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Stadt oder Land?

Blühende Kirschbäume auf dem Land
Kein Verkehrslärm, viel Natur, günstigere Mieten. Es gibt viele Gründe sich für das Arbeitsleben auf dem Land zu entscheiden.
Foto: Julien Fertl

Wohnen und Arbeiten auf dem Land

Stadt oder Land?

Vor allem junge Menschen zieht es häufig in die Stadt. Dabei bringt das Leben auf dem Land viele Vorteile wie geringere Mieten und Lebenshaltungskosten mit sich – und kann sogar interessante berufliche Perspektiven bieten. Ärzte oder Ingenieure zum Beispiel werden häufig händeringend gesucht.

Wer auf dem Land lebt, der kennt in der Regel die Unternehmen, die dort ansässig sind. Häufig zählen Freunde, Verwandte oder Nachbarn zu den Angestellten. So dürfte in Rehe, einer Gemeinde im Westerwald in Rheinland-Pfalz, den meisten Einwohnern der Region das Unternehmen Abus ein Begriff sein, das an diesem Ort einen Entwicklungs- und Produktionsstandort hat. So ging es zumindest Eva Zammert. Nach ihrem Masterstudium in „Materialwissenschaft & Werkstofftechnik“ an der Universität Siegen hat sie sich bei dem Sicherheitstechnikunternehmen beworben. Obwohl die 28-Jährige aus dem hessischen Herborn-Seelbach kommt und für den Weg zur Arbeit das Bundesland wechselt, beträgt der Arbeitsweg nur etwa 20 Kilometer.

Als Assistentin der Entwicklungsleitung kümmert sie sich bei Abus um die Vorbereitung und Organisation von Terminen und Besprechungen, übernimmt die Stammdatenpflege und stimmt sich mit den Lieferanten im technischen Bereich ab. „Am meisten Spaß macht mir, dass ich viel Verantwortung tragen kann und bei meiner Arbeit Kontakt zu unterschiedlichen Bereichen im Unternehmen und außerhalb habe“, sagt die Ingenieurin. „Ich arbeite an vielen verschiedenen Projekten und technischen Herausforderungen mit.“

Wo man sich kennt und hilft

Ein Porträt-Foto von Eva Zammert

Eva Zammert

Foto: Andreas Hentschel

Ein Leben in der Großstadt kann sich Eva Zammert nicht vorstellen: „Ich schätze die Naturverbundenheit auf dem Land sehr. Außerdem sind mir Familie und Freunde wichtig. Hier auf dem Land habe ich einen guten Job und kann in unmittelbarer Nähe zu ihnen wohnen.“ Zwar ist die Ingenieurin aufgrund der schlechten Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel für ihren Arbeitsweg und private Erledigungen aufs Auto angewiesen, das ist für sie aber der einzige Nachteil am Landleben. „Die Wohnsituation finde ich hier viel besser als in der Stadt: Die Lebenshaltungskosten sind geringer, Tiere zu halten ist problemlos möglich und die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist groß, denn man kennt sich hier. Und der kurze Arbeitsweg bedeutet für mich nicht nur weniger Stress, sondern auch mehr Freizeit.“

Welche beruflichen Möglichkeiten Abiturienten und Akademiker auf dem Land haben, hängt von den persönlichen Wünschen und Vorlieben sowie der eigenen Mobilität ab. „Auf dem Land zu wohnen heißt nicht, keinen Zugang zu moderner Technik und zu kulturellen Angeboten zu haben. Allerdings sind die Wege dahin manchmal länger“, sagt Stefanie Deutschbein, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Bernburg. „Wer preiswert bauen oder wohnen will, für den ist das im ländlichen Raum eher möglich als in der Großstadt. Und wer lieber ohne Verkehrsrauschen einschläft und Natur um sich herum schätzt, ist auf dem Land ebenfalls richtig.“

Dafür muss man eventuell längere Arbeitswege in Kauf nehmen: „Neue Firmen im ländlichen Raum siedeln sich eher in Gewerbegebieten an, die zwar gut an große Autobahnen und Bundesstraßen angebunden, mit dem öffentlichen Nahverkehr aber eher schlecht zu erreichen sind. Das kann ein Problem für angehende Azubis und potenzielle Mitarbeiter ohne Führerschein sein“, sagt Stefanie Deutschbein.

Viele Hidden Champions auf dem Land 

Ein Porträt-Foto von Stefanie Deutschbein

Stefanie Deutschbein

Foto: Meike Munschik

Während viele Konzerne ihren Sitz in einer Großstadt haben, findet man auf dem Land häufig mittelständische Firmen, die attraktive Arbeitgeber für Abiturienten sein können. Darunter sogar manchen Hidden Champion also ein Unternehmen, von dem kaum einer weiß, dass es auf seinem Gebiet Weltmarktführer ist. (Siehe auch die Berufsreportage Hidden Champion „Von Attendorn bis Amerika“.) „Gerade bei einem Mittelständler bekommt man schnell Verantwortung übertragen und kann Erfahrungen sammeln. Wer unbedingt in einem Großkonzern arbeiten möchte, kann auch das, dann aber eher an Standorten ohne Forschungsbereich. Stattdessen bieten sich dem Land eher Einstiegsmöglichkeiten in Produktionsstätten dieser Konzerne an.“ Schwierig wird es in Orten, die immer noch nicht ans schnelle Internet angeschlossen sind. „Hier wird es frisch gebackenen Akademikern mit Gründungswünschen in Heimatnähe oft noch unnötig schwergemacht“, berichtet Stefanie Deutschbein.

Dienstleistungs- und Pflegeberufe sind auf dem Land besonders gefragt, denn auch hier werden die Menschen älter, die Versorgung ist aber häufig nicht so gut wie in der Stadt. Dazu gehören neben Humanmedizinern oder Psychotherapeuten auch Tierärzte. (Siehe auch die Berufsreportage Landtierarzt „Nach dem Studium zurück aufs Land“.) Das Gleiche gilt für Metall- und Elektroberufe. „Weniger gefragt sind Berufe im künstlerischen und kreativen Bereich – aber auch hier kann man mit kreativen Ideen Nischen besetzen“, sagt die Beraterin.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten.
berufsfeld-info.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

abi>> 15.07.2019

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