Technik, Jura und Herzblut

Ein Erfinder erklärt einer Patentanwältin eine technische Innovation.
Patentanwälte kriegen erstaunliche Dinge zu sehen. Kein Wunder: Zu ihnen kommen Erfinder, die ihre Innovationen schützen lassen möchten.
Foto: Peter Doerfel

Patentanwalt – Hintergrund

Technik, Jura und Herzblut

Wer eine technische Erfindung, eine Marke oder ein Design schützen lassen möchte, braucht einen Patentanwalt. Davon gibt es nur ungefähr 3.800 in Deutschland – denn die Ausbildung hat es in sich. Holger Geitz, Patentanwalt und Vorstandsmitglied der Patentanwaltskammer, weiß, wie die Ausbildung aussieht, welche Voraussetzungen nötig sind und warum Absolventen sehr gefragt sind.

Patentanwälte lieben ihren Beruf, sagt Holger Geitz: „Kaum ein anderes Berufsfeld bietet die Möglichkeit, so intensiv zwischen zwei ganz unterschiedlichen Welten wandern zu können: Technik und Juristerei.“ Der 51-Jährige ist selbst mit Leib und Seele Patentanwalt. Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Darmstadt hat er sowohl die Ausbildung zum deutschen als auch zum europäischen Patentanwalt absolviert. Seit 1998 führt er eine eigene Kanzlei in Karlsruhe.

Patentanwalt ist ein äußerst attraktiver und angesehener Beruf in Deutschland, denn Patentanwälte verfügen über sehr viel Know-how. Gleichzeitig ist der Beruf eher selten und dadurch sehr gefragt: Neben 160.000 Rechtsanwälten in Deutschland gibt es nur etwa 3.800 Patentanwälte. Doch wer sich für diesen Beruf entscheidet, braucht einen langen Atem: „Die Grundvoraussetzung, um Patentanwalt werden zu können, ist zunächst ein Master oder Diplom in einem technischen Studiengang, wie zum Beispiel Chemie oder Maschinenbau“, erklärt Holger Geitz. „Außerdem muss man mindestens ein Jahr praktische Berufserfahrung in einem technischen Gebiet nachweisen können. Erst dann kann man sich für die Ausbildung zum Patentanwalt bewerben.“

Internationale Herausforderungen

Porträt von Holger Geitz

Holger Geitz

Foto: privat

Die Ausbildung dauert knapp drei Jahre. Während dieser Zeit arbeitet der Bewerber in einer Patentanwaltskanzlei oder der Patentabteilung eines Unternehmens und absolviert gleichzeitig ein zweijähriges Studium an der Fernuniversität Hagen. Anschließend gilt es, das so genannte „Amtsjahr“ zu absolvieren – eine achtmonatige Ausbildungsstation beim Deutschen Patent- und Markenamt sowie beim Bundespatentgericht.

Am Ende der Ausbildung stehen eine schriftliche und eine mündliche Abschlussprüfung, nach deren Bestehen die Zulassung als Deutscher Patentanwalt erfolgen kann. Doch das ist nicht alles: „Es ist ratsam, sich auch noch zum European Patent Attorney, also zum europäischen Patentanwalt, weiterzubilden“, erklärt Holger Geitz. „Wenn ausländische Unternehmen Patente anmelden, wollen sie das mittlerweile meist komplett auf europäischer Ebene tun. Deshalb wird es immer wichtiger, hierfür die notwendige Qualifikation vorzuweisen. Als Patentanwalt arbeitet man oft auf internationaler Ebene.“

„Nachwuchs ist sehr willkommen!“

Wer sich für den Beruf des Patentanwalts interessiert, sollte neben einer großen Portion Durchhaltevermögen vor allem Neugier mitbringen. „Wissensdurst und die Bereitschaft, sich auf Dinge einzulassen, die man nicht kennt, sind hier sehr wichtig“, weiß der Experte aus Erfahrung. „Und natürlich auch die intellektuelle Fähigkeit, sich nach einem technischen Studium auf so etwas ganz anderes wie Jura einzulassen.“ Die Belohnung: Ein abwechslungsreicher Beruf mit vielen Vorteilen.

Neben immer wieder neuen, spannenden Aufgaben, die den Arbeitsalltag nie langweilig werden lassen, und den guten Karriereaussichten, ist die Flexibilität ein Pluspunkt. „Als Patentanwalt kann man sich seine Arbeit recht frei einteilen und sich außerdem auf einzelne Themenbereiche spezialisieren, die einen besonders interessieren. Jeder kann den Beruf so ausleben, wie er möchte“, berichtet Holger Geitz. „Ich kann deshalb allen technikbegeisterten Abiturientinnen und Abiturienten nur empfehlen, sich mit dem Berufsbild auseinanderzusetzen. Nachwuchs ist bei uns stets sehr willkommen!“

 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Patentanwalt)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit findest du Studiengänge in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de

Patentanwaltskammer

Bei der Patentanwaltskammer könnt ihr euch über den Patentanwaltsberuf informieren oder Patentanwälte in eurer Nähe ausfindig machen.
www.patentanwalt.de

Deutsches Patent- und Markenamt

Das Deutsche Patent- und Markenamt betreut die Ausbildung zum Patentanwalt. Auf dessen Internetseite finden sich detaillierte Infos rund um die Ausbildung und die Prüfung zum Patentanwalt.
www.dpma.de

 

Patentanwältin

Erfindungen schützen

Mit Erfindungen kennt sich Linda Nowack aus. Die 36-Jährige ist Patentanwältin mit eigener Kanzlei in Rosenheim. Sie berät Einzelpersonen und Firmen, die Marken, Designs oder technische Erfindungen schützen lassen möchten. Kein Wunder, dass sie täglich mit spannenden Themen zu tun hat!

