatten schon bevor es ihre Tochter gab Stipendien und Nebenjobs. Auch aktuell arbeitet Anneke Siedke als studentische Hilfskraft an der Uni.

Dass das Studium unter der Situation leidet, kann sie nicht behaupten: „Mit Kind läuft alles fokussierter ab, weil ich einfach weniger Zeit habe. Die nutze ich aber umso effektiver.“

abi>> 01.01.2018

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