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Menschen mit psychischen Problemen helfen

Ein junger Mann sitzt mit einer Patientin in einer Gesprächstherapie.
Der Bedarf an Psychotherapie ist deutlich gestiegen und die Wege in den Beruf sind vielfältig.
Foto: Axel Jusseit

Psychotherapeut/in – Zugangswege

Menschen mit psychischen Problemen helfen

Wenn die Seele erkrankt, braucht es nicht selten die Hilfe eines feinsinnigen Geistes, der sich mit Engagement, Ausdauer und einer Fülle an Fertigkeiten der Genesung des Patienten widmet – kurzum: Es braucht einen guten Psychotherapeuten. Wer diesen Beruf ausüben möchte, muss eine entsprechende Weiterbildung absolvieren.

Psychotherapeuten sind gefragter denn je. Laut Gesundheits-Report der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) hat sich in den vergangenen 30 Jahren die Anzahl der Fehltage deutscher Arbeitnehmer aufgrund psychischer Erkrankungen mehr als verdreifacht. Dementsprechend ist auch der Bedarf an Psychotherapien gestiegen: 2017 hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) knapp 31.500 Psychotherapeuten erfasst, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechneten – 2011 waren es noch 24.000.

Seit 1999 ist der Berufstitel „Psychotherapeut“ gesetzlich geschützt. Wer als solcher praktizieren will, braucht eine entsprechende Weiterbildung nach dem Studium und eine staatlich anerkannte Zulassung (Approbation). Dadurch soll gewährleistet werden, dass psychische Störungen nach wissenschaftlichen, staatlich anerkannten Methoden behandelt werden. Hierzu zählen die Psychoanalyse, die Tiefenpsychologische Psychotherapie, die Systemische Therapie und die Verhaltenstherapie. Die Behandlungskosten können die Psychotherapeuten, die im Arztregister eingetragen sind, über die gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Doch Psychotherapeut ist nicht gleich Psychotherapeut – es gibt unterschiedliche Ausbildungen und Werdegänge:

Psychologische Psychotherapeuten

Das Bundesarztregister der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt an, dass hierzulande derzeit rund 20.000 Psychologische Psychotherapeuten tätig sind. Sie alle mussten nach ihrem universitären Studienabschluss –in der Regel einem Master mit dem Schwerpunk Klinischer Psychologie oder ehemals einem Diplom – eine dreijährige Weiterbildung in Vollzeit oder eine fünfjährige Weiterbildung in Teilzeit abschließen, bevor sie Patienten therapieren durften. Zur Ausbildung gehören eine mindestens einjährige praktische Tätigkeit in einer psychiatrischen Einrichtung und eine umfangreiche theoretische und praktische Ausbildung an einer staatlich anerkannten Ausbildungsstätte, in der ein wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren vertieft erlernt wird. Zu guter Letzt gilt es noch, die staatliche Abschlussprüfung zu bestehen. 20.000 bis 40.000 Euro kostet die Weiterbildung, für die die Auszubildenden in der Regel selbst aufkommen müssen. (Einen Einblick in den Berufsalltag eines Psychotherapeuten erhältst du in der Reportage „Wer andere therapieren will, muss selbst auf die Couch“.)

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Während ein Psychologischer Psychotherapeut ein Studium der Psychologie benötigt, darf es bei einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auch ein Studium der Pädagogik, Sozialpädagogik und in manchen Bundesländern auch ein Studium der Musiktherapie, der Sozialarbeit, der Heilpädagogik oder das Lehramtsstudium sein. Danach schließt sich ebenfalls eine psychotherapeutische Ausbildung an, die sich aber auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen fokussiert. Auch hier sind Pflichtpraxisstunden fester Bestandteil. Die Kosten belaufen sich auf 15.000 bis 30.000 Euro. Derzeit sind rund 6.000 Therapeuten in Deutschland auf Kinder- und Jugendtherapie spezialisiert.

Ärztliche Psychotherapeuten und Ärzte mit Zusatzqualifikation

Wer ein Medizinstudium abgeschlossen hat, kann eine fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie absolvieren. Die Bundesärztekammer verzeichnet derzeit etwa 6.000 tätige Ärzte in diesem Bereich. Sie wenden Psychotherapie nach anerkannten Verfahren an, sind aber auch für die Rehabilitation von Patienten in der Ambulanz zuständig. Zudem dürfen sie Medikamente verschreiben. Ihre Weiterbildung kostet 7.000 bis 12.000 Euro.

Praktizierende Ärzte können ihr eigenes Fachgebiet durch eine fünfjährige Zusatzweiterbildung in Psychotherapie, fachgebundener Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologische Therapie wie auch Psychoanalyse ergänzen. Diese kostet rund 10.000 Euro. Beide Berufsgruppen können über gesetzliche Krankenkassen abrechnen.

Heilpraktiker für Psychotherapie

Alternativ gibt es die Möglichkeit, sich zum Heilpraktiker ausbilden zu lassen. Dieser darf „heilkundliche Psychotherapie“ ausüben, sich aber nicht „Psychotherapeut“ nennen. Der Verband Freier Psychotherapeuten verzeichnet aktuell 10.300 Tätige in diesem Bereich. Ihre Therapie-Methoden dürfen sie frei wählen, die Behandlungskosten zählen jedoch nicht zu den Leistungen gesetzlicher Krankenkassen.

Heilpraktiker für Psychotherapie müssen mindestens 25 Jahre alt sein und brauchen eine amtliche Tätigkeitserlaubnis der zuständigen Landesbehörde. Die Weiterbildung zur Vorbereitung auf die Amtsprüfung dauert in Vollzeit ein Jahr, besteht aus Seminaren, Projektarbeiten sowie einer Abschlussprüfung und kostet bis zu 7.500 Euro.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Psychologische/r Psychotherapeut/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du unter anderem nach Weiterbildungen suchen. (Suchwort: Psychologische/r Psychotherapeut/in)
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Bundespsychotherapeutenkammer (BptK)

Von der Ausbildung über die Prävention bis hin zu den neuen Versorgungsformen: Hier findest du aktuelle Nachrichten und rechtliche Informationen zum Thema Psychotherapie.
www.bptk.de

Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DptV)

Der Verein für Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten hat für dich die wichtigsten Informationen rund um den Beruf des Psychotherapeuten zusammengestellt.
www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de

PiAPORTAL – Das Portal für Junge Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung

Hier findest du Artikel zum Beruf des Psychotherapeuten, Informationen zur Ausbildung und Prüfungsordnungen sowie die neusten Stellenangebote in deiner Region.
www.piaportal.de

Pro Psychotherapie e.V.

Hier kannst du nach Adressen und Links von Ausbildungs- und Weiterbildungsinstituten in deiner Region suchen. Zudem bietet die Homepage wissenswerte Fakten rund um das Thema Diagnosen und Therapien.
www.therapie.de

abi>> 07.09.2018