Wenn Linda Nowack ihre Kanzlei betritt, kann sie sich auf einen abwechslungsreichen Arbeitstag freuen. Denn auf sie warten meist vollkommen neue Themen: „Zu mir kommen Erfinder, die eine technische Neuheit schützen lassen möchten“, erklärt sie. Als Beispiel nennt sie einen Bierkühler für den Biergarten, in dem das Bier schön kühl bleibt. „Zunächst muss ich bis ins kleinste Detail nachfragen, was es mit der Erfindung auf sich hat, wie sie funktioniert und wo der Mehrwert für den Nutzer liegt.“ In einem nächsten Schritt recherchiert die 36-Jährige: Sie findet heraus, ob es die Erfindung schon gibt und wo Unterschiede zu bekannten technischen Produkten liegen. Außerdem klärt sie ihre Mandanten über die Konsequenzen auf, wenn das Produkt patentiert wird – und was passieren kann, wenn sie sich gegen ein Patent entscheiden. Am Ende steht das Verfassen der Patentanmeldung.

Zu der Patentanwältin kommen neben Erfindern technischer Ideen auch Privatpersonen und Unternehmen, die Designs oder Marken schützen lassen wollen. „Ein Beispiel wäre etwa die Coca-Cola-Flasche, die selbstverständlich als Design und Marke geschützt ist“, erklärt sie. „Bei solchen Themen steht dann die strategische Beratung im Vordergrund. Ich frage den Mandanten, welche Ziele er mit seinem Produkt erreichen will, wie und wo er es verkaufen und wie er es präsentieren möchte.“

Promotion, Ausbildung, Selbständigkeit

Porträt von Linda Nowack

Dr. Linda Nowack

Foto: privat

Seit 2014 arbeitet Linda Nowack in ihrer eigenen Kanzlei in Rosenheim. Zuvor studierte sie Elektrotechnik an der Technischen Universität München und promovierte anschließend im gleichen Fach. „Schon vor dem Abi war mir bewusst, dass es die Möglichkeit gibt, nach einem technischen Studium Patentanwältin zu werden“, erinnert sie sich. „Ich habe immer mal wieder darüber nachgedacht und mich schließlich nach meiner Promotion in einer Patentanwaltskanzlei beworben. Das hat auf Anhieb geklappt.“

Die Ausbildung – drei bis vier Jahre in der Patentanwaltskanzlei und acht Monate Praktikum beim Patent- und Markenamt sowie beim Bundespatentgericht – hat ihr gut gefallen. „Man lernt nach all der Technik plötzlich eine völlig andere Welt kennen“, sagt sie. „Und das Tolle ist: Man lernt bei der Arbeit! Mit dem ausbildenden Anwalt hat man immer jemanden an der Seite, der einem die Sachverhalte erklärt und alle Fragen beantwortet.“ Ein Jahr nach ihrer Zulassung zur deutschen Patentanwältin hat sie sich selbständig gemacht.

„Mir wird nie langweilig!“

Mit ihrer Berufswahl ist Linda Nowack sehr glücklich. „Als Patentanwältin wird mir nie langweilig. Nicht nur, weil die Mandanten und deren Ideen völlig unterschiedlich sind, sondern auch, weil ich an der Schnittstelle zwischen Technik und Recht arbeite. Das ist sehr spannend“, schwärmt sie. „Außerdem ist man als Patentanwältin zeitlich und örtlich recht flexibel – und sehr gefragt.“

Doch um diesen Job ausüben zu können, muss man einiges mitbringen. Neben technischem und juristischem Interesse, einer guten Auffassungsgabe sowie Ehrgeiz und Neugier ist auch der Umgang mit Menschen eine wichtige Voraussetzung. „Ich muss meine Mandanten gut beraten, aber auch mit Ämtern umgehen können. Da ist oft Fingerspitzengefühl gefragt“, erklärt die 36-Jährige. „Außerdem sollte man sich gut auf Deutsch und Englisch ausdrücken können und gerne mal ein paar Stunden am Schreibtisch arbeiten.“

Für die Zukunft wünscht sich Linda Nowack, dass alles so bleibt, wie es ist. „Momentan läuft es echt gut, so kann es gerne weitergehen“, freut sie sich. „Ich hoffe allerdings, dass es in der Berufsgruppe bald mehr Nachwuchs gibt. Der Beruf ist nicht sehr bekannt, dafür aber sehr schön und auch sehr sicher. Ich würde mich deshalb freuen, wenn sich mehr junge Leute dafür interessieren.“


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Stand: 19.08.2019