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Der Sticker-Spezialist

Ein Fachwirt erstellt einen Produktkonfigurator am Computer.
IT im Stickerbusiness: Kunden laden ihre Wunschmotive online hoch und ein Programm überprüft die Druckdaten.
Foto: Axel Jusseit

Medienfachwirt Digital

Der Sticker-Spezialist

Sein eigenes Unternehmen, eine Agentur für Druckdienstleistungen, hat Paul Kündiger bereits als Schüler gegründet. Um als Chef die richtigen Entscheidungen treffen und sein Unternehmen weiter voranbringen zu können, entschied sich der heute 38-Jährige für eine Weiterbildung zum Medienfachwirt Digital.

Paul Kündiger ging noch zur Schule, als er „aus einer fixen Idee heraus“ mit 19 Jahren sein eigenes Unternehmen gründete. „Ich war in der Berliner Hip-Hop-Szene aktiv und habe mit einem Kumpel unter anderem das Merchandising für mehrere Künstler gemacht. Dazu gehörten Bandaufkleber, die wir in der Stadt verteilen wollten. Wir mussten jedoch feststellen, dass es kaum Möglichkeiten gab, in Berlin Sticker drucken zu lassen“, erzählt der 38-Jährige. Aus technischer Sicht lassen sich Aufkleber beim Druck schwieriger verarbeiten als beispielsweise Flyer oder Broschüren. Schließlich fanden die beiden eine Druckerei, die mit ihnen zusammenarbeitete. „Schnell wuchs die Nachfrage und wir entschieden uns, das beruflich zu machen.“ Eine gute Idee, wie sich herausstellte. Heute druckt Paul Kündigers Firma Hauptstadtader GmbH mit dem Online-Portal www.DeineStadtKlebt.de zwischen 60 und 80 Millionen Sticker im Jahr und zählt damit zu den größten Aufkleberdruckereien in Deutschland.

Vom Mediengestalter zum Medienfachwirt

Ein Porträt-Foto von Paul Kündiger

Paul Kündiger

Foto: privat

Trotz Selbstständigkeit entschied sich Paul Kündiger nach der Schule zunächst für ein Lehramtsstudium. Es dauerte einige Semester, bis er erkannte, dass es nicht das war, was er eigentlich machen wollte. Daraufhin absolvierte er in der Druckerei, mit der sein Unternehmen zusammenarbeitete, eine Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print.

Als sein Unternehmen im Laufe der Zeit immer weiterwuchs, machte er sich auf die Suche nach einer Weiterbildung, um den Anforderungen an ihn als Chef gerecht zu werden. Beim Bildungswerk der Wirtschaft (bbw) in Berlin, wo er heute auch als Dozent arbeitet, bildete er sich in zweieinhalb Jahren berufsbegleitend zum Medienfachwirt Digital und Print weiter. „Zweimal wöchentlich abends nach der Arbeit nochmal für drei Stunden den Kopf anstrengen – das war schon eine Herausforderung. Aber man kann das schaffen“, berichtet der Unternehmer.

„Alles in allem bereitet die Weiterbildung auf eine Führungsposition in einem Medienunternehmen vor“, erklärt er. Und obwohl er 2012, als er die Prüfung ablegte, bereits mehrere Mitarbeiter beschäftigte, war der Lehrgang für ihn sehr hilfreich. „Vorher habe ich alles intuitiv gemacht. In der Weiterbildung haben wir dann zum Beispiel Mitarbeitergespräche in Rollenspielen trainiert. Das hat mir sehr viel gebracht. Und es war ideal, dass ich es direkt in der Praxis anwenden konnte.“ Auch vom Austausch mit anderen Teilnehmern, von denen einige ebenfalls eigene Unternehmen leiten, hat er profitiert. Einen Teil der Kosten für die Weiterbildung deckte Paul Kündiger mit dem Aufstiegs-BAföG, auch Meister-BAföG genannt, ab. Derzeit kostet die Weiterbildung etwa 4.000 bis 5.000 Euro und wird neben den Bildungswerken der Wirtschaft beispielsweise auch von den Industrie- und Handelskammern angeboten.

Die digitale Druckerei

Thematisch gliedert sich die Weiterbildung in die vier Bereiche „Rechtliches“, „Zusammenarbeit im Betrieb“, „Betriebswirtschaft sowie „Information, Kommunikation und Planung“. Die Inhalte reichen von Arbeits- und Medienrecht über Projektmanagement bis hin zu Rechnungswesen und technischen Komponenten wie der Druckdatenverarbeitung und der entsprechenden Software. Ohne IT läuft im Druckereigewerbe heute nichts mehr. „Wurden vor einigen Jahren die Druckaufträge noch auf CD oder USB-Stick in den Laden gebracht und die Druckdaten manuell geprüft, erfolgt das heute alles digital und automatisiert. Unsere Kunden laden die Motive für die Aufkleber oder Flyer, die sie drucken möchten, online auf unserer Webseite hoch und ein Programm prüft die Druckdaten auf Format, Druckfarben und so weiter.“

Der logistische Prozess – also der Weg des Produkts von der Druckdatei bis zum Kunden – wurde so stark digitalisiert, dass viel weniger Lagerbestände verwaltet werden müssen. Dafür hat der technische Aufwand zugenommen, weshalb der Unternehmer immer häufiger mit Programmierern zusammenarbeitet, die für ihn die digitalen Druckprozesse technisch umsetzen. „Das fällt mir seit der Weiterbildung viel leichter.“

abi>> 15.10.2018