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Zahlenmeister mit Kommunikationsgeschick

Ein junger Mann arbeitet konzentriert am Computer und macht zwischendurch Notizen.
Wirtschaftsprüfer kontrollieren den Jahresabschluss eines Unternehmens.
Foto: Sonja Trabandt

Wirtschaftsprüfer

Zahlenmeister mit Kommunikationsgeschick

Alexander Coir (35) sieht Unternehmen gründlich in die Bücher: Der Wirtschaftsprüfer durchforstet ihren Jahresabschluss und stellt sicher, dass er geltenden Gesetzen und Vorschriften entspricht.

Alexander Coirs Berufsalltag bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG am Standort in Frankfurt am Main ist zweigeteilt. An manchen Tagen sitzt er konzentriert an seinem Schreibtisch und analysiert die Dokumente seiner Mandanten. Unternehmensplanungen, Jahresabschlüsse und andere Finanzinformationen liegen dann vor ihm. Sind die Unterlagen vollständig? Ist die Unternehmensplanung solide? Entspricht das Unternehmen dem Wert, den seine Finanzabteilung errechnet hat? „Dafür recherchiere ich relevante Kennzahlen – zum Beispiel Preisentwicklungen oder steuerrechtliche Entwicklungen in den Ländern, in denen das Unternehmen aktiv ist“, erläutert der 35-Jährige.

Denn häufig betreut Alexander Coir für seinen Arbeitgeber international tätige Unternehmen. Dann braucht er neben Kommunikationsgeschick, Fingerspitzengefühl und Organisationstalent auch sehr gute Englischkenntnisse. „In Videokonferenzen spreche ich mich mit meinen Kollegen ab, die vor Ort die Bücher der Unternehmen prüfen“, erklärt er. Bei ihm als Senior Manager und seinem Partner, dem verantwortlichen Wirtschaftsprüfer, laufen die Informationen zusammen. „Wir präsentieren die Ergebnisse dem Mandanten – dabei haben wir es in den meisten Fällen mit der Führungsriege des jeweiligen Unternehmens zu tun.“

Fundiertes Wissen in vier Bereichen

Ein Portrait-Foto von Alexander Coir.

Alexander Coir

Foto: privat

Für seine Arbeit muss Alexander Coir auf fundiertes Wissen aus den Bereichen Prüfungswesen, Betriebswirtschaftslehre, Jura und Steuerlehre zurückgreifen. Diese Kenntnisse hat er sich über Jahre hinweg erarbeitet: Nach seinem Diplomstudium der Wirtschaftswissenschaften legte er zunächst das Steuerberaterexamen ab, dann begann er die Weiterbildung zum Wirtschaftsprüfer.

„Etwa ein Jahr lang investierte ich Freizeit und Wochenenden, um für die relevanten Fächer zu pauken“, erinnert sich Alexander Coir. Beim Prüfungswesen standen Fragen der nationalen und internationalen Rechnungslegung auf dem Lehrplan. Er erlernte die Standards für die Durchführung einer Wirtschaftsprüfung und überlegte gemeinsam mit seinen Dozenten und anderen Examenskandidaten, welche Auswirkungen aktuelle EU-Gesetzesänderungen auf die Prüfung der Jahresabschlüsse haben. Im Fach BWL erkannte er einiges aus seinem Studium wieder. „Das war im Grunde ein Schnelldurchlauf des zahlenlastigen Teils der BWL“, erinnert er sich. In Jura ging es vor allem um Handelsrecht, bürgerliches Recht sowie Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht. „Weil ich das Steuerberaterexamen bereits in der Tasche hatte, brauchte ich diesen Teil in meiner Weiterbildung zum Wirtschaftsprüfer nicht mehr belegen.“

Den Lehrgang absolvierte Alexander Coir bei einem privaten Anbieter. An den circa 6.000 Euro Weiterbildungskosten beteiligte sich sein Arbeitgeber, der ihn zur Vorbereitung auf die Prüfung etwa drei Monate freistellte. Weil er unmittelbar nach dem Studium bei seinem Arbeitgeber anfing und auch während der Weiterbildung dort arbeitete, konnte der 35-Jährige die für die Zulassung benötigte Berufserfahrung von mindestens vier Jahren vorweisen.

Im Auftrag des Staates

Die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer selbst wird von der Wirtschaftsprüferkammer durchgeführt – sie regelt die Prüfung und Vereidigung angehender Wirtschaftsprüfer in staatlichem Auftrag. Die Gebühr für diese Prüfung beträgt bis zu 3.500 Euro. Wegen seines Steuerberaterexamens musste Alexander Coir nur fünf statt der insgesamt sieben Klausuren schreiben – in einem Zeitraum von zwei Wochen.

Anschließend wurde er zur mündlichen Prüfung geladen. Hier hielt er zu Beginn einen kurzen Vortrag zu einem Thema, das er sich unter drei Vorschlägen auswählen konnte, und stellte sich den Fragen der Kommission. „Nach erfolgreichem Abschluss des Prüfungsverfahrens und der Vereidigung durch die Wirtschaftsprüfungskammer darf ich mich nun Wirtschaftsprüfer nennen“, freut er sich.

Als solcher führt er im öffentlichen Auftrag eine sogenannte hoheitliche Aufgabe aus, obwohl er bei einem privaten Unternehmen angestellt ist. Das nächste Ziel von Alexander Coir ist es nun, Geschäftspartner in seinem Unternehmen zu werden.

abi>> 22.03.2019