Heilen mit den Händen
Berührungsängste hat Antje Kaiser keine. Täglich bekommt sie es mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun. Junge und Alte, Dicke und Dünne, Frauen und Männer. Und alle sind meist mehr oder weniger spärlich bekleidet, wenn sie vor der 30-Jährigen stehen. Antje Kaiser ist Physiotherapeutin.
Körperkontakt: Als Physiotherapeutin kommt Antje Kaiser Menschen zum Teil sehr nahe.
Foto: Leberzammer
Nach dem Abi entschloss sie sich für die dreijährige Ausbildung an einer staatlichen Berufsfachschule, seit acht Jahren arbeitet sie nun in einer Praxis in der Nähe von Nürnberg. „Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich Menschen mit Schmerzen helfen kann, ohne Medikamente, einfach nur mit meinen Händen", beschreibt sie den Reiz ihrer Arbeit. Ihre Patienten werden zwar von den behandelnden Ärzten zu ihr überwiesen, auf welche Weise sie dann aber gegen Verspannungen, Verhärtungen oder Überbelastungen vorgeht, bleibt ihr weitgehend selbst überlassen.
Mit sanftem Druck
„Ich schaue mir erst einmal die Leute an", sagt sie, „und versuche dann herauszufinden, woher der Schmerz kommen könnte." Hat sie die Stelle am Körper ausgemacht, kommen ihre Hände ins Spiel. Eine der häufigsten Beschwerden, die Antje Kaiser zu lindern versucht, ist die Volkskrankheit Rückenschmerz. Auch ihr heutiger Patient leidet darunter. „Angeblich kommt es von einem Bandscheibenvorfall", erzählt er, „aber die Ärzte wissen das selbst nicht genau." Jetzt liegt er bäuchlings auf der Massageliege - es ist mittlerweile seine vierte Behandlung bei Antje Kaiser - und lässt entspannt die Arme herunterbaumeln. Sanft, aber doch mit der nötigen Kraft, drückt die Physiotherapeutin mit beiden Handballen auf die Lendenwirbel des Mannes. Mit Bedacht, denn ihre Arbeit, früher auch als Krankengymnastik bezeichnet, ist nichts für Kraftmeier.
Eher eine Frage der Technik. „Solange du Kraft dazu benötigst, hast du es einfach noch nicht raus", meint sie. Das nötige Fingerspitzengefühl hat sie sich während ihrer Ausbildung, vor allem aber in den zahlreichen Fortbildungen für manuelle Therapie in der Zeit danach, angeeignet. Dazu kamen noch Seminare, beispielsweise über manuelle Lymphdrainage (dabei werden mit kreisförmigen Massagebewegungen Schwellungen im Gewebe in das Lymphgefäßsystem zurückgeschoben). Finanziert wurden diese Kurse von ihrem Chef. Ein „Glückstreffer", wie Antje Kaiser findet, „denn er lässt mich machen und unterstützt mich enorm".
Demnächst möchte sie sich im Bereich Osteopathie weiterbilden. „Das ist ein ganzheitliches Konzept, das sich viel stärker mit der Ursachenforschung als der bloßen Bekämpfung von Symptomen auseinandersetzt", erklärt die junge Frau.
20 Minuten Zeit
Während ihrer alltäglichen Arbeit kann sie sich allerdings kaum Gedanken um ihre berufliche Zukunft machen. Dafür ist der Zeitplan einfach zu straff: 20 Minuten kann sie jedem Patienten widmen. Gerade hat sie sich vom Mann mit den Rückenschmerzen verabschiedet - nicht ohne ihn an die Übungen, die er zu Hause machen soll, zu erinnern - jetzt wartet schon eine Frau mit ausgekugelter Schulter auf sie. „Aber genau das macht den Reiz des Berufs aus, ständig mit anderen Menschen zu tun zu haben. Vom Millionär bis zum Arbeitslosen, hier hast du sie alle."

