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Ein Profi, der nie auslernt

Ein Wirtschaftsprüfer arbeitet am Computer.
Wer als Wirtschaftsprüfer arbeiten möchte, sollte eine große Zahlenaffinität mitbringen.
Foto: Axel Jusseit

Wirtschaftsprüfer - Hintergrund

Ein Profi, der nie auslernt

Spaß am Umgang mit Zahlen und analytisches Denken stehen beim Anforderungsprofil von Wirtschaftsprüfern ganz oben. In diesem Beruf arbeiten darf nur, wer schon mehrere Jahre Berufserfahrung gesammelt und das Wirtschaftsprüferxamen bestanden hat.

Er ist der Einzige, der den Jahresabschluss eines größeren Unternehmens prüfen darf: Der Wirtschaftsprüfer. Doch das ist längst nicht alles: „Das Aufgabenspektrum ist breit gefächert“, sagt Henrik Solmecke vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. „Neben den klassischen Bereichen der Abschlussprüfung und Steuerberatung geht es auch um die Sanierung von Unternehmen, deren Bewertung, Prozessoptimierung oder sogar Strategieberatung.“

Der graue Mann mit Ärmelschoner, der in seinem Kellerbüro Aktenstapel studiert? Laut Henrik Solmecke ein veraltetes Bild dieses Berufs. „Heute ist es zum Beispiel in der Abschlussprüfung viel wichtiger, das interne Kontrollsystem zu prüfen“, sagt er. „Das heißt, ich gehe als Wirtschaftsprüfer in das Unternehmen, analysiere die Prozesse und identifiziere die Risiken des Geschäftsmodells. Heute ist Wirtschaftsprüfer ein viel kommunikativerer Beruf als früher.“

Natürlich müssen Interessenten trotzdem nach wie vor eine gewisse Zahlenaffinität mitbringen. Zusätzlich jedoch systematisches Denkvermögen, die Fähigkeit, Prozesse, Muster und Strukturen zu erkennen und zu sehen, ob es darin Schwächen gibt.

Wie wird man Wirtschaftsprüfer?

Ein Portrait-Foto von Henrik Solmecke.

Henrik Solmecke

Foto: privat

Über achtzig Prozent der Wirtschaftsprüfer kommen aus einem Studium der Betriebswirtschaftslehre, der Wirtschaftswissenschaften, oder der Volkswirtschaftslehre. Einen wachsenden Teil machen Quereinsteiger aus den sogenannten MINT-Fächern aus – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Nach Abschluss des Studiums beginnen die Kandidaten zum Beispiel bei einem Wirtschaftsprüferunternehmen oder in einer Steuerberaterpraxis.

Doch Wirtschaftsprüfer sind sie deswegen noch nicht: Vor ihnen liegt eine anspruchsvolle und umfangreiche Prüfung, nach deren Bestehen die Vereidigung für diesen Beruf steht. „Das ist tatsächlich eine Prüfung, die sich gewaschen hat – die Durchfallquote liegt bei rund 50 Prozent“, sagt auch Henrik Solmecke. In sieben Klausuren müssen die Kandidaten ihr Wissen in den Bereichen Prüfungswesen, Betriebswirtschaftslehre, Wirtschafts- und Steuerrecht unter Beweis stellen. Abschließend präsentieren sie vor einer Kommission einen kurzen Vortrag und stellen sich den Fragen der Prüfer.

Die Vorbereitung auf die Prüfung beginnt meist schon ein Jahr vorher. Einige Weiterbildungsanbieter helfen den Kandidaten in Fern- und Präsenzlehrgängen dabei, die Stofffülle zu bewältigen – die Wirtschaftsprüferkammer listet Anbieter auf ihrer Internetseite auf. Je nach gebuchten Modulen kostet die Weiterbildung etwa zwischen 6.000 Euro und 12.000 Euro. Oft beteiligen sich Arbeitgeber an den Kosten und unterstützen ihre Mitarbeiter bei der Vorbereitung, indem sie sie zum Lernen freistellen. Für die Zulassung zur Prüfung und die Prüfung selbst wird eine Gebühr von 3.500 Euro erhoben. Kandidaten mit Bachelorabschluss werden nach vier Jahren Berufspraxis zugelassen, mit Masterabschluss nach drei Jahren Berufserfahrung.

Der andere Weg: spezielle Studiengänge

Inzwischen bereiten auch spezielle Studiengänge auf das Wirtschaftsprüferexamen vor. Wer das in der Tasche hat, kann sich bei der Prüfung einzelne Bereiche anrechnen lassen und muss nicht mehr alle Klausuren schreiben. Eine weitere Möglichkeit stellt ein berufsbegleitender Masterstudiengang dar: In diesem Modell arbeiten und studieren die angehenden Wirtschaftsprüfer im halbjährigen Wechsel. Wer diesen Weg wählt, kann sich mit einem vorgeschalteten Steuerberaterexamen den Bereich des Steuerrechts anrechnen lassen.

Doch mit dem bestandenen Examen ist die Zeit des Lernens nicht vorbei, da sich die Regeln der Rechnungslegung ständig weiterentwickeln. „Als Wirtschaftsprüfer muss man das lebenslange Lernen wörtlich nehmen – es gibt sogar die Verpflichtung, sich fortzubilden“, sagt Henrik Solmecke. Doch die Mühe lohnt sich ihm zufolge: „Die Tätigkeit ist sehr vielseitig, verantwortungsvoll und macht Spaß. Für Einsteiger sind die Karrierechancen zudem extrem gut.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Wirtschaftsprüfer/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du unter anderem nach Weiterbildungen suchen. (Suchwort: Wirtschaftsprüfer/in)

https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Wirtschaftsprüferkammer

Hier findest zu Informationen zum Beruf des Wirtschaftsprüfers, zur Weiterbildung und zu Neuerungen.
www.wpk.de

Insitut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V.

Hier findest du Informationen zum Beruf, Neuigkeiten zur Weiterbildung, Fortbildungen, Berufspraxis und Kontakt zu Kollegen.

www.idw.de/idw

abi>> 22.03.2019