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Zwischen Überforderung und Glück

Kuschelbär sitzt auf einem Laptop.
Es ist oft gar nicht so einfach die persönlichen Karrierepläne mit der Kinderplanung zu verbinden.
Foto: Heidrun Hönninger

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Zwischen Überforderung und Glück

Immer mehr junge Menschen wünschen sich, später Kinder zu haben, wie die Shell Jugendstudie zeigt. Und sie wollen gute Jobs. Das geht nicht zusammen – oder doch? Heute müssen Eltern ihren eigenen Weg finden, Familien- und Berufsleben zu vereinbaren. Die Realität zeigt: Frauen sind dabei immer noch am meisten gefordert.

Diana und Olaf Scheumann (beide 38) sind beide in Vollzeit berufstätig und haben mit Oskar einen anderthalbjährigen Sohn. Die studierte Diplom-Geografin hat zusätzlich ein Lehramtsstudium absolviert und nach der Elternzeit ihr Referendariat an einer Gesamtschule in Großbeeren bei Berlin wieder aufgenommen. Das war vor vier Monaten. Seitdem ist jeder Wochentag separat organisiert, je nachdem, wann sie morgens zur Schule muss. Es gibt klare Absprachen, wer Oskar zur Tagesmutter bringt, regelmäßig springt auch der Opa ein.

Ein Porträt-Foto von Diana und Olaf Scheumann

Diana und Olaf Scheumann

Foto: Wolfgang Bittner

Nachmittags holt meistens Diana Scheumann ihren Sohn ab, ihr Mann kommt zwischen 17 und 18 Uhr nach Hause. Als Verkaufsleiter bei einem Fachgroßhandel für Reinigungs- und Hygieneprodukte ist auch er beruflich sehr eingespannt, sein Arbeitstag beginnt oft schon um 7 Uhr. Nach dem gemeinsamen Abendessen bringt er seinen Sohn ins Bett, während sie den Unterricht für den nächsten Tag vorbereitet. Oft sitzt die Referendarin bis 22 Uhr am Schreibtisch und arbeitet auch am Wochenende. Für beide Eltern insgesamt ein straffes Pensum, was in der Familie auch immer wieder diskutiert wird: „Der Lehrerberuf bringt zwar eine gewisse Flexibilität mit sich, dadurch bleibt im Alltag aber auch viel an mir hängen, so dass ich oft abends arbeiten muss“, sagt Diana Scheumann.

Wird die Arbeitswelt familienfreundlicher?

Zeitliche Flexibilität ermöglicht nicht nur der Lehrerberuf. Mittlerweile sehen die Unternehmen deutliche Vorteile im Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal, indem sie ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten (80 Prozent), Teilzeit (84 Prozent) und mobiles Arbeiten (mehr als 40 Prozent) anbieten, so die Ergebnisse des DIHK-Unternehmensbarometers 2012. Auch die Hochschulen engagieren sich für eine familienbewusste Studien- und Personalpolitik. Rund 130 Hochschulen und Universitäten tragen derzeit (Stand März 2015) das deutschlandweit anerkannte Qualitätssiegel „audit familiengerechte hochschule“ und steigern damit ihre Attraktivität als Arbeitgeber und Bildungseinrichtung. Einen Schritt nach vorne hat außerdem die Familienpolitik gemacht: Seit August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, vorausgesetzt der Nachwuchs ist ein Jahr alt.

Ein Porträt-Foto von Cornelia Spachtholz

Cornelia Spachtholz

Foto: Privat

Die Realität zeigt aber auch, dass die Karriereoptionen der Frauen nach einer Familiengründung deutlich eingeschränkter sind als die der Männer. Dabei gehört Diana Scheumann zur der kleinen Gruppe von knapp 30 Prozent der Mütter, die in Vollzeit arbeiten, bei den Vätern sind es hingegen über 90 Prozent. „Sobald der Nachwuchs da ist, verfallen viele Paare zurück in tradierte Rollenmuster“, weiß Cornelia Spachtholz, Vorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter (VBM). „Frauen, die in ihrer beruflichen Entwicklung zurückstecken, konzentrieren sich dann umso mehr auf die familiären Aufgaben, die Männer hingegen auf das Einkommen für die Familie.“

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abi>> 29.06.2015

